Marc Dappert (31) aus Kleinrinderfeld trainiert gerne unter ohrenbetäubendem Sound. Foto: Patty Varasano

Fuchsstadt

Formel 1 als E-Sport: Wir zeigen, wie Marc aus Kleinrinderfeld trainiert

Das Cockpit einer Formel-1-Karre steht auf dem Dachboden einer Werkstatt in Fuchsstadt (Lkr. Würzburg). Gut, die Reifen fehlen. Stattdessen befinden sich um den roten Boliden ein Bildschirm, zwei Boxen und eine Konsole. Trockenübungen? Nö, „E-Sports.“ Der Eigentümer: Marc Dappert.

Seit Jahren schauen Tausende dabei zu, wenn fähige Menschen auf der Konsole oder dem Rechner spielen. Abwegig? „Nein“, meint Marc, als er seine PlayStation hochfährt. Ohrenbetäubender Lärm. Doch dem 31-Jährigen, der da gerade in das Chassis geklettert ist, das extra für solche Rennsimulatoren gebaut wurde, macht das nichts.

Neben seiner Zock-Ecke sind Teile für die Werkstatt auf einem Regal zu sehen. Foto: Patty Varasano

Seelenruhig, als würde hier Mozart zur Beruhigung laufen, dreht er seine Runden. Das Lenkrad vibriert, alles blinkt, das Bremspedal bewegt sich trotz energischer Tritte kaum – und der gestandene Familienvater wird zum Kind. Glücklich. So glücklich, als hätte man ihm bei 30 Grad im Schatten gerade eine übergroße Eiswaffel in die Hand gedrückt.

1996 mit dem ersten Formel-1-Spiel auf der Playsi angefangen

Ähnlich schwer zu handhaben ist auch das, was sich da auf dem Bildschirm abspielt. Mit irgendwelchen alten, pixeligen Rennspielen hat das nichts mehr zu tun. Dappert hat sie aber alle geliebt – und gespielt. „1996 fing's an. Da durfte ich mir zur Kommunion was raussuchen. Und das war die erste PlayStation. Mit dem Formel-1-Spiel.“ Die Augen des Kfz-Meisters leuchten.

„Irgendeinen Ausgleich brauche ich halt.“, sagt der frühere Fußballer. Und geht mit seinem Hobby aufs Ganze. Das Einsteiger-Set in den eigenen vier Wänden wurde ersetzt. Seit gut zwei Monaten steht er da, der Rennwagen, der vom Monitor und zwei großen Boxen umrahmt wird. Satte 3500 Euro hat er gekostet.

Marc richtete ein eigenes Studio ein und fährt jetzt in der PS4-Liga Rennen ohne Fahrhilfen. Foto: Patty Varasano

Wie Hamilton, Vettel und Co. sitzt auch Dappert oft stundenlang hinterm abschraubbaren Lenkrad und feilt an den Einstellungen. „Beim letzten Mal war die Reifentemperatur zu hoch, da sind sie mir um die Ohren geflogen.“

Marc Dappert zu den Spitzenreitern bei der „FormelAustria“

Doch das bleibt meist die Ausnahme. Denn der Kleinrinderfelder gehört in den zwei Rennserien „Online Racing Club“ und „FormelAustria“, in denen er an den Start geht, zu den Schnellsten. Während jeder beim „Online Racing Club“ mitmachen kann, musste sich Dappert für die „Formel Austria“ qualifizieren: Weil die Zeit beim Quali-Fahren überzeugte, wurde er zum Tryout eingeladen und ergatterte wie auch seine Kumpels Sebastian Pfeifer, Daniel Edelmann und Kevin Masewicz letztendlich einen Platz in der Serie, an der 20 Fahrer teilnehmen und insgesamt sieben Rennen austragen – das letzte als Live-Event im Wiener Rathaus. Ihre Schnelligkeit hat die Vier sogar ins Euronics-Gaming-Team gehievt. Hauptberuflich funktioniert es aber dennoch nicht. Marc trainiert an drei Tagen die Woche – jeweils gut eine Stunde nach der Arbeit.

Bald steht der Grand-Prix in Monaco an – Settings, Reifen, Bremspunkte, die Aerodynamik, Vollgas-Zonen und die voraussichtliche Wetterlage müssen nun bestimmt werden, damit der Kampf um die vorderen Plätze nicht ohne die Euronics-Gamer ausgetragen wird. Für den zweistündigen Wettbewerb im Fürstentum Monaco hat Marc ohnehin nur ein Wort übrig: „Reifenkrieg!“

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