Moritz Rogalla in seiner Werkstatt. Foto: Bocks (Pressefoto)

Würzburg

Würzburger erfindet Bluetooth-Box: Wird sie es auf den Markt schaffen?

Wenn Sound aus einer Weinkiste ballert, ist Moritz Rogalla (Moi) nicht weit. Der 26-Jährige Würzburger hat vor mehr als zwei Jahren eine Bluetooth-Box entwickelt, die er in eine echte fränkische Weinkiste integrierte. Die „Bocks“ war geboren. Mittlerweile ist das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext vertreten, wo in den nächsten Tagen 30.000 Euro gesammelt werden sollen. Wir haben mit Moi über sein Boxenbaby und über einige Hürden gesprochen, die eine Erfindung überwinden muss.

Frage: Moi, mit Blick auf die Kampagne: Wie ist Deine Stimmung?

Antwort: Ganz gemischt, man kann nur werben und die Leute drauf aufmerksam machen, E-Mails schreiben und rumtelefonieren. Am Ende ist man aber immer abhängig von den Leuten. Ich kann ja niemanden zwingen.

Frage: Gibt´s aktuell Zittermomente?

Antwort: Ja, regelmäßig. Ich arbeite jetzt schon lange an diesem Projekt und es ist wie mein Baby. Da gehört es dazu, sich Sorgen zu machen, sonst wäre es einem ja nicht wichtig.

Frage: Verständlich! Wann hattest Du eigentlich den ersten Gedanken, Dich selbstständig zu machen?

Antwort: Angefangen hat das während meiner Techniker-Ausbildung. Ich hatte Kommunikationstechnik als Wahlfach und da ist mir ein Licht aufgegangen. Ich war schon immer nicht ganz unbegabt bei der Arbeit mit verschiedenen Materialien und daher war die Hürde, dieses Projekt anzufangen, aus der Sicht eines Handwerkes nicht vorhanden. Ich habe einfach losgelegt.

Frage: Was gefällt Dir am Boxenbau?

Antwort: Das Boxenbauen verbindet alle meine Leidenschaften. Die Arbeit mit Holz, die Elektronik und die Metallarbeiten. Boxenbauen ist wahnsinnig komplex und man muss viele Gedanken in Einklang bringen. In dem Gebiet entscheiden die kleinsten Sachen über den Klang.

Frage: Warum hast Du Dich für eine Bluetooth-Box entschieden?

Antwort: Ich wollte schon immer eine eigene Bluetooth-Box, aber mir haben die Lautsprecher auf dem Markt nie gefallen. Entweder sind sie aus Plastik oder das Design ist mir zu streng. Also habe ich mir es zur Aufgabe gemacht, diese Themen aufzubereiten und die BOCKS entworfen. Zwei Jahre habe ich daran getüftelt.

So wird das fertig gebaute Produkt aussehen. Foto: Bocks (Pressefoto)

Frage: Die Ausmaße der Bluetooth-Box sind größer, als beispielsweise die einer Anker-Box. Ist das eher was für zu Hause, oder tatsächlich, um die Stadt für alle zu beschallen?

Antwort: Die BOCKS ist beides. Es war nicht mein Ziel, dass die Bocks möglichst laut ist, ich habe vor allem Wert auf die Klangqualität gelegt. Die BOCKS ist eine HIFI-Box, die für den Außenbereich konstruiert ist. Sie bringt einen schönen Klang ins Wohnzimmer oder auch zur Grillparty am Main oder im Garten. Natürlich ist sie auch besser für kleinere Parties geeignet als akkubetriebene Bluetooth-Boxen, die wir bisher kennen. Und wenn man zwei BOCKSen hat, können die für größere Feiern gekoppelt werden.

Frage: Wenn man so ein Produkt erfunden / entwickelt hat, was erwarten einen danach für Hürden?

Antwort: Die größte Hürde ist die Finanzierung. Entwicklung kostet wahnsinnig viel Geld und gerade am Anfang, wenn man sich auch Maschinen und Messgeräte zulegen muss, ist es sehr kostspielig. Die zweite Hürde ist das Marketing. Man braucht entweder einen guten Partner oder ein gutes Netzwerk.

