Ganz schön gruselig: Im Eingangsbereich des "Horrorhauses" im Geiselwinder Freizeitland stehen neben Skeletten auch ausrangierte Grabsteine - das sorgte für Unmut und einen ungewöhnlichen Prozess vor dem Kitzinger Strafrichter. Foto: Katrin Amling

Geiselwind

Opas Grabstein im Geiselwinder Freizeit-Land entdeckt: Urteil ist da

So ungewöhnlich wie der Prozess um die „Horrorhaus-Grabsteine“ im Freizeit-Land Geiselwind (Lkr. Kitzingen) war, so ungewöhnlich war letztlich auch sein Ende: Wegen „Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ wurde Parkbetreiber Matthias Mölter verwarnt, vorbehaltlich einer Geldstrafe von 2000 Euro (50 Tagessätze zu je 40 Euro).

Das nicht alltägliche Urteil kann man sich als Geldstrafe auf Bewährung vorstellen: Wenn der Freizeit-Land-Betreiber an der A 3 bei Geiselwind die kommenden zwei Jahre keine ausrangierten Grabsteine mehr ohne ausdrückliche Erlaubnis der Hinterbliebenen aufstellt, ist die Sache für ihn erledigt und er kann sich die 2000 Euro sparen. Etwas zahlen muss der Angeklagte dann aber doch: Kitzingens Strafrichter Peter Weiß sprach eine zusätzliche Geldbuße über 1200 Euro aus, über die sich das Kinder- und Jugendheim in Geesdorf (Lkr. Kitzingen) freuen darf.

Was ist damals geschehen?

Wie berichtet, war im Frühjahr 2017 in dem Spaßpark ein Gruselhaus unter dem Namen „Dr. Lehmanns Horror-Lazarett“ als weitere Attraktion von dem neuen Besitzer aufgebaut worden. Ein paar Monate später – im August – war eine 13-Jährige aus dem oberfränkischen Landkreis Lichtenfels auf Ministrantenausflug in dem Park. Als das Mädchen vor dem Horrorhaus den Grabstein ihres 1996 verstorbenen Opas sah, traute sie ihren Augen nicht. Die Witwe des Toten hatte nach der Grabauflösung den Gedenkstein zur Entsorgung an einen Steinmetz, den Onkel des Parkbetreibers, übergeben. Dieser gab den Stein sowie sieben weitere schließlich dem Freizeitpark. Dabei habe er, so betonte er jetzt als Zeuge vor Gericht, sowohl seinen Neffen am Telefon als auch die Abholer der Grabsteine darauf hingewiesen, dass die Inschrift entfernt werden müsste.

Das passierte jedoch nicht, die echten Grabsteine landeten als gruselige Dekoration vor dem „Horrorhaus“. Das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen, nachdem die erboste Witwe Anzeige erstattet hatte, mündete in einen Strafbefehl über 5000 Euro, was jedoch vom Parkbetreiber abgelehnt wurde und es deshalb zur Verhandlung kam.

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