Philipp Schramm steht von Kindheit an auf dem Wakeboard. Wie der Trendsport funktioniert, hat sich Redakteurin Julia Haug vom Deutschen Meister 2012 zeigen lassen. Die besten Wakeboarder gibt's am 29. Juni 2014 beim Sternla WakeRace am Stadtstrand Würzburg zu sehen.

Wakeboarden
Julia Haug (links) mit Philipp Schramm. Foto: Screenshot
Wenn man schon als kleines Baby auf dem Boot seiner Eltern sitzt, auf Wasserskiern groß wird und mit zehn das erste Mal auf dem Wakeboard steht, ist es kein Wunder, dass die Sportwelt irgendwann von dir hört. Zwei Mal war Philipp Schramm Deutscher Wakeboard Meister bei den Junioren, 2012 hat er den größten Titel in der Klasse „Open Men“ geholt. Und heute arbeitet er daran, in diesem Jahr wieder der Beste zu sein.   
 
Wie er das Wakeboard für sich entdeckt hat, daran kann Philipp sich ganz gut erinnern. Mit zehn Jahren saß er mit auf dem Boot des damaligen Junioren-Meisters. Von diesem Moment an gab es für ihn nichts anderes. "Bis ich sein Niveau erreicht habe, hat es natürlich lange gedauert", erzählt Philipp. Seit fünf Jahren nimmt der 22-Jährige an Wettkämpfen teil. Während es beim ersten Contest eher um "Spaß und Reinschnuppern" ging, ist Philipp bei seinem zweiten Wettbewerb direkt Deutscher Junioren-Meister geworden. „Da habe ich selbst gemerkt, da ist Potenzial bei mir und habe die Sache ernster genommen.“

 


Um seine Tricks am besten auszuführen, trainiert er mindestens fünf Mal die Woche, 30 bis 40 Minuten am Tag hängt er hinterm Boot. Dazu kommt noch das Trampolin-Training. Auch im Winter hängt das Board nicht einfach an der Wand: „Früher bin ich öfter Snowboard gefahren, heute kann ich mir für das Geld, das ich dafür ausgegeben habe, lieber einen Flug buchen und zweimal in die Länder fliegen, in denen das Training möglich ist." Auch im Fitnessstudio ist Philipp oft zu finden. Allerdings sei es dort sehr schwer, die richtigen Muskeln zu trainieren: Körperspannung, die man auf dem Board hat, erreiche man an den Geräten nicht. "Ich habe durch den Sport Muskeln entdeckt, von deren Existenz ich nie gewusst habe. Mit sehr exotischen Übungen habe ich versucht, sie zu trainieren. Es geht aber einfach nicht."
 
Ob Europa, Afrika oder Amerika - wie es sich hinter dem Boot anfühlt, hat Philipp schon auf mehreren Kontinenten ausprobiert. Was es heißt, dort ein Wakeboarder zu sein, hat er auch selbst gesehen: „In den USA machen sie nichts anderes und verdienen fast genauso viel wie Fußballer in Deutschland. Das Training beginnt schon um 6 Uhr morgens. Abends Bier mit den Jungs trinken und erst gegen 12 Uhr aufs Wasser gehen, funktioniert dort nicht. Ich bin schon froh, dass ich das doch ein bisschen mehr genießen und nebenbei studieren kann", erzählt Philipp.
 
Sein Energiemanagement-Studium in Aschaffenburg kann Philipp gut mit dem Wakeboarden kombinieren. Sein Trainingsort, der Main in Niedernberg, liegt nur 15 Minuten von seinem Zuhause entfernt. Hier ist er vor oder nach den Vorlesungen zu sehen, manchmal aber sogar zeitgleich. „Wir haben keine Anwesenheitspflicht, manchmal lasse ich schon ein paar Sachen ausfallen", gesteht er.
 