Frage: Thema Finanzierung: Warum baust Du auf eine Crowdfunding-Kampagne?

Antwort: Crowdfunding ist eine perfekte Möglichkeit für Leute aus der Unter- oder Mittelschicht oder natürlich aus allen Schichten, Projekte risikofrei zu realisieren, die es sich sonst nicht leisten könnten. Ich baue auf Startnext, da es meine Möglichkeit ist, meinen Traum der ersten Kleinserie zu finanzieren und das Startup BOCKS voranzutreiben.

Frage: Wenn man bei Dir etwas spendet, wie viel sollte da gespendet werden und was gibt es dafür - also was habe ich davon?

Antwort: Wenn man bei mir spendet, ist jede Spende etwas Wert. Bei Crowdfunding geht es nicht darum, dass jeder alles geben muss ,was er hat, sondern das man viele kleine Spenden sammelt, kombiniert mit großen Spenden. Das heißt, wenn jemand das Projekt gut findet, aber kein Geld hat, reicht es auch einfach, fünf Euro zu geben - als Zeichen der Unterstützung. Bei mir kann man aus verschiedenen Posten etwas auswählen, die ich auf der Seite anbiete. Dafür biete ich als Dankeschön einen Gegenstand oder eine Dienstleitung an. Das beginnt bei zehn Euro und endet bei 3000 Euro. Man kann aber auch einfach was spenden ohne was zu verlangen, also eine freie Spende geben.

Frage: Du willst das Ziel 33.000 Euro erreichen. Wie setzt sich der Betrag zusammen?

Antwort: Der Beitrag setzt sich wie folgt zusammen: Material / Einkauf + Versand + Dienstleistungen + Zertifikate beantragen = Endbetrag. Meine eigene Arbeitszeit ist in diesem Fall nicht mit einberechnet.

Moritz Rogalla transportiert seine "Bocks" auf dem Rücken. Foto: Bocks (Pressefoto)

Frage: Was passiert, wenn Du das Ziel nicht erreichst - ist die Idee dann gestorben?

Antwort: Wenn das Ziel nicht erreicht wird, ist das Ziel nicht sofort gestorben. Ich will es, daher gibt es noch andere Wege, die allerdings aufwändiger, kostenintensiver und länger sind.

Frage: Nehmen wir an, Du erreichst das Ziel: Was folgt dann in der Entwicklung?

Antwort: Die Entwicklung ist eigentlich schon rum. Es wird gerade noch ein bisschen Feintuning betrieben. Der nächste Schritt wäre die Realisierung. Das heißt konkret, die BOCKS-Teile zu bestellen und zu fertigen. Auch die Dankeschöns werden für die Spender bestellt, gestaltet und verschickt. Das ist alles eine Menge Arbeit, die ich aber gerne in Kauf nehme.

Frage: Bis wann kann das Produkt dann letztlich für den Kunden verfügbar sein?

Antwort: Wenn das Geld vorhanden ist, dauert es rund zwei bis drei Monate. Ich bin da auch ein wenig an die zuständigen Stellen gebunden, die alles zertifizieren und freigeben.

Frage: Willst Du sämtliche Bestellungen selber bauen?

Antwort: Aktuell baue ich einen großen Teil selber, die Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg übernehmen die grobe Arbeit. Heißt: Weinkisten bauen und Gehäuse fräsen. Der Rest wie Technik, Verkabelung und Bedienflächen wird erstmal hier in meiner Werkstatt vorbereitet und eingebaut.

Frage: Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du Deine Box anschaust?

Antwort: Ich bin stolz auf das, was ich auf die Beine gestellt habe. Man braucht Mut, Energie und ein bisschen Risikobereitschaft.

Frage: Eine Box in einer Weinkiste - wie viel Würzburg steckt da drin?

Antwort: 100 Prozent! Ich lebe das Projekt und man sieht, dass es von hier kommt.

Die BOCKS soll rund 650 Euro kosten. Für 550 Euro kann sie im Rahmen der Kampagne vorbestellt werden. Für (deutlich) kleinere Beträge gibt es Goodies wie Taschen, Wein, Messer oder eine Einladung zum Werkstattweinfest.

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