Anton Mattmüller aus dem tauberfränkischen Külsheim steckt neben vier weiteren Tauberfranken hinter der Aktion "Grund zu lächeln". Foto: Maria Strack

Külsheim

Anton aus Külsheim und seine Crew starten Social-Media-Challenge

Anfang September 2020 brannte die Hölle. Die Hölle namens Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Das völlig überfüllte Flüchtlingslager war kaputt, Menschen standen vor den letzten Scherben ihrer ohnehin schon schwindenden Existenz.

Die schockierenden Bilder schwappten schnell in die Region. Die Würzburger Organisation „Liebe im Karton“ war zur Zeit des Feuers vor Ort und sammelte Spenden, um erste Hilfe zu leisten.

Nun zieht eine neue Aktion nach. Anton Mattmüller aus Külsheim hat diese Mitte November mit vier Freunden gestartet. Sie sammeln Spenden für geflüchtete Kinder aus dem Flüchtlingslager Moria. Dafür haben Anton Mattmüller, Tessa Schubert, Lena Mattmüller, Julian Zwerger und Micro Göbel eine Social-Media-Challenge gestartet, die euch verkleidet sehen möchte. Wir haben über ihren „Grund zu lächeln“ gesprochen.

Frage: Hi Anton, was haben die Bilder aus Moria mit euch gemacht?

Anton Mattmüller: „Ich glaube das ist nicht einfach einzuordnen: Erschütterung, Entsetzen und einmal mehr der traurige Beweis, was für Umstände mitten in Europa herrschen. Ich glaube wir hier in Deutschland sind gar nicht in der Lage, uns in diese schreckliche Situation, in der sich die Menschen befinden, hineinzuversetzen.“

Was hat euch beschämt an der Situation dort?

Anton Mattmüller: „Die Lebenslage der Menschen. Das so etwas in Europa, nicht weit entfernt von hier, passiert. Auch das nicht so wirklich gehandelt wird. Sowas darf hier nicht passieren. Europa sollte Sicherheit für alle bieten und Menschen nicht solchen Zuständen aussetzen. Als wir recherchiert haben, wie wir am besten helfen können, sind wir auf Berichte gestoßen von zweijährigen Kindern, die sich die Haare ausreißen; Kinder, die aufhören zu sprechen oder zu essen und Kleinkinder, die Suizidversuche begehen. Das ist unvorstellbar und schrecklich.“

Was wollt ihr mit der Social-Media-Challenge „Grund zu lächeln“ erreichen?

Anton Mattmüller: „Abgesehen von den Spenden selbst: Aufmerksamkeit. Helfen tun natürlich die Spenden, weil sie es ermöglichen, den Kindern zumindest für eine kurze Zeit Ablenkung und Freude zu verschaffen. Aber in dieser schnelllebigen und für alle schweren Zeit wollen wir auch aufzeigen, dass es Menschen anderswo viel schlimmer geht als uns. Wenn sich in Karlsruhe ein elfjähriges Mädchen auf einer Anti-Corona-Demo mit Anne Frank vergleicht, weil es seinen Kindergeburtstag nicht feiern konnte wie gewohnt, dann ist das doch ein starker Ausdruck von Realitätsverlust, wenn man parallel nach Griechenland schaut.“

Warum eine Challenge?

Anton Mattmüller: „Es geht vor allem um Aufmerksamkeit und damit auch Reichweite. Das hat ja bei anderen Challenges, wie der Icebucket Challenge, gut geklappt. Wir haben gesagt: 'Während wir uns hier aus Spaß verkleiden können, verkleiden sich anderswo Menschen aus ernsten Gründen.' So bringen wir vielleicht Menschen zum Nachdenken. Uns geht es nicht darum, Fasnacht zu einer ernsten Sache zu machen. Aber wenn es dieses Jahr sowieso nicht richtig stattfinden kann, dann können wir es auch nutzen, um auf eine gute Sache aufmerksam zu machen.“

Ihr seid ja passend zum Fasching am 11.11. gestartet. Auch für die Faschingsvereine habt ihr eine spezielle Idee, oder?

Anton Mattmüller: „Ja, da wir ja leider alle dieses Jahr auf Fasching verzichten müssen und dabei gerade die Faschingsvereine und -begeisterten leiden, haben wir uns gedacht, dass sich diese durch die Challenge trotzdem verkleiden können. Außerdem haben wir uns die Aktion 'Gutsele für Gutes' überlegt. Das heißt, dass Vereine das Geld spenden können, das sie eigentlich für Süßigkeiten auf den Umzügen ausgegeben hätten. So kommt doch etwas davon bei Kindern an.“

Wie aufwendig ist es, dabei mitzumachen?

Anton Mattmüller: „Spenden ist natürlich das Einfachste. Das geht direkt an die Organisation über unsere Homepage . Die Challenge besteht aus drei einfachen Schritten:

  • Ein Foto oder Video auf Facebook oder Instagram hochladen, auf dem man verkleidet ist.
  • Dann unsere Seite markieren (nur auf Instagram: @eingrundzulaecheln), damit wir den Beitrag sehen können.
  • Danach drei Freunde oder Vereine markieren mitzumachen.

Dann am besten nochmal spenden.“

Warum habt ihr euch für die Organisation Flying Seagull entschieden?

Anton Mattmüller: „In den Lagern herrschen katastrophale Zustände. Aber Sachspenden kommen oft nicht an oder passen nicht zum Bedarf. Es wurden etwa literweise Shampoo gespendet, ohne dass es fließendes Wasser gab. Das wollten wir vermeiden. Aus unserem Team war Mirco schon mal im Lager in Idomeni und er hat berichtet, dass das absolute Highlight das Flying Seagull Project war. Weil auf einmal für kurze Zeit so etwas ähnliches wie Normalität herrschte.

Ärzte ohne Grenzen sagen, das Schlimmste in den Lagern sei die psychologische Belastung der Kinder. Das habe ich ja oben schon erwähnt. Kinder können rein gar nichts für ihre Situation und können nicht verstehen, warum sie so grässlich leben müssen. Das Projekt bringt Abwechslung und Spaß in den traurigen Alltag der armen Kinder. Und auch wenn es nur eine kurze Flucht aus der harten Realität ist, so gibt es vielleicht Hoffnung für die Zukunft auf ein anderes, besseres und sicheres Leben.“

Das soziale Projekt "The Flying Seagull" ist eine Vereinigung von Clowns, Artisten und Magiern, die Menschen in Not Freude bringen wollen. Das Projekt wurde 2013 in London gegründet. 

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