Love Island 2019
Das sind die Islander 2019 (von links): Melissa, Mischa, Asena, Denise, Erik, Dijana, Ricarda, Melissa, Dennis, Lisa, Danilo und Yasin. Foto: RTL II/Magdalena Possert (RTL II)

WÜRZBURG

"Okay nice" - Können wir bitte mal über "Love Island" reden?

Trash-TV ist weder besonders geistreich noch niveauvoll. Darüber sind sich alle einig. Dennoch eignet es sich wunderbar zum Abschalten und – auch wenn das niemand gerne zugibt – um sich besser zu fühlen. Es gibt sogar Studien, die herausgefunden haben, dass Trash-TV unserer Geistesverfassung gut tut. Also brauchen ich und die anderen Trash-TV-Gucker da draußen uns keine Sorgen machen. Ob es um die Geistesverfassung der Kandidaten der Show gut bestellt ist, bezweifle ich allerdings.

Seit Montag läuft die Sendung wieder bei RTL2. Vier Wochen lang, jeden Abend. Montags läuft die Sendung um 20.15 Uhr, Dienstag bis Sonntag um 22.15 Uhr. Überdurchschnittlich trainierte, gepflegte und luftig bekleidete Menschen ziehen in eine Villa auf Mallorca ein. Im Prinzip funktioniert die Datingshow wie „Der Bachelor“ – nur ohne Rosen und mit mehr Männern. 2019 wohnen zum dritten Mal in Folge Mittzwanziger in dem Haus für Farbblinde. Wobei Kandidatin Denise schon 32 Jahre alt ist. „Boah, das ist ja krass“, findet Danilo. Die zwei haben sogar im November Geburtstag. Beide haben das Sternzeichen Skorpion. Wenn das keine Seelenverwandtschaft ist.

Auf die Frage „Was machst du beruflich?“ antwortet Denise: „Wimpern“. Ebenfalls beliebte Berufe sind Model und Content Creator. Aber niemand ist „Kosmetikerin“. Denn das sage man in den Berufszweigen nun wirklich nicht.

Vom Astrophysiker und Naturfotografen zu "Love Island"

Nach dem Einzug der ersten fünf Frauen, Denise, Lisa, Melissa, Ricarda und Samira, kommen nach und nach die fünf Männer, Danilo, Mischa, Yasin, Dennis und Erik. Wenn den Frauen der Typ gefällt, können sie einen Schritt nach vorne gehen. Danach wählt aber der Mann, welche Frau – oder laut Moderatorin Jana Ina Zarrella „Mädchen“ – er will. Danilos Wahl fällt auf Melissa. Danilo ist übrigens gebürtiger Italiener, "aber in Deutschland geboren".

Demonstrativ legt er seine Hand auf ihre Schulter. Schließlich sind sie jetzt ein „Couple“. Das Wort „Beziehung“ wäre ja auch zu krass. Wenig später läuft aber Paul-Jahnke-Verschnitt Erik seinem Konkurrenten den Rang ab. Er hat Astrophysik studiert, ist Naturfotograf und jetzt eben bei „Love Island“. Man kann nur hoffen, dass er der Versuchsleiter in der Villa ist.

Besonders tiefgründig erklärt Mischa, wieso er noch Single ist: „Ich suche nach Fragen, aber finde die Antworten nicht.“ Erschreckend. Genauso wie die Outfits der Kandidaten. Lange Fransen, Vokuhila-Kleider mit Leo-Muster und Perlmutt, Jacken ohne Hemden darunter.

Kandidat Dennis wird zum Gespött im Netz

Wen scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann, ist Dennis. Bei seinem Einzug fragt er Denise, bei welchem historischen Ereignis sie gerne dabei gewesen wäre. Sie beginnt hektisch zu lachen und antwortet: „Keine Ahnung“. Er lächelt souverän und entgegnet: „Okay, nice.“ Als Zuschauer hatte man zumindest nach seiner Frage kurz Hoffnung, dass Dennis etwas mehr Deepness ins Haus bringt. Dann fragt er Lisa, ob sie lieber süße oder salzige Pancakes mag. „Salzige“, antwortet sie. „Okay, nice“, findet Dennis. Als keine Frau für ihn vortritt: „Okay, nice.“ Dennoch beeindruckt dieser Auftritt nachhaltig. Immerhin ist er das Vorzeigeexemplar, wie man rasend schnell zum Gespött im Netz wird.

Euch verwirren die Namen Dennis und Denise nicht? Macht nichts. Den Sportlehrer Yasin dafür umso mehr. Mit einer Tuchmaske sitzt er am ersten Morgen im Bett und lamentiert, dass alle Kandidaten im Haus denselben Namen hätten. Und das von jemanden, der sich pro Schulstunde rund 30 Namen merken muss. Als er den Frauen eine Schulnote geben soll, vergibt er eine „glatte Zehn“. Noch einer, bei dem das Schulsystem versagt hat.

Wo ist Elena, wenn man sie braucht?

Spätestens in dem Moment sehne ich mich nach einer anderen Moderatorin als Jana Ina, die laut RTL2-Skript versucht, in allem die Romantik zu sehen. Wann kommt bitte Elena Miras ins Haus gestürmt, wild gestikulierend und schreit „Krass, wie dumm du bist! So dumm!“? Mit dem Wunsch stehe ich nicht alleine da. Die Social-Media-Community will die Love-Island-Gewinnerin 2017 ebenfalls in der Show sehen.

Nach der ersten Paarungszeremonie – ja, so heißt das wirklich – läuft alles in RTL2-typischen Bahnen. Die Kandidaten lernen sich kennen, die ersten Tränen fließen und ein Bitch-Fight bahnt sich an, als zwei neue Kandidatinnen ins Haus einziehen. Selbst im Phrasenschwein des RTL2-Teams dürfte es schon geklingelt haben. „Seine Maske ist gefallen“, berichtet Ricarda ihrem Couple Mischa über ihren Exfreund. Auf der Strichliste fehlen jetzt noch Aussagen wie „Das ist alles Fake“ – das hoffe ich zumindest.

Ist „Love Island“ für meinen Geisteszustand tatsächlich gut? Ganz sicher bin ich mir nicht. Nach der ersten Folge fühle ich mich gut unterhalten, aber schäme ich mich auch ein wenig. Um es mit den Worten von Dennis zu sagen: „Okay, nice.“

(Dieser Artikel ist ein Meinungsstück)

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