Uhrenmacher
Rainer Brand, Uhrenmacher aus dem Spessart Foto: Thomas Hieronymi
Er ist fest verwurzelt im Spessart. Dort wurde er 1962 geboren, dort eröffnete er vor einundzwanzig Jahren sein Atelier und von dort aus gehen heute seine Zeitmesser in die ganze Welt. Gleich einem klarem Bekenntnis zur Region ziert deshalb auch eine abstrakte Darstellung einer Spessarteule die Kronen seiner mechanischen Uhren. Auf das weltweit verbreitete Image Schweizer Chronometer wollte der Uhrmachermeister Rainer Brand sowieso nie spekulieren, im Gegenteil. Den Sitz seiner Uhrenwerkstatt hat er bewusst nach Heimbuchenthal gelegt, einem kleinen Erholungsort im oberen Elsavatal mitten im Naturpark Spessart - weit weg von den großen Uhrmachermetropolen.

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Uhrenmacher aus dem Spessart



"Hier genieße ich die geistige Freiheit, die ich zum Arbeiten brauche." Doch nicht nur die innige Verbindung des Meisters zu seiner Heimat fällt von Beginn des Gesprächs an angenehm auf, auch die Uhrenkollektion, die er interessierten Zeitgenossen mit viel Enthusiasmus erläutert, spiegelt eine Lebenseinstellung und Geisteshaltung wider, die sich wohltuend von der Masse abhebt. "Ich will der Zeit einen würdigen Auftritt verschaffen. Sie hat ihn verdient", sagt Herr Brand.

„Zeit ist, was die Uhr zeigt“, soll Albert Einstein scherzhaft auf die Frage nach dem Wesen der Zeit geantwortet haben. Obgleich sie uns fair und konsequent behandelt, objektiv ist und stets die Ruhe selbst, bleibt die Zeit für das menschliche Empfinden doch immer relativ. "Manchmal sitzt uns die Zeit im Nacken und jagt uns wie ein hungri¬ges Tier, dann weilt sie wieder dicht an unserer Seite wie ein treuer Gefährte, ob in schweren Lebensstunden oder Momenten unendlichen Glücksgefühls. Ob wir einen Moment als kurz oder lang empfinden, haben wir selten in der Hand." Deshalb haben die Menschen schon früh nach Wegen gesucht die zügellose Zeit zu bändigen - und die Uhr erfunden. Ihre Aufgabe ist es, der Zeit ein Gesicht zu geben, sie an die Kandare zu nehmen. "Eine Uhr ist verlässlich. Ihr stetes Ticken ordnet die Zeit und das hilft, Struktur in unser Leben zu bringen".

Ursprünglich hatte Rainer Brand gar nicht vor, den Beruf des Uhrenmachers zu ergreifen. "Als junger Kerl wollte ich Goldschmied werden." In der einzigen Goldschmiedeschule kombiniert mit Uhrmacherschule in Deutschland in Pforzheim wollte er das Handwerk erlernen. Doch alle Ausbildungsplätze waren bereits vergeben, also belegte er "übergangsweise" den Parallelkurs des Uhrmachers. Und schon bald war die Leidenschaft für mechanische Zeitmesser in ihm entfacht. Seine ersten Uhren hatte er auf dem Flohmarkt in Zürich erstanden. "Es war ein altes Pronto-Modell , die ich anschließend in mühevoller Kleinarbeit wieder herrichtete“. Schon damals hatte er sich ganz den mechanischen Uhren verschrieben, obgleich zu diesem Zeitpunkt längst Quarz- und Digitaluhren hoch im Kurs standen, für die er sich bis heute nicht begeistern kann. Auch das gehört zur Firmenphilosophie: Einem Trenddiktat würde sich der Uhrenkreateur Brand nie unterwerfen.

