Radwege
Ein Radfahrer düst über den, mit Strichen abgetrennten, Radweg auf der Grombühlbrücke in Würzburg. Foto: Daniel Peter

Würzburg

Würzburg, was läuft eigentlich mit Deinen Fahrradwegen schief?

Ich möchte gar nicht behaupten, dass Würzburg die fahrradfeindlichste Stadt Deutschlands ist. Denn ich war noch gar nicht in allen Städten der Bundesrepublik. In den Citys, in denen ich allerdings war, läuft es wohl kaum beschissener für Zweirad-Freunde, als in unserer sonst so schicken Stadt.

Da willst Du etwas Gutes für Deinen Körper und die Umwelt tun, lässt die Karre stehen und begibst Dich schon ab dem Startpunkt vor Deinem Haus in Lebensgefahr. Als Zellerauer fängt es mit einigen nicht- oder maximal halbvorhandenen Radwegen auf dem Weg zur Zeller Straße an. An der Frankfurter Straße verläuft beidseitig ein separater Radweg auf dem Bürgersteig (ja, es gibt ihn, allerdings nur zwischen Tedox und bis kurz vor dem Denckler!) – eigentlich purer Luxus.

Die Buckelpiste vor dem Herren!

Nur leider befindet sich der Radweg in einem desolatem Zustand. Wer hier einhändig fahren will, wird sein blaues Wunder mitsamt blauem Körper erleben. Ein kurzes Teilstück etwas weiter in Richtung Innenstadt (auf Höhe der Post und Sparkasse) begibt sich der Drahtesel-Lenker dann direkt auf die Frankfurter, wo er nicht nur mit aggressiven Autofahrern, sondern auch mit der ungleich mächtigeren Straba in den Kampf um die Straßen-Hoheit tritt. Ratet mal, wer hier die schlechtesten Karten hat.

Auch nicht ganz alltäglich: Wir erklären das indirekte Linksabbiegen am Friedrich-Ebert-Ring!

Bergab in die Stadt wird es nicht besser: Auf der Zeller Straße geht es auf einem gestrichelten Radweg in Richtung Alte Mainbrücke. Dort wird man schnell, vor allem bergauf, zur Zielscheibe der Autofahrer (die ich in dem Fall sehr gut verstehen kann).

Denn wer einmal mit dem Auto die Zeller Straße hinter einem Radfahrer hochgurken musste, der weiß, dass bei den Geschwindigkeiten der Motorblock fast aus seinen Verankerungen springt (kuppeln, leichtes Gas, kurz vor dem Absterben, kuppeln und so weiter). Klar, ich bin ein vermeintliches Einzelschicksal. Denn wer wohnt schon in der Zellerau?

Aber wer sich folgende Brennpunkte anschaut, der wird schnell seine täglichen Wege wiederfinden:

  • Löwenbrücke (entweder Du fährst gefährlich nah an der Straba-Schiene und stürzt vielleicht, oder Du wählst den meist gut frequentierten Bürgersteig und schiebst)
  • Mergentheimer Straße Richtung Heidingsfeld (nach der Konrad-Adenauer-Brücke ist einfach Ende Gelände) 
  • Mainkai (an der Alten Mainbrücke bricht der Radweg einfach ab – man muss über die Mainbrücke)
  • Mainbrücke (klar, Schöppler versus Radfahrer)  
  • Rennweg in Richtung Residenz (mitten auf der Straße hört der Fahrradweg auf – da hätte man sich die weiße Farbe gleich sparen können)
  • Wittelsbacher Platz Richtung Hubland (gestrichelter Radweg mit krasser Steigung. Nur ein paar Irre die nicht mehr alle zehn Muttern am Rad haben, benutzen den. Autofahrer schleichen konsequent hinter den Zeitlupen-Pedal-Tretern hinterher)
  • Einbahnstraße beim Congress Centrum (Fahrradfahrer aus beiden Richtungen auf einem nur wenige Meter langen Radweg. Er ist schlecht für Fahrradfahrer zu erkennen, die über die Friedensbrücke kommen und instinktiv weiter auf dem – nun exklusiven – Fußweg bleiben.)
  • Sanderau zum Main (so verwurzelt und bewachsen, dass man schon zu Fuß Probleme bekommt. Dazu handelt es sich um eine Schotterpiste)
  • Versbacher Straße Richtung Lindleinsmühle (die Straße war zweispurig bis ein Fahrradweg kam, der zwar durch eine Mauer geschützt (pro Radfahrer, das gefällt mir gut!), allerdings fehlt seitdem den Autofahrern der Platz)
  • Mainkai Richtung Gerberstraße (Autos zu weit auf der Straße, wodurch die Straße noch enger wird. Dazu fehlt die Zuordnung für Fahrradfahrer)

Die Problemzone für Fahrradfahrer hat in unserer Stadt einen Namen: Würzburg. Hier wird der ohnehin bestehende Hass zwischen Autofahrern und Radfahrern minütlich weiter provoziert. Nur, was ist zu tun, damit dieser Text nicht lediglich eine Aneinanderreihung von Gemaule ohne konstruktiven Ansatz ist?

Radfahrer brauchen einen eigenen Bereich - denn sie werden mehr

Was wir brauchen sind komplett eigene Wege für Radfahrer, die zweifelsohne mehr und mehr werden (müssen). Denn der Trend auf den Drahtesel muss ja von Seiten der Politik gewollt sein. Warum würden sonst die Innenstädte mehr und mehr zur autofreien Zone (siehe Dieselfahrverbote) erklärt werden.

Diese Wege müssen nach Vorbild vieler anderer Städte in dunkeloranger Farbe ausgewiesen sein und einer klar erkennbaren Führung folgen. Ohne, dass der Fahrradfahrer immer wieder in die Konkurrenzsituation mit Autofahrern gezwungen wird oder anhalten muss. Denn nur so wird Fahrradfahren nicht nur attraktiver, sondern auch für alle Würzburger sicherer. (Kommentar)

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Geht immer