Laura Brand aus Würzburg in einem Outfit aus "Phantastische Tierwesen". Foto: Nerdy.viii

Würzburg

Laura aus Würzburg macht Cosplay und räumt mit Klischees auf

Cosplay zeigt, wie wandelfähig Menschen sein können. Da wird der braunhaarige Finanzberater innerhalb von Stunden zum blonden sirenenartigen Racheengel und die Nachbarin von Nebenan verwandelt sich, wie sie das möchte, zu Lara Croft oder Naruto. Das Kostüm-Hobby aus Japan stößt aber nicht nur auf Verständnis.

Es sei Fetisch-Mist, sagen die einen. Die laufen doch auch privat alle so rum, sagen die anderen. Und mancher versteht es einfach als ganzjährigen Fasching. Mit diesen Klischees möchte Laura Brand aus Würzburg aufräumen. Sie weiß: Wer Cosplayer ist, der braucht Selbstbewusstsein. Und Geld.

„Cosplay ist für mich die Möglichkeit, kreativ zu sein und meine Serien- und Film-Lieblingscharaktere zu huldigen. Ich hauche den Figuren mit den Kostümen Leben ein, um den Leuten zu zeigen, was ich mag“, sagt Laura über ihr Hobby. Hinter dem Kunstwort „Cosplay“ verbirgt sich das Kürzel „Cos“ für „Costume“ (Kostümieren) und das Wort „Play“ für spielen. Es ist ein Verkleidungsspiel, das für fast alle Cosplayer zur Passion wird.

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Cosplayerin Laura aus Würzburg - ihre besten Bilder

Das Verlangen nach neuen Kostümen

„Mir kribbelt es in den Fingern, wenn ich länger nichts mache“, sagt die 23-jährige Würzburgerin. Damit meint sie nicht nur die Teilnahme an Events, sogenannten Conventions, sondern auch das Nähen von Kostümen. Hauptberuflich kümmert sich Laura Brand um die Bühnendeko am Mainfrankentheater, nach Feierabend entwirft sie Kostüme. „Ich bin ja so dumm, dass ich es selbst nähe. Normalerweise werden die Kostüme in Japan hergestellt und da kann man es kaufen“. Auch wenn sie selbst näht, investiert Laura einen stolzen Betrag in die Outfits. 2018 hatte sie etwa 12 Kostüme genäht, teilweise hat sie auch Kostüme gekauft. Kostenpunkt: Rund 1.500 Euro. Für sie ist aber gerade das ein zentraler Punkt. „70 Prozent meines Spaßes am Cosplay ist das Nähen (craften), 10 Prozent das Fotoshooting, 10 Prozent das Make-Up und 10 Prozent die Wettbewerbe“.

Wer sich wie Laura professionell ausrüstet, der zeigt das Ergebnis für gewöhnlich auch der Öffentlichkeit. Laura Brand nutzt dafür Instagram und fährt auf Conventions. „Ich bin aufgedreht und schlafe schlecht, bevor ich ein neues Kostüm trage“, sagt die Bühnendekorateurin. Um es dann öffentlich zu zeigen „braucht es Selbstvertrauen“.

Das gilt auch für ihr Instagram-Profil, auf dem sich Laura immer wieder recht eindeutig mit anderen Frauen zeigt. Das liegt vor allem daran, dass Laura „Crossplay“ betreibt - sich also meistens als männliche Figur zeigt. „Es geht mehr um die Pose als dass es erotisch ist. Das ist absolut nicht romantisch“. Ihr Freund finde es übrigens total ok. Manchmal, sagt sie und lacht, füge er noch hinzu, „dass ich es filmen soll, wenn mehr passieren sollte als küssen“.

Die vermeintlich erotische Komponente am Cosplay bringt sie dazu, abschließend mit drei Vorurteilen aufzuräumen.

Vorurteil 1: Cosplay ist ein Fetisch und Teil der BDSM-Szene

Auch wenn Cosplay in der Fetisch-Szene eine Rolle spielen kann, ist der überwiegende Teil aller Cosplayer ganz weit weg von der BDSM-Szene (BDSM = Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism). Die sexualisierende Komponente am Cosplay kommt laut Laura davon, dass es zahlreiche Cosplayer gibt, die Lolita-Charaktere verkörpern und daher wie 12- oder 13-Jährige wirken. Viele würden das aber einfach auch aus einem pragmatischen Grund machen: Um Follower aufzubauen und viele Likes zu bekommen. „Ich habe aber keinen Fetisch und kein Kostüm in die Richtung“, bilanziert Laura. Und das gelte es auch für viele andere Cosplayer rund um die Welt.

Vorurteil 2: Cosplay ist doch nichts anderes als Fasching

Klar, Cosplay ist verkleiden. Aber vieles, was im Fasching stattfindet, fehlt bei Cosplay-Conventions. Laura dazu: „Ich finde, Fasching ist nur eine Sauferei. Cosplay ist da gesitteter. Man gibt schließlich viel mehr Geld für die Kostüme aus.“

Vorurteil 3: Cosplayer tragen ständig ihre Kostüme

Laut Laura besteht zu guter Letzt auch das Vorurteil, dass Cosplayer kaum mehr andere Klamotten hätten als ihre Kostüme und deshalb nur noch auffällig und verkleidet durch die Gegend laufen. Falsch, denn Cosplayer schmeißen sich – ähnlich wie Fußballer für ein Fußballspiel – meist nur für Conventions und Fotoshootings in ihre speziellen Outfits

Generell vergleicht Laura Cosplay gerne mit Fußball. Denn auch beim Ballsport gibt es Fans, die für ihre Mannschaft rund um den Globus reisen, bunte Trikots und Schals bei jeder Jahreszeit anziehen und sich auf dem Event selbst ordentlich austoben. Da lebt eben jeder selbst seine kleine verrückte Wahrheit. Ob Cosplayer oder Fußballfan.

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