Foodora liefert in Mainz Essen aus
Die Aufträge kommen bei Foodora per App rein. Dann muss Gas gegeben werden. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Frankfurt

Wie schlimm ist es für Zulieferer von Foodora und Deliveroo wirklich?

Unter dem Titel „Die App als der Boss?“ haben jetzt auch Wissenschaftler die Arbeitsbedingungen der Essens-Lieferdienste Foodora und Deliveroo unter die Lupe genommen. Denn wie bei den Paketfahrern auch, gerieten die Machenschaften der großen Lieferdienste in den vergangenen Monaten medial immer mehr in die Kritik. Hoher Druck, schlechte Bezahlung und ein krudes Schichtmodell sind drei Punkte, die auf der Liste der Vorwürfe stehen.

Vier Forscherinnen der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Interviews mit Betroffenen geführt. Mehr als 20 Fahrerinnen und Fahrer, sowie deren Vorgesetzte, standen Rede und Antwort. Im Fokus: Die App, die über alles entscheidet. Denn während die Fahrer von ihren Chefs im Alltag nichts mitbekommen, ist die Rider-App als Auftraggeber und Kontrollmechanismus ständig präsent.

Die Unterschiede der Bedingungen von Foodora und Deliveroo: 

  • Foodora (pinke Fahrer): Arbeiten auf Stundenlohnbasis und sind als Beschäftigte angestellt 
  • Deliveroo (türkise Fahrer): Vergütung pro gelieferter Bestellung, selbstständiges Angestelltenverhältnis

Wissenschaftler bestätigen: Schichten sind eine Baustelle

Während die App als Kontrollmechanismus von vielen Fahrern eher als „Freiheit“ empfunden wird, als wenn ihre Arbeit durch menschlichen Kontakt überprüft oder vermittelt wird, ist sie allerdings zeitgleich DAS Messgerät schlechthin für die Leistung der Fahrer. Wer gute Arbeit abliefert, darf sich Schichten aussuchen. Wer schlechter fährt, muss das nehmen, was übrig bleibt. Laut einem Bericht von Bento.de widerspricht die Sprecherin von Deliveroo. Es gebe keine Schichten. Jeder hätte die „Freiheit zu wählen, wann, wo und ob er arbeitet“. So wie es eben bei Selbstständigen üblich sei. Unter den Fahrern selbst ist das Wort Schichten allerdings durchaus geläufig.

Deliveroo schneidet schlecht ab

Rechtsprofessorin Eva Kocher behauptet, das Vorgehen von Deliveroo sei daher rechtswidrig. Die App würde selbstständige Mitarbeiter fremdbestimmen und in stark vorgegebene Arbeitsabläufe einbinden. Das stehe im Widerspruch zum Modell freier Mitarbeiter. Die an der Studie beteiligte Soziologin Joanna Bronowicka bestätigt: Sie sind nicht komplett unabhängig von dem Unternehmen, weil die Kontrolle durch die Technologie kommt." Im Gegensatz dazu bietet Foodora ein Angestellten-Verhältnis mit einem Stundenlohn - dort wird gezahlt, egal wie viel Essen ausgeliefert werden. Für schwächere Mitarbeiter bleibt dennoch das Problem mit den Schichten.

Nicht Deliveroo, sondern Foodora will nachjustieren

Die Kritik der vergangenen Monate und die Ergebnisse der Studie tragen offenbar schon Früchte. Allerdings nur bei einem der beiden Anbieter. Foodora, das im Angestellten-Modell (mit festem Stundenlohn) ohnehin besser agierende Unternehmen, möchte das System „deutlich fairer für alle Beteiligten“ gestalten. So sollen künftig pro ausgelieferter Bestellung 50 Cent auf den Stundenlohn gepackt werden. Ein Anfang wäre das sicherlich, den sich auch Deliveroo zu Herzen nehmen dürfte.

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