Polizeirazzia in Cannabis-Shops in Würzburg und Schweinfurt
Blick auf einen CBD-Shop der Kette "Cannameleon" in der Eichhornstraße in Würzburg. Foto: Daniel Peter

Kommentar

Nach Razzien: Warum die Legalisierung von Cannabis überfällig ist

(Kommentar) Nach drei Razzien in Cannameleon- Shops in Würzburg und Schweinfurt steht der Handel mit Produkten auf Hanfbasis im gesellschaftlichen Fokus. Die örtliche Kriminalpolizei versuchte am Dienstag mit Durchsuchungen, das geltende Gesetz durchzusetzen. Das ist richtig so, das ist die Aufgabe der Beamten.

Zwei Seiten, zwei Blickwinkel

Auf der anderen Seite stehen die Betreiber der Shops, die kein Marihuana verkaufen, sondern sogenannte CBD-Produkte. Das sind Nahrungsergänzungsmittel auf Hanfbasis, die das Wohlbefinden und die Gesundheit fördern sollen. Von bekifften Shop-Besuchern ist das so entfernt, wie der Papst von einer Parade für Homosexuelle. Die Betreiber zeigen sich daher ebenfalls zu Recht über die „Vorkommnisse erschüttert“, im Cannameleon-Laden in Würzburg wird von einer „Repressalie“, also von einer staatlichen Zwangsmaßnahme, gesprochen.

Ist ein solches Vorgehen verhältnismäßig?

Wer die Vorwürfe der Polizei kennt, dem geht die Frage nach der Verhältnismäßigkeit durch den Kopf. Seit Ende Januar 2019 sollen THC-haltige Produkte als „Teesorten“ auch an Minderjährige verkauft worden sein. Diese enthielten offenbar kein legales Cannabis, sondern den Stoff THC. Rund 0,2 Prozent THC enthält so ein Blütentee. Eine berauschende Wirkung hat er damit nicht. Der geringfügig enthaltene Stoff ist dennoch enthalten und der Verkauf der Blütentees an Minderjährige nicht gestattet. Passiert sei der Verkauf an unter 18-Jährige trotzdem, so der Vorwurf der Polizei.

Entspricht das der Wahrheit, ist dieser Verkauf vor Recht und Gesetz ein Fehler und zu ahnden. Um das aufzudecken, gab es aber keinen sparsamen Besuch von zwei Beamten, sondern in Würzburg und Schweinfurt marschierten erst einmal Polizeibeamte mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei ein. Ein Polizeisprecher sagt, dass der Einsatz vielleicht deshalb „anders“ als alltägliche Aktionen gewirkt habe. So verbrennen wir staatliche Gelder für einen Fall, der ein kleines Delikt darstellt. Bei dieser geringen THC-Menge kann einfach nicht von Jugendschutz gesprochen werden, hier geht es lediglich um das Zeigen von Stärke. Das kann, wie in den vorliegenden Fällen, einfach überzogen wirken.

Ein gesellschaftlicher und rechtlicher Missstand

Seit Jahren windet sich die deutsche Regierung um diesen gesellschaftlichen Zwiespalt herum. Cannabis bleibt verboten, Alkohol bleibt erlaubt. Es entschieden in den letzten Jahren Drogenbeauftragte, die von ihrem Themengebiet wenig bis keine Ahnung haben.

Eine wirklich befriedigende Erklärung für das Verbot von Cannabis gibt es kaum. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte bis Mitte 2019 sagte im Interview mit Jung & Naiv, dass Cannabis nicht erlaubt sei, weil es illegal ist.

Nur historische gewachsene Strukturen können daher die Grundlage für eine halbseidene Situation wie diese verantwortlich sein. Eine Gleichbehandlung von Drogen wie Cannabis und Alkohol gibt es derzeit nicht.

Es wird Zeit, dass sich Deutschland endlich klar für den legalen und überwachten Verkauf von Cannabis ausspricht. Mittlerweile gibt es zu viele Beispiele global, die zeigen, dass die Legalisierung wenig bis keine negativen Konsequenzen mit sich gebracht hat – zumindest, wenn wir es mit dem ohnehin legalen Alkoholhandel vergleichen. Der Staat verdient mit, die Qualität der Produkte steigt, die Kriminalität um den Schmuggel und die Durchsetzung der Straßen-Verkaufsrechte sinkt. So die Theorie, die in der Praxis erste Früchte trägt.

Mehr Zeit für Aufklärung, weniger für Verbotskontrolle

Es geht nicht darum, Tür und Tor für die Legalisierung sämtlicher Drogen zu öffnen. Es geht darum, mehr Zeit in Aufklärung, Prävention und Qualitätskontrolle zu investieren, anstatt in die Durchsetzung eines aus der Zeit gefallenen Verbots.

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