Goldberg-Variationen in der MS Zufriedenheit
Am 22. Oktober startet eine neue Klassik-Konzertreihe in der Würzburger MS Zufriedenheit. Foto: dpa

Würzburg

Klassik-Konzertreihe in der MS Zufriedenheit

Wenn die Jugend nicht zur Klassik kommt, kommt die Klassik zur Jugend: Mit Bachs Goldberg-Variationen beginnt am 22. Oktober eine neue Konzertreihe in der MS Zufriedenheit.

Ein ungewöhnliches Stück an ungewöhnlicher Stätte: Am 22. Oktober startet Franz-Peter Fischer, Erster Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Würzburg, mit Bachs Goldberg-Variationen eine neue Klassik-Konzertreihe in der MS Zufriedenheit. Die MS Zufriedenheit an der Rückseite des Kulturspeichers, tagsüber Museumscafé, ist seit einigen Jahren einer der angesagten Clubs in Würzburg mit Schwerpunkt Techno- und House-Musik. Franz Peter Fischer wird die Goldberg-Variationen in einer Bearbeitung für Streichtrio mit Martin Vollmer (Viola) und Dmitri Dichtiar (Cello) auf historischen Instrumenten spielen, also mit Barockbögen und Darmsaiten. Zuvor wird Kulturreferent Muchtar Al Ghusain die den Variationen vorangestellte „Aria“ auf den Cembalo vortragen.

Frage: Warum MS Zufriedenheit?

Franz-Peter Fischer: Wir haben vor zwei Jahren im Theater mit Acid Pauli ein sogenanntes Crossover-Konzert gegeben, in dem wir auch elektronische Musik gemacht haben. Aber im ersten Teil haben wir ganz normales klassisches Programm gespielt und waren im Nachhinein total verblüfft, wie euphorisch die jungen Leute auf diesen ersten Teil reagiert haben. Die hatten gar nicht damit gerechnet, wie toll ein Sinfonieorchester klingen kann.

Wir haben dann aber gemerkt, dass das noch kein Grund ist, dass im nächsten Konzert die jungen Leute auch da sitzen. Also haben wir uns überlegt, dass wir ihnen entgegenkommen und sagen, okay, wenn ihr nicht zu uns kommt, dann spielen wir mal bei euch. Ich habe selbst noch nie in dem Raum gespielt, aber dort schon Konzerte gehört und glaube, er ist sehr geeignet. Ich verspreche mir da ein sehr buntes, lustiges, aufgewecktes Publikum.

Warum Goldberg-Variationen?

Fischer: Das ist tatsächlich eine schwierige Frage. Wir haben lange überlegt und wollten auf keinen Fall irgendwas Anbiederndes bringen, etwa in Richtung Crossover oder unterhaltsam. Wir haben gedacht, wenn, dann geben wir's ihnen gleich richtig. Und die Goldberg-Variationen will ich schon lange machen. Ich war aber bisher mit der Bearbeitung nie ganz zufrieden, aber jetzt gibt es eine neue, und es gibt auch Leute, die das gut spielen können auf historischen Instrumenten.

Die Klavieraufnahme von Glenn Gould ist nach wie vor Kult. Wie klingt das Stück als Streichtrio?

Fischer: Es heißt ja auch die „Gouldberg-Variationen“. Gould hat das Stück phänomenal eingespielt, aber er hat – wie alle anderen auch – gravierend in den Notentext eingegriffen, weil der Flügel eben keine zwei Manuale hat, wie in der Partitur gefordert. Und er war nicht gerade ein Bekenner der historischen Aufführungspraxis. Bei uns ist die Aufgabe eine ganz andere. Wir gehen analytisch vor: Mit der Aufteilung in Ober-, Mittel- und Unterstimme versuchen wir das Stück so transparent wie möglich zu machen. Und als Geiger hat man noch andere Möglichkeiten, etwa mit den Phrasierungen. Es ist ein ganz anderer Blickwinkel und damit ein guter Weg, das Stück neu zu hören.

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen, Sonntag, 22. Oktober, 11.30 Uhr, MS Zufriedenheit. Platzreservierung unter Tel. (09 31) 35 82 16 66.