Matthias Matuschik alias Matuschke darf seine beliebte Show auf Bayern 3 nicht fortsetzen. Er wird in ein Podcast-Format verbannt. Foto: Disharmonie (Lars Krüger)

München

Bayern 3 dreht beliebtem Moderator Matuschke den Saft ab

(Kommentar) Matthias Matuschik, der Querschläger auf Bayern 3, ist nicht mehr. Zumindest nicht wie gewohnt abendlich im Radio. Der öffentlich rechtliche Sender hat Matuschiks Show „Matuschke – der andere Abend bei Bayern 3“ gestrichen und schreitet damit seinen Weg zum austauschbaren AC-Format (AC steht für Adult Contemporary, sprich zeitgemäß – oder eben Einheitsbrei von heute) voran.

Man könnte auch sagen, dass der Sender damit seine Transformation zum AC-Format abschließt. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man das betrachten möchte. „Ich habe gekämpft, aber den Kampf verloren“, schreibt Matuschik auf seiner Bayern 3-Facebook-Fanseite, die er bald löschen möchte. Schließlich gibt es die Sendung nicht mehr.

Ein musikalischer und sprachlicher Leuchtturm inmitten so vieler einheitlicher Radiosendungen

Mit Matuschke stirbt ein Format, das in der sonst oft drögen und einheitlichen Radiolandschaft eine herrliche Erfrischung ist. Verzeihung, war. Wilde Musik aus allen Genres, ein ordentliches Musikwissen und ein zeitweise loses bis gar zu loses Mundwerk zeichnen den Mann aus, der auch als Kabarettist unterwegs ist.

Mit seiner frechen Art und einer im Februar 2021 politisch tatsächlich unbestritten verwerflichen, rassistischen Hasstirade (live on air!) stellte sich der Mann vom Bayerischen Rundfunk jetzt selbst beide Beine. Auch wenn der Sender laut Süddeutscher Zeitung dementiert, dass es einen Zusammenhang zwischen den rassistischen Kommentaren im Februar und dem Ende der Show jetzt im Mai gebe. Damals hatte sich Matthias Matuschik über die koreanische K-Popband „BTS“ ausgelassen, die einen Coldplay-Hit gecovert hatte. Eine Todsünde für den musikaffinen Sprecher, BTS wurde zur Zielscheibe rassistischer Äußerungen, die wir hier nicht wiederholen werden. Auch wenn der Song Mist sein kann, die Grenze hat Matuschke deutlich überschritten und dafür auch selbst zu Recht kassiert. Aber ein Ende der Sendung?

Mit dem Verzeihen ist das eben so eine Sache. Ist ein*e Moderator*in, die sich solch einen Fehler geleistet hat, tragbar? Wohl nicht für Bayern 3, der BTS-Kommentar hat vermutlich das letzte Quäntchen an der Waage gebracht, um Matuschke zu feuern. Oder naja, eben schon. Denn er darf schließlich weitermachen, in irgendeiner Podcastshow. Die Entscheidung von Bayern 3 ist damit weder Fisch noch Fleisch. Sein Fehler hätte entweder ganz, oder gar nicht bestraft werden müssen. Seine Äußerungen aus dem Ferbuar gehen unbestritten nicht, entschuldigt hat er sich dafür aber.

Und eines muss zu Matuschiks Verteidigung nach vielen Jahren Radioabende erwähnt sein: Die deutliche Grenzüberschreitung, die ganz klar rassistische Denkweisen reproduziert, macht Matuschke nicht automatisch zum Rassisten – das bewies er über viele Jahre durch seine weltoffene Sendung.  

Verbannung ins Podcast-Exil

Die Ausrutscher und Herausrutscher, die jeden Matuschke-Abend so sensationell authentisch machten, werden fehlen.  Daran rüttelt auch der Fauxpas aus dem Februar nicht. Und die strategische Fortsetzung des Senders, immer weniger Ecken und Kanten zu setzen, wird weitere Hörer von Bayern 3 zu Bayern 1 oder eben anderen Sendern treiben. Daran ändert auch nichts, dass Matuschke eben doch weitermachen darf. Verbannt in ein neues Podcast-Format namens „Fasten your Lederhosn“.

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