Früher hat Philipp auch Handball gespielt. Weil es aber zeitlich knapp war, musste er damit aufhören. Was er jetzt vermisst, ist das Mannschaftsgefühl. „Natürlich haben wir beim Wakeboarding Teams von Sponsoren, aber das ist nicht das, was man unter Mannschaftsleben versteht." Obwohl Wakeboarding zum Individualsport gehört, gibt es für Philipp keine Konkurrenten: „Die ganzen Wakeboarder sind wie eine große Familie. Wir stehen alle zusammen am Startsteg und wünschen uns viel Glück."
 
Philipp ist auf dem Boot und dem Wakeboard groß geworden, weil seine Familie ständig auf dem Wasser unterwegs war. Genau das macht diesen Sport für ihn so besonders. „Er hat meine Familie zusammengeschweißt. Wir sind eine Wassersportfamilie und fahren jeden Sommer noch für drei Wochen nach Italien." Heute teilt Philipp seine Leidenschaft auch mit Freunden. Grillen und Party am Abend gehören dazu. "Dieser Lifestyle drumherum ist einfach perfekt!"
 
Darauf, dass dieses "Drumherum" dem Sport nicht schadet, achtet Philipp jetzt besonders. Im September 2013 hatte er sich bei einem Trick das Kreuzband gerissen. Am Abend davor hat er bis 6 Uhr morgens gefeiert. „Das war ein Denkzettel für mich. Seitdem nehme ich die Sache wirklich ernst." Bei der Deutschen Meisterschaft 2013 konnte er nicht mehr teilnehmen. „Mit dem dicken Knie und auf den Krücken habe ich den Wettkampf moderiert. Das war aber auch eine gute Erfahrung, sich den Wettbewerb anzuschauen, ohne wirklich Druck zu haben.“ Wegen der Verletzung lag Philipps Wakeboard ein halbes Jahr unberührt in der Ecke. Obwohl er sich selber noch nicht auf dem Niveau sieht, das er vor dem Kreuzbandriss hatte, heißt sein Ziel in diesem Jahr: "den Titel zurückholen" und im nächsten Jahr ins Finale bei den Europameisterschaften kommen.
 
Wenn Philipp nicht gerade selbst an den Tricks arbeitet, bringt er sie anderen bei. Seinen ersten Unterricht hat er schon mit 17 Jahren gegeben. In der Wakeboardschule in Wiesbaden wurde er erstmal selbst trainiert, später hat er sein Können weitergegeben. Heute lehrt Philipp oft an den Wochenenden in einer Berliner Wakeboardschule. "In diesem Sport ist es immer gut, zwei Perspektiven zu haben. Man sollte sich alles von zwei Personen erklären lassen, die guten Sachen mixen, dann entsteht meistens das Beste.“ Auch für Wakeboard Camps wird Philipp als Coach gebucht. "Ich mache das supergerne. Das ist mein Leben, die Leute vom Sport zu überzeugen und an den Sport heranzubringen“, sagt er begeistert. Sein großer Wunsch sei es, dass Wakeboarding in Deutschland populärer wird. „Leider wird das aber durch die Sprit- und Bootpreise gebremst."
 
Heute versucht Philipp Schramm an die Tricks heranzukommen, die er vor seiner Verletzung konnte. Dabei helfen ihm seine Freunde. „Wir sind alle ungefähr auf dem gleichen Level und coachen uns gegenseitig. Manchmal muss man den Trick gar nicht selber können, um ihn dem Anderen zu erklären. Haltungsfehler in der Luft sieht man auch so.“
 
Sonnenschein, keine Wolken, kein Wind, klares Wasser und lauter Dubstep aus der Boot-Soundanlage – das sind für Philipp ideale Wakeboard-Bedingungen. „Am besten ist es ganz früh morgens, wenn der Nebel noch auf dem Wasser liegt, wenn es richtig glatt ist und wir nur die Heckwelle vom Boot haben. Dann ist alles perfekt.“
 
Ans Aufhören denkt Philipp lange nicht. Solange es geht, will er sich weiter hinters Boot hängen und einen Trick nach dem anderen bringen. „Und spätestens, wenn ich nicht mehr kann, will ich Kinder haben, die dann selber fahren. Ich denke, das ist kein schlechtes Leben, um groß zu werden. Ich fand es gut und würde es meinen Kindern auch gönnen!"

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