Rote Karte für diese Aktion! Foto: Armin Weigel (dpa)

Würzburg

Eskalation bei Würzburger Fußballspiel: Polizei ermittelt nach Schlägerei

Zwei verletzte Fußballspieler, ein Blaulichteinsatz der Polizei, verstörte Jugendliche: Die Partie des SV Heidingsfeld und Bayern Kitzingens in der U 17-Kreisliga ist vorvergangene Woche derart eskaliert, dass sich selbst langjährige Beobachter erschrocken bis schockiert zeigten. Kitzingens Trainer Christian Dotzel, der seit mehr als 15 Jahren im Geschäft ist, spricht von einem neuen Ausmaß der Gewalt. Im Fokus: drei Spieler der Heidingsfelder, die offenbar jegliche Kontrolle über sich verloren und nach Dotzels Worten selbst dann noch auf Kitzinger Spieler eintraten, als diese längst am Boden lagen.

Jetzt ermittelt die Polizeiinspektion Würzburg-Stadt, die am Tattag, dem 3. Oktober, mit mehreren Streifenwagen vorgefahren war, wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Ein Polizeisprecher erklärte auf Anfrage, die Beteiligten an der außer Kontrolle geratenen Schlägerei seien „namentlich“ bekannt. Jetzt gehe es darum, diese zu vernehmen. „Szenekundige Fußballbeamte“ führten die Ermittlungen, heißt es dazu von der Polizei.

Ohne Vorwarnung losgeschlagen 

Wie konnte es zu einer derartigen Eskalation kommen? Diese Frage beschäftigt viele der Beteiligten. Die Rede ist von Drohungen, von gezielten Faustschlägen, von blindem Hass, etwa im Bericht des Schiedsrichters, der der Redaktion vorliegt. Dort heißt es unter dem Betreff „Meldung zu Gewaltvorkommnissen“: „Besonders die gezielten und ohne Vorwarnung abgegebenen Faustschläge und Tritte, selbst als die Opfer bereits zu Boden gegangen waren, wurden mit brutalster Gewalt ausgeführt.“ Einen solchen „Gewaltausbruch“ habe er in 15 Jahren Jugendfußball noch nicht erlebt, so der von der Wucht der Ereignisse spürbar getroffene Unparteiische.

Bis zur 80. Minute (die Spielzeit bei der U17 beträgt zweimal 40 Minuten) war die Partie im Sportpark Herieden „relativ fair und friedlich“ verlaufen, wie es im Schiedsrichterbericht steht. Heidingsfeld führte 1:0. Dann trafen die Kitzinger in der ersten Minute der Nachspielzeit zum 1:1. Auf dem Weg zum Anstoß nahmen die Dinge ihren Lauf. Einer der Heidingsfelder Spieler habe seinen Kitzinger Kontrahenten zu schubsen begonnen, bekam dafür die Gelbe Karte und soll dem Bayernspieler dann mit Worten und Gesten Konsequenzen für die Zeit nach dem Schlusspfiff angedroht haben. Dafür kassierte er eine weitere Verwarnung in Form einer Zeitstrafe, der er auch nachkam.

Zwei verletzte Spieler landeten im Krankenhaus

Als der Schiedsrichter das Spiel nur Sekunden später abpfiff, sei der zuvor des Feldes verwiesene Heidingsfelder Jugendliche losgerannt und habe auf einen Kitzinger Spieler eingeschlagen und dann auch eingetreten. Weitere Kitzinger Spieler, die ihrem Kameraden zu Hilfe eilten, seien von jenem Heidingsfelder und zwei von dessen Mitspielern ebenfalls mit Faustschlägen attackiert worden. Betreuern, Zuschauern und dem Schiedsrichter sei es „nur mit größter Mühe und auch nicht sofort“ gelungen, der Lage Herr zu werden. Sie konnten nicht verhindern, dass sich zwei Kitzinger Spieler Verletzungen zuzogen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Der eine konnte die Klinik am Abend wieder verlassen, der andere musste über Nacht bleiben. Er hatte nach Worten seines Trainers eine Gehirnerschütterung und Prellungen erlitten, war auf dem Platz „kurzzeitig bewusstlos“ gewesen.

Während die Polizei weiterhin ermittelt, hat der Fußballverband rasch reagiert. Zwei Tage nach dem Vorfall wurden die drei mutmaßlichen Heidingsfelder Haupttäter vom Jugendsportgericht per einstweiliger Verfügung bis auf Weiteres gesperrt. „Massive Tätlichkeiten“ werden ihnen zur Last gelegt. Gelangt die Staatsanwaltschaft Würzburg nach Ende der polizeilichen Ermittlungen zum gleichen Ergebnis, wird sie kaum umhinkommen, strafrechtlich gegen die jungen Leute vorzugehen. Gefährliche Körperverletzung gilt als „Offizialdelikt“, muss also „von Amts wegen“ verfolgt werden.

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