Jürgen Kaiser aus Schweinfurt hat einen aufwändigen Star-Trek-Film produziert. Acht Jahre Bearbeitungszeit hat das ambitionierte Fan-Projekt in Anspruch genommen.

Schweinfurter dreht Star-Trek-Film mit Actionfiguren
Jürgen Kaiser aus Schweinfurt hat einen aufwändigen Star-Trek-Film gedreht. Acht Jahre Bearbeitungszeit hat das ambitionierte Fan-Projekt in Anspruch genommen. Foto: Jürgen Kaiser
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt das Raumschiff Enterprise in Galaxien vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat – in Szene gesetzt von dem Schweinfurter Jürgen Kaiser. Er hat einen aufwändigen Fan-Film der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ produziert. Die Schauspieler sind 16 Zentimeter große Actionfiguren, die Kulisse ist selbst gebastelt. Acht Jahre lang hat der Schweinfurter an seinem Mammutprojekt „Star Trek Enterprise II – Der Anfang vom Ende“ gearbeitet. Mit Stop-Motion-Technik und Computeranimationen haben er und sein Team den rund einstündigen Streifen erstellt. Noch wird nachbearbeitet, spätestens nächstes Jahr soll die Premiere stattfinden.

Die Bilder aus dem Trailer zeigen: Der Mann meint es ernst. „Mit dieser Tür habe ich angefangen“, sagt der 35-Jährige und zeigt auf ein Foto. In detailverliebter Kleinarbeit bastelte er so unter anderem die Krankenstation, den Maschinenraum und die Brücke des Raumschiffs Enterprise nach. An jedem Modell arbeitete er etwa zwei Monate. Sogar an einen Papierspenderhalter in der Krankenstation hat er gedacht. „Ich bin total penibel und genau“, erklärt Kaiser. „Wenn ich was mache, dann richtig.“ Mit unzähligen Schaschlikstäben baute er zum Beispiel ein Geländer nach – damit die Schatten realistisch fallen. Am schwierigsten waren runde Objekte, wie der Warp-Kern im Maschinenraum. „Die haben sich da wirklich ein blödes Design einfallen lassen“, meint Kaiser. Also fertigte er das Teil mit Gips an und schliff es ab, bis es passte.

Bei anderen Projektteilen holte Kaiser sich Hilfe, denn der Film soll perfekt werden. Die Animationen macht ein Profi, der für das Vorhaben zu Sonderkonditionen arbeitet. Eine Synchronsprecherin trommelte ein paar Kollegen zusammen, ein Komponist erstellte die Filmmusik. Zusammen mit einem anderen Fan schrieb Kaiser das 53 Seiten dicke Drehbuch. „Es ist mir wichtig, dass wir ernst genommen werden. Das hier ist keine Parodie, sondern ernst“, bekräftigt der 35-Jährige. Dabei soll mit dem Film kein Geld verdient werden – im Gegenteil. Kaiser hat in das Projekt den Wert eines Kleinwagens investiert, sagt er. Nicht einmal Spenden darf er annehmen, denn nur so wird das Projekt vom Rechteinhaber der Star-Trek-Marke geduldet.

An 220 Drehtagen fotografierte Kaiser die Szenen mit einer Spiegelreflexkamera. Fotografieren, da bei der Stop-Motion-Technik bis zu 30 aneinandergereihte Einzelbilder eine Sekunde Film ergeben. Millimeter für Millimeter verschiebt Kaiser dazu seine Schauspieler, damit hinterher eine flüssige Bewegung daraus wird. Sogar die Münder bewegen sich dank der Bearbeitung am Computer. Für eine Sekunde Film brauchte Kaiser im Durchschnitt eine Stunde Drehzeit, sagt er. „Im Nachhinein muss ich sagen, wir waren echt verrückt.“ Die lange Erstellzeit liege auch daran, dass sich das Team „bis ins kleinste Detail reingewuselt“ hat.

Jürgen ist kein Trekkie

Bei dieser Arbeit könnte man annehmen, der Schweinfurter ist ein fanatischer Star-Trek-Verehrer, Trekkie genannt. Einer, der sein Leben nach der Serie ausrichtet. Aber keineswegs: „Eigentlich bin ich gar kein richtiger Fan“, sagt der 35-Jährige. „Ich hab' die Serie gemocht und fand es schade, als sie 2005 eingestellt wurde. Ich wollte das weiterführen.“ Also machte er im Alleingang einen ersten Fan-Film („Der Zeitspiegel“) mit noch recht einfachen Mitteln. Schon ein halbes Jahr nach dessen Fertigstellung 2008 wurde ihm langweilig, erzählt Kaiser. Außerdem kam der Erstling überraschend gut in der Fan-Szene an, besonders in den USA mit englischer Übersetzung. Und so fing er mit dem Nachfolger an, der jetzt fast fertig ist.

Schweinfurter dreht Star-Trek-Film mit Actionfiguren
Filmplakat: "Star Trek Enterprise II – Der Anfang vom Ende" Foto: Jürgen Kaiser
Das Filmemachen habe ihn schon immer begeistert, erzählt der 35-Jährige. „Als Kind habe ich viele Making-ofs geschaut, da kannst du unheimlich viel lernen.“ Sein Beruf als Messfacharbeiter sei zudem wenig kreativ, das Star-Trek-Projekt ist sein Ausgleich. Und generell mag er Science-Fiction- Filme, daher werden in seinem Film auch ein paar Anleihen an „Star Wars“ zu finden sein. Die Geschichte des aktuellen Films knüpft an Kaisers Vorgänger an. Nachdem die Enterprise und ihre Crew ein Abenteuer in einem Paralleluniversum durchstanden, finden sie die Galaxis verwüstet vor. Überall fliegen Trümmer umher, eine große Schlacht muss stattgefunden haben – und die Erde meldet sich nicht auf die Kontaktversuche der Enterprise.

Was dann passiert, will Kaiser noch nicht verraten. Doch immerhin so viel: Die Enterprise trifft auf eine mysteriöse, feindliche Lebensform. Die Crew stattet dem Planeten Vulcan, der Heimat von Spock, einen Besuch ab. Und es wird eine effektreiche Weltraumschlacht geben. „Mir war wichtig, dass wieder etwas Abenteuer-Feeling aufkommt“, sagt Kaiser. So wie in den früheren Serienstaffeln. Kaiser hofft, den Film rechtzeitig bis zum März 2016 fertigzustellen. Da soll er auf der FedCon in Bonn gezeigt werden, nach Veranstalterangaben die größte Star-Trek-Messe Europas. Doch noch liegt das Team im Zeitplan zurück. „Es wird knapp“, sagt Kaiser.

Und was kommt danach? „So was Großes werde ich nie wieder machen“, ist sich der Schweinfurter sicher. Aber an einem Ghostbusters-Kurzfilm arbeitet er bereits. Und eine Idee, wie er das Star-Trek-Projekt weiterführen kann, hat er auch schon. „Volle Schubkraft voraus!“, würde Captain Kirk sagen.