Trotz Stadionverbot wollte ein Schnüdel-Fan die "Athmosphäre" genießen - und stahl Eintrittskarten. Foto: Frank Scheuring (foto2press)

Schweinfurt

Trotz Stadionverbot: Schweinfurt-Fan klaut Schwarzhändler sechs Karten

Vor dem Schöffengericht Schweinfurt dreht sich in dieser Verhandlung alles um den 17. August 2018. Um 19.30 Uhr will ein 50-Jähriger vor dem Willy-Sachs-Stadion sechs Karten für das DFB-Pokalspiel verkaufen. Es spielen der FC Schweinfurt 05 gegen Schalke 04 – ein Kracher für die Region.

Trotz Stadionverbot die Athmosphäre genießen

Der 50-Jährige hat sechs Eintrittskarten und bietet sie offenkundig feil, sicher mit einem entsprechenden Liebhaberaufschlag. Der 28-Jährige, der sich vor Gericht verantworten muss, sieht das. Leider hat er Stadionverbot, dennoch will er mit einem Kumpel die "Atmosphäre" eines solchen Spiels wenigstens im Vorfeld "genießen".

Als der 28-jährige Beklagte den Kartenhändler sieht, der mit begehrten Karten seinen Schnitt machen will, die andere Fans gerne regulär erworben hätten, ergreift ihn so etwas wie heiliger Zorn. Er entreißt ihm die Karten, trifft ihn beim Gerangel mit dem Ellbogen am Kopf, als der Händler versucht, sich die Tickets zurückzuholen. Der 50-Jährige holt sich Hilfe der Polizei. Der Kartendieb wurde geschnappt, die Karten sichergestellt. Nur ein Ticket konnte der Schwarzhändler noch verkaufen. „Mit Verlust, für 10 Euro.“, sagt er.

Räuberischer Diebstahl?

"Räuberischen Diebstahl" wirft die Staatsanwaltschaft dem 28-Jährigen beim Prozess vor dem Schöffengericht vor. Der räumt die Tat ein. Der Angeklagte sei "mit Leib und Seele Schnüdel-Fan", sagt der Verteidiger. Er könne es nicht leiden, wenn jemand Karten hat, die andere Fans gerne hätten und damit offenbar Geschäfte mache. Als "Harcore-Fan" habe er sich gemüßigt gefühlt, "den Mann zu schulmeistern". "Er wollte nicht, dass der Händler die Karten verkauft", sagt ein Polizeizeuge .

Angeklagter übergibt 150 Euro und erhält Bewährungsstrafe

Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Geschädigten und lässt ihm über seinen Rechtsanwalt 150 Euro übergeben, etwas mehr als den offiziellen Preis der sechs Tickets. "Das ist zu viel", sagt der 50-Jährige und will einen 50-Euro-Schein gar zurückgeben. Am Ende der Verhandlung wurde aus dem räuberischen Diebstahl ein Diebstahl in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Der 28-Jährige wurde zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt und muss 1800 Euro an das Bayerische Rote Kreuz zahlen.

Bereits vier Vorstrafen hat der 28-Jährige auf dem Buckel, den die härteste Strafe sicherlich damit trifft, dass er sich ein Jahr lang vom Stadion des FC Schweinfurt 05 mindestens einen Kilometer fernhalten muss.

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