Kenneth Lamar ist Tänzer in der Stripper-Gruppe Sixxpaxx, die am 5. Nobember 2019 in Würzburg in den Posthallen auftritt. Foto: Sixxpaxx / Lamar

Kitzingen/Berlin

Dieser ehemalige Kitzinger strippt in der Profi-Men-Show Sixxpaxx

Einen Bezug zur Nacktheit hatte der Tänzer Kenneth Lamar nie. Vielleicht auch deshalb, weil der ehemalige Kitzinger aus einem streng religiösen Elternhaus stammt. Heute gehört das Ausziehen zu seinem Job dazu. Wir haben ihn unter anderem gefragt, was seine Mama von seinem Job hält.

Frage: Kenny, schön dass es klappt. Wir fallen gleich mal mit der Tür ins Haus. Bist du gerne nackt?

Kenny Lamar: Es gehört zu meinem Job dazu, dass ich mich ausziehe. Das ist eine Men-Strip-Gruppe. Ich bin nach Berlin gezogen, um professioneller Tänzer zu sein. Mittlerweile gibt es in Deutschland keine Jobs mehr, bei denen ich auf der Bühne stehen und meine Liebe zum Tanz zeigen kann. Bei Sixxpaxx kann ich zeigen, was ich drauf habe.

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SIXX PAXX

Also lieber nicht nackt?

Ich würde lieber angezogen tanzen. Aber wäre ja blöd, wenn alle die Hosen runter lassen und ich nicht.

Als Tänzer in der Gruppe Sixxpaxx ziehst du dich Abend für Abend vor kreischenden Frauen bis auf die Unterhose aus. Was ist das für ein Gefühl?

Das erste Mal war eine Überwindung. Ich weiß nicht mehr, ob ich rot geworden bin, aber nervös war ich schon. Man gewöhnt sich dran. Es ist nicht so schlimm, weil man nur seinen Po zeigt. Vorne würde ich nie zeigen. Wenn das Pflicht wäre, wäre ich kein Stripper mehr. Das ist mir zu obszön, zu dreckig.

Wie bist du bei Sixxpaxx gelandet?

Kenny Lamar wohnte bis 2005 in Kitzingen und hatte dort eine Tanzschule. Foto: Sixxpaxx / Lamar

Ein Freund aus dem Fitness-Studio wollte, dass ich ihm eine Strip-Show choreografiere. Bei einem Treffen war das Management von Sixxpaxx dabei, die damals noch Berlin Dreamboys hießen. Als Choreograf fand ich die Aufgabe interessant, eine dreistündige Show zu entwickeln. Bedingung war aber, dass die Stripper anfangen müssen, zu trainieren. Auf der Bühne zu tanzen oder zu strippen, ist etwas anderes, als eine Choreografie zu lernen. Die Jungs trainierten mit mir und nach einem Jahr stieg ich als Tänzer ein.

Männer in Uniformen, glänzende Muskeln und kreisende Hüften: Sind das nicht ausgelutschte Klischees?

Ich zähle mich mit meinen Jungs nicht zu typischen Strippern. Für mich ist es mehr Kunst. Wir bieten Gesang und Rap, zeigen Breakdance und Akrobatik. Typische Stripper kommen auf die Bühne, ziehen ihre Polizeiuniform aus und reiten auf irgendwelchen Frauen rum. Das war's.

Was sagt deine Mama dazu, dass du dich jeden Abend ausziehst?

Ich komme aus einer sehr religiösen Familie, habe eine strenge Erziehung hinter mir. Bevor ich zu Sixxpaxx ging, habe ich mir Mamas Segen geben lassen. Wenn sie sich für ihren Sohn in Kitzingen geschämt hätte, hätte ich sofort aufgehört. Sie besuchte eine Show, fand sie toll und kommt auch nach Würzburg zur Show. Sie ist sehr stolz auf mich.

Der Auftritt dauert mehrere Stunden. Wie hältst du dich fit?

Ernährung! 70 Prozent Ernährung und 30 Prozent Training. Man muss wirklich clean sein mit seinem Körper und seinem Geist. Wir sehen das ganze Jahr so aus wie wir auf der Bühne stehen. Ist unsere Tour vorbei, geht es nach Mallorca. Wir haben Theater in Hamburg, Berlin und Leverkusen, wir sind also jede Woche auf der Bühne. Das heißt, der Sixpack muss immer zu sehen sein.

Keine Chips und Bier am Abend?

Natürlich kann man seinen Cheat Day haben. Das ist gut, auch für den Kopf, und kurbelt den Stoffwechsel an. Mein Cheat Day ist am Sonntag. Ich esse kaum Kohlehydrate, nur Salat, Fisch und Hühnchen, auch kein Zucker und Alkohol. Das mache ich nicht wegen Sixxpaxx. Das ist mein Lifestyle.

Aufgewachsen bist du in Kitzingen, hattest dort sogar eine Tanzschule. Welche Verbindungen hast du in deine alte Heimat?

In Kitzingen komme ich zur Ruhe. Das ist für mich wie Urlaub. Da sind meine Wurzeln. Für mich ist Kitzingen eine der schönsten Städte in Deutschland. Ich mag die Leute, ich liebe mein Fränkisch. Das rollende R wird immer bleiben. Da bin ich stolz drauf. Das Wichtigste in Kitzingen ist meine Mama, dazu meine Schwester und ihre Kinder. Ich wäre nie aus Kitzingen weggegangen, wenn nicht der Job in Berlin gewesen wäre. Ich bin von heute auf morgen nach Berlin gezogen. Am Freitag habe ich den Wettbewerb gewonnen, am Sonntag bin ich nach Berlin und am Montag habe ich schon gearbeitet. Berlin ist eine riesige Stadt, wie ein Schlag ins Gesicht. Ich überlege oft, ob ich zurückkomme. Ich möchte nicht in Berlin alt werden.

Und was vermisst du am meisten?

Die fränkischen Bratwürste. Die Meterbratwurst aus Sulzfeld. Mit Kartoffelbrei.

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