Daniel Schönbein hat den Bootshafen und Neuen Hafen von Würzburg in Szene gesetzt. Foto: Fotomontage

Würzburg

Der Neue Hafen von Würzburg, wie Du ihn garantiert noch nie gesehen hast

Funkelnde Sterne, eine grell beleuchtete Baustelle, das Naturschutzgebiet um die Zeller Waldspitze und der spiegelnde Main: die Szenerie für Daniel Schönbeins nächtliche Timelapse namens „Starry Night“ ist keine gewöhnliche. Denn der 27-jährige Würzburger, der als Meteorologe und Klimaforscher an der Uni Würzburg arbeitet, hat sich für ein neues Video-Projekt die Feuerwehr-Bootsanlegestelle in Würzburg vorgenommen und von dort aus unter anderem den Main und den gegenüberliegenden Neuen Hafen in Szene gesetzt.

Daniel, warum hast Du Dir den Neuen Hafen vorgenommen? Das ist ja vermeintlich kein schönes Würzburger Motiv.

Daniel Schönbein: Der Neue Hafen ist deshalb Filmobjekt geworden, da ich zum einen in der Zellerau wohne und zum anderen ein Jahr lang jeden Tag mit dem Fahrrad zur BASF auf Arbeit gefahren bin. Dabei bin ich immer am Bootshafen vorbei gekommen und habe mich dort nach Feierabend auch gerne mal niedergelassen. Nicht zuletzt, weil er ein eher ruhiger Spot in Würzburg mit relativ wenig Lichtverschmutzung ist und mir die Kulisse am Main an sich auch sehr gut gefällt.

Wie filmt man denn so eine Timelapse?

Man nimmt kein Video auf sondern lauter Einzelbilder, welche man anschließend als schnell aufeinanderfolgende Bildsequenz, meistens 25 Bilder pro Sekunde, abspielt und so die Bewegungen sichtbar macht. Für das Video habe ich meistens mit Belichtungszeiten zwischen 15'' und 25'' bei Blendenwerten von f/2.0 bis f/2.8 und ISO-Werten zwischen 400 und 800 gearbeitet. Die Lichtverschmutzung war in jener Nacht – ok, eigentlich waren es drei Nächte – dank der Wetterlage gar nicht so gravierend, sodass ich mit nur wenig Nachbearbeitung der Kamera-Rohdaten einen wirklich schönen Sternenhimmel herausbekommen habe.

Welches Equipment benutzt Du, um sowas hinzubekommen?

Ich habe zwei Sony Systemkameras, mehrere lichtstarke Weitwinkelobjektive und eine motorbetriebene Gleitschiene mit Panorama-Schwenk-und-Drehkopf.

Wie kommst Du dazu, Dir Deine Nächte so um die Ohren zu schlagen?

Für mich ist der Blick in die Sterne eine Art Meditation. Das Universum bringt unsere Vorstellungskraft an ihre Grenzen und in Anbetracht dessen relativiert sich unser tägliches Sein und Schaffen. Betrachtet man den Kosmos als ganzen, einheitlichen Komplex, bekommt man einen komplett anderen Bezug zum Leben und zu sich selbst. Klingt nun vielleicht etwas sehr pseudophilosophisch, aber ich glaube, viele Menschen haben sich in ihrem alltäglichen Trott verloren. Hinzu kommt auch noch meine naturwissenschaftliche Ader, und die Astronomie ist meiner Ansicht nach ein wirklich spannendes Themengebiet.

Ist es dann tatsächlich das Filmen, das Dir am meisten Spaß macht? Oder alles, was im Anschluss kommt?

Das schönste am Filmen ist tatsächlich die Zeit, in der die Kamera von alleine arbeitet und man selbst die Szenerie genießen kann. Seine fertigen Werke anzuschauen und jene Momente revue-passieren zu lassen ist ebenso herrlich. Aber auch die Tourplanung, der Aufbau und die Nachbearbeitung machen Laune, allerdings verschlingt letzteres Unmengen an Zeit.

Was heißt das?

Rechnet man alle Schritte von Idee über Umsetzung bis zum fertigen Film zusammen, kommt man auf etwa eine Stunde Arbeit pro eine Sekunde Film. Aber ich finde es lohnt sich.

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