Putzen
In Würzburg muss bei manch' einer WG-Besichtigung der Waschlappen in die Hand genommen werden. Foto: Norbert Försterling (dpa)

Würzburg

Wohnungssuche in Würzburg: Warum Studenten sogar probeputzen müssen

Immer wieder hat Alessia Berninger Internet und Zeitungen nach Anzeigen für kleine Wohnungen oder WG-Zimmer durchforstet. Sie hat unzählige Bewerbungen geschrieben. Sie stand immer wieder samstags beim Besichtigungstermin mit hundert anderen Studenten in der Schlange am Hauseingang. Sie war bei mehreren WG-Castings dabei - alles ohne Erfolg. Drei Semester lang ist die 19-Jährige von Aschaffenburg nach Würzburg an die Uni gependelt, drei- bis viermal die Woche, bis sie endlich ein Zimmer in einer Dreier-WG im Studentenwohnheim im Stadtteil Hubland gefunden hat.

Zimmer in Wohnheimen sind echt gefragt

In Würzburg und Schweinfurt ist die Lage – wie in fast allen Hochschulstädten Deutschlands – angespannt. Zimmer in den Wohnheimen sind sehr begehrt. Sie kosten zwischen 250 und 350 Euro inklusive Nebenkosten, einige private Anbieter sind sogar noch teurer. Nur jeder zehnte Studierende bekommt einen Platz in einem Studentenwohnheim, wie dem "Green Living Inn", das erst im vergangenen Jahr in Würzburg eröffnet hat. Es liegt in direkter Nachbarschaft zum Campusgelände am Hubland.

Alessia Berninger hat ein Zimmer im Studentenwohnheim Green Living am Hubland gefunden. Foto: Thomas Obermeier

Für Alessia Berninger, die Studentin aus Aschaffenburg, ist das Studentenwohnheim die erste eigene Wohnung. Während sie drei Semester lang pendelte, wohnte sie noch bei ihren Eltern. Umso glücklicher ist sie jetzt in ihrer Dreier-WG am Hubland. Das Zimmer ist zwar spartanisch eingerichtet, zwei Schränke, ein Bett und ein Schreibtisch, aber die Sicht aus dem Fenster entschädigt mit einem weiten Ausblick über Würzburg hinweg bis zur Uniklinik. Und mit ihren zwei Mitbewohnerinnen versteht sie sich auch richtig gut.

In manchen Fällen muss eine „Einzugsprämie“ gezahlt werden

Die Wohnheime des Deutschen Studentenwerks (DSW) berichten in diesem Jahr von einem Andrang, wie es ihn zum Teil noch nie gab. Allein in zwölf Hochschulstandorten stehen nach Angaben des DSW noch 30 000 Studenten auf den Wartelisten für Wohnheimplätze. In Würzburg warten noch 560 Studenten (im Wintersemester WS waren es 750) auf einen Wohnheimplatz, in Schweinfurt 60 (WS 137) und in Aschaffenburg fünf (WS 42). Auch das Mietniveau für "Studentenbuden" in deutschen Universitätsstädten sei nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft deutlich gestiegen. Vermieter bitten Studierende in Einzelfällen sogar um eine "Einzugsprämie" – ohne Quittung.

Mathilda Fuchs (21) und Berenice Matthies (22) haben endlich etwas in einer 3er-WG in der Virchowstraße gefunden. Foto: Patty Varasano

Bernice musste Probekochen und –putzen

Die beiden Studentinnen Mathilda Fuchs und Berenice Matthies können davon ein Lied singen. Berenice Matthies war beispielsweise bei verschiedenen WG-Castings eingeladen. "Das ist wie eine Art Vorstellungsgespräch", sagt die 22-Jährige. Doch bei Fragen nach Hobbys, Musikgeschmack oder den eigenen Stärken und Schwächen bleibt es oftmals nicht. Manchmal müssen die potenziellen Mitbewohner sogar Probekochen oder schon mal den Putzlappen zur Hand nehmen und Probeschrubben.

Alternative Wohnheim?

Mathilda Fuchs hat sich insgesamt sieben Mal bei verschiedenen WGs vorgestellt. "Erst beim siebten Versuch hat es geklappt", erzählt die 21-jährige Biologiestudentin. Besonders geärgert hat sie sich über das Studentenwerk, denn dort hatte sie sich um einen Wohnheimplatz beworben. "Eine Rückmeldung kam erst Wochen später, als mein Studium längst begonnen hat, und auch dann hieß es: kein Zimmer frei", sagt Mathilda. Hier hat es nicht geklappt, denn Wohnheimsplätze sind sehr begehrt.

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Wohnheim-Zimmer landen bei Ebay

Wer einmal ein Zimmer in einem Wohnheim ergattert hat, gibt es so schnell nicht wieder her. "Viele Studenten vermieten ihr Zimmer unter, wenn sie zum Beispiel ins Ausland gehen. Manche wohnen auch zu zweit oder zu dritt in einem Zimmer", sagt eine Mitarbeiterin der Schweinfurter AWO, obwohl das offiziell nicht erlaubt ist. Manche Zimmer würden teilweise sogar auf Ebay gehandelt. "Die ganze Angelegenheit ist schwierig", so die AWO-Mitarbeiterin. Weil die Mietpreise steigen, würden immer mehr Zimmer inoffiziell unter der Hand weitergereicht.

Für Studenten wird es deshalb immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden, sogar in Würzburg oder Schweinfurt. Bei einigen Studenten führt die Mietbelastung oft zu verlängertem Studium, Mehrkosten und sogar Schulden. Also: Es muss nicht immer München oder Frankfurt sein, die im Schnitt teuersten Städte Deutschlands. Warum nicht in Chemnitz oder Magdeburg studieren? Dort sind zumindest die Preise noch fair.

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