Warum der Main jetzt „Würz-Main“ heißen soll
Oberbürgermeister Christian Schuchardt will zwar keine neuen Schilder für die Main-Umtaufe anfertigen lassen – aber wir haben uns trotzdem Gedanken gemacht, wie das zwischen