Schwul / Homo / Homosexuell
Ist nicht ein Outing bereits diskrimierend? Wir sprechen mit Dorie von Queer Pride Würzburg e. V. Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Würzburg

Queer and pride in Würzburg: Eine Zukunft ohne Coming Out

"Mein Name ist Dorie Hoffmann, ich komme aus Würzburg und ich bin fast 38 Jahre alt. Ich hatte erst mit Anfang 30 den Mut, mich als Lesbe zu outen.“ Schwul sein ist auch in unserer mehr oder weniger aufgeklärten Gesellschaft noch immer ein heikles Thema. Im 21. Jahrhundert braucht die Community der queeren Menschen weiterhin Unterstützung. Es gilt schlichtweg nicht als normal, der LGBTIQ+-Gemeinschaft anzugehören. Am Wochenende wird der Verein "Queer Pride Würzburg e. V." mit seiner CSD-Winterparty im Labyrinth zu Gast sein. Wir haben mit Dorie über Outings und ein offenes Würzburg gesprochen.

Sag mal Dorie, Queer Pride bedeutet ja nichts anderes als schwul und stolz darauf zu sein. Geht dir das so?

Dorie Hoffmann: Stolz auf meine Sexualität, meine Liebe für Frauen? Nein, darauf bin ich nicht stolz. Warum sollte ich das auch? Da ist doch nichts dabei. Das hab ich mir nicht mal ausgesucht. Aber stolz darauf, was eine Generation vor 50 Jahren begonnen hat, nämlich für ein diskriminierungsfreies Leben der LGBTIQ+ Community zu kämpfen, und diesen Weg nun weiter zu verfolgen, ja, darauf bin ich stolz.

Ihr kämpft diesen Kampf mit Queer Pride mit. Was habt ihr dabei vor?

Dorie Hoffmann: Der Verein "Queer Pride Würzburg e. V." hat es sich zum Ziel gesetzt, durch öffentliche Veranstaltungen zum Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber LGBTIQ+ Personen beizutragen und so die rechtliche Gleichstellung voranzutreiben. Ebenfalls war es für den Verein in diesem Zug wichtig, wieder jährlich einen Christopher Street Day in Würzburg zu veranstalten.

Und dafür engagieren sich nur Homosexuelle?

Dorie Hoffmann: Nein, der QPWü ist kein reiner homosexueller Verein. Unsere Mitglieder sind bunt gemischt in Geschlecht und Sexualitäten. Allen gemeinsam ist lediglich der Wunsch, die oben genannten Ziele zu erreichen. Und dennoch soll das "queer" im Namen deutlich machen, dass wir ganz klar Menschen aus der Community, für die Community sind.

Erzähl uns von deinem Schritt, dich zu outen.

Dorie Hoffmann: Das war ein schwerer Schritt, denn Familie und Freunde, die mich maximal für ‚ein bisschen bi‘ hielten, waren mitunter schockiert. Nachdem sich diese Wellen aber größtenteils gelegt hatten, wollte ich etwas für die Lesben tun. Zum einen wollte ich mich sichtbar machen. Denn wer weiß, ob ich mich nicht schon damals mit 16 Jahren, als die erste große Liebe eben kein Junge sondern ein Mädchen war, als Lesbe identifiziert hätte.

Ist nicht schon das Coming Out ein relativ diskriminierender Fakt?

Dorie Hoffmann: Ja, tatsächlich. Die Jugend wächst aber mit so vielen Möglichkeiten auf, dass ich nur hoffen kann, dass bald keine Outings mehr nötig sind. Denn es ist doch absolut unwichtig, wie oder wen mein Gegenüber liebt oder welchem Geschlecht er/sie sich zugehörig fühlt. Ist es nicht einfach nur wichtig, dass er oder sie dabei glücklich ist?

Wie ist denn dein Umfeld drauf, was dein Lesbisch-Sein angeht?

Dorie Hoffmann: Ich habe an der Universität Würzburg Pädagogik studiert und arbeite im sozialen Bereich. Das Schöne am sozialen Bereich ist, dass er sich häufig als sehr tolerant erweist. Meine Kolleginnen wissen, dass ich lesbisch bin und es war nie ein Problem. Trotzdem behalte ich mir auch oder gerade besonders im Berufsleben vor, mit wem ich diese Information teile und mit wem nicht. Es herrschen nach wie vor so viele Vorurteile über Homosexuelle, dass ich nicht immer sicher sein kann, wie mein Gegenüber reagiert.

Sind wir auf einem guten oder eher schlechten Weg, was Toleranz gegenüber Homosexuellen angeht?

Dorie Hoffmann: Durch meinen Umgang mit vielen Menschen, auch vielen jungen Menschen, darf ich immer häufiger erleben, wie Grenzen verschwimmen, sich Horizonte erweitern, es nicht mehr nur das schwarz-weiß, hetero-homo, Frau-Mann-Denken gibt.

Und was gilt für Würzburg?

Dorie Hoffmann: Die Situation für queere Menschen in Würzburg ist nicht die schlechteste. Ich bekomme von meinen Freunden/innen zumindest keine Horrorgeschichten erzählt, dass sie zum Beispiel angefeindet wurden sind, nur weil sie Händchen haltend oder sich küssend unterwegs waren. Auch wurde unser CSD nicht von Gegner/innen boykottiert. Doch umso ländlicher der Wohnraum, desto schwieriger die Situation. Es gibt häufig keinen geschützten Raum oder keine Beratungsangebote. Unser Verein kann in diesem Fall unterstützend wirken, da wir zu Beratungsstellen oder Anlaufstellen Kontakte haben und vermitteln können.

Dafür ist sicherlich auch die Party am Samstag im Laby gedacht?

Dorie Hoffmann: Die CSD-Winterparty bietet sich natürlich an, neue Menschen kennenzulernen und einfach Spaß zu haben.

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