Sandra Gathmann
Sexualtherapeutin Sandra Gathmann sagt: Foto: Viktoria Nowicky (Sandra Gathmann)

Berlin

Trend zum Verzicht auf Masturbation - was diese Sexualtherapeutin dazu sagt

Die Frauen nennen sich Femstronauten, die Männer Fapstronauten, und beide wollen die Finger von sich selbst lassen: NoFap heißt ein Internetforum aus den USA, das auch in Deutschland Anhänger hat.

Die Website will Menschen helfen, von Pornos loszukommen. Dafür verzichten die meisten eine Zeit lang darauf, Hand an sich zu legen - oft 90 Tage. Welches Ziel genau sich die Anhänger setzen, ist ihnen überlassen. Religiöse Motive spielen keine Rolle, nicht mal eine Bewegung will NoFap sein, lediglich eine „porn recovery website” - eine Seite, auf der sich Pornogestresste erholen können.

"Vom Wichsen wird man blind": Nein, Onanie hat keine körperlichen Folgen

„Es passiert im Körper weder etwas, wenn man onaniert, noch wenn man nicht onaniert”, antwortet Wolfgang Bühmann, wissenschaftlicher Schriftleiter des Berufsverbands der Deutschen Urologen. „Es gibt keine körperlichen Folgen und schon gar keine Hormonänderungen oder sonst irgendwelche Dinge”, betont der Mediziner. 

Psychologisch sieht es vielleicht anders aus. „Ich glaube schon, dass sich die Erfahrung, dass sexuelles Verhalten gestaltbar ist, positiv oder kurzfristig positiv auf das Selbstwertgefühl auswirken kann”, sagt die Sexualtherapeutin Sandra Gathmann .

Gathmann, sieht einen Trend zur Abstinenz - vom Veganismus bis zur Konsumkritik. „Ich denke das hängt damit zusammen, dass wir in einer immer komplexer werdenden Welt leben, aus der es auszuwählen gilt, und wo man auch das Gefühl bekommen kann, mit sexuellen Stimuli überrollt zu werden.” Es scheine, als positionierten sich Menschen dagegen, „um sich eine Nische zu schaffen, in der das für sie kontrollierbarer und selbstwirksamer gestaltet werden kann”.

Es geht vorwiegend um die Männer

NoFap dreht sich vorwiegend, aber nicht nur um Männer. Fünf Prozent der User seien Mädchen und Frauen. „Es ist also ein menschliches Problem, nicht nur ein männliches”, sagt Rhodes, der die Website 2011 ins Leben rief. Und: „Wenn du nicht exzessiv masturbierst, macht dich das zu einem besseren Partner.”

Sexualexpertin Gathmann sagt dazu: „Das ist ungefähr so, wie wenn man sagt: „Abstinenz von Medienkonsum macht mich medienkompetenter.”" Nur weil man ein Verhalten weglasse, werde man noch nicht kompetenter.

Masturbation ist nicht gleich zwanghafter Trieb

Die Psychologin findet den kritischen Ansatz von NoFap positiv - nur sei totale Abstinenz die falsche Antwort. „Es geht ja eigentlich um ausbalancierten Genuss. Den kann ich aber nur lernen, wenn ich nicht nur auf Abstinenz setze, sondern auch die Gestaltung lerne.” Es gehe beides: Sex in Beziehungen und Selbstbefriedigung. Sie kritisiert, dass NoFap die Lust des Mannes oft als zwanghaften Trieb darstelle, der mit Abstinenz überwunden werden könne.