Nach der Meisterschule in Schwenningen sammelte er vielseitige Erfahrungen bei international renommierten Uhrenherstellern - stets mit dem einen Ziel: viel zu sehen und viel zu lernen, um letztendlich seine eigenen Kreationen zu verwirklichen. 1992 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. Seine ersten Uhren aus dieser Zeit, allen voran jene mit dem eingängigen Namen "Panama", sind heute auf ihre Art längst Klassiker. So steht der Name Rainer Brand für eine zwar kleine Uhrenmarke, die sich aber sehr konsequent entwickelte und vor allem bei Freunden hochwertiger Uhrenkunst auf Beifall stößt. Etwa 600 Uhren stellen der Meister mit seinen zwei Mitarbeitern in der kleinen Werkstatt pro Jahr her, Ehefrau Petra Anja Brand verantwortet das Marketing. „Bei uns kommt alles aus einer Hand – die Uhren, die Prospekte, der Internetauftritt, die Reparaturen. Und das gibt uns ein hohes Maß an Authentizität." Daneben ist es vor allem die Qualität, die die Arbeit des Ateliers auszeichnet. Wer vor 20 Jahren eine Uhr aus dem Hause Rainer Brand erwarb, hat gut investiert. Die Zeitmesser zeichnen sich aufgrund ihrer Robustheit durch beachtliche Werthaltigkeit, ja sogar Wertsteigerung aus und sind längst begehrte Sammlerstücke.

Bei seinen Modellen handelt es sich um mechanische Uhren mit automatischem Aufzug und einem Durchmesser ab 36 bis 40 Millimetern, von Hand aus feinsten Einzelteilen gefertigt. Eine bloße Manufaktur, als die der Betrieb oft tituliert wird, ist das Unternehmen aber nicht. Vielmehr leitet er eine Art Konstrukteursbüro für Uhren. Die Planung und die Montage erfolgen zwar in Heimbuchenthal, die Maßkomponenten seiner Uhrenmodelle aber stammen von renommierten deutschen und schweizerischen Herstellern, mit denen Herr Brand teilweise schon seit zwei Jahrzehnten geschäftliche Beziehungen pflegt. Dazu gehören exklusive Anfertigungen, etwa bombierte Uhrengläser aus einem Saphirglas mit Hartentspiegelung neuester Technologie oder Armbänder aus feinem Kalbs- oder Juchtenleder mit robuster Haiunterfütterung, gefertigt im traditionellen Vollumbugg-Verfahren. Alle Modelle werden einzeln nummeriert und registriert, und eine Gravur in der Glaseinfassung verzeichnet neben den Angaben zur Wasserdichtheit auch die individuelle Gehäusenummer der Uhr.

Gefallen und Inspiration findet Rainer Brand am Design und Kunstverständnis der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Gefällige Anleihen klassischer Uhrenmodelle zur Steigerung des Absatzes wird man im Design seiner Uhren aber vergeblich suchen. Rainer Brands Uhren kopieren nicht, sind keine Nachahmung, nicht einmal eine Reminiszenz. Deshalb sind sie auch das passende Accessoire für Menschen, die für sich selbst stehen können. Wer sich für ein solches Schmuckstück entscheidet, hat Freude an einem außergewöhnlichen Produkt und gibt seinem persönlichen Stil eine besondere Form des Ausdrucks. "Die Uhrentechnik muss eingebettet sein in ein ästhetisch anmutendes Gesamtkunstwerk." Und das findet seinen Ausdruck in einer unaufgeregten Erscheinung und einer typisch deutschen Formsprachen, die jeden Anflug plakativer Attitüden zu unterbinden weiß. Alles andere würde auch nicht zum bodenständigen und zurückhaltenden Lebensgefühl des Uhrenmachers passen. Dass die Uhren mit ihrem Understatement nicht nur Begeisterung in Deutschland, sondern auch in Japan auslösen, liegt an einem ähnlichen ästhetischen Verständnis, meint Herr Brand. "In Russland oder den USA, wo man es lieber protzig mag, finden meine Uhren weniger Käufer." Kongenial fortgeführt wird die Nüchternheit der Uhren in einer erfreulich überschaubaren Kollektion mit der Beschränkung auf wenige Meisterwerke - die Modelle sind echte Alternativen und nicht bloß Varianten. Verzicht und Reduktion auf das Wesentliche sind Attribute, die die Arbeit des Meisters auszeichnen. Rainer Brand gibt der gleichnamigen Uhrenmarke die Identität einer lebenden Persönlichkeit. Die Uhrenkollektion versinnbildlicht so die Lebenseinstellung und Geisteshaltung ihres Schöpfers aus dem Spessart.

Mehr Informationen finden Sie unter www.rainerbrand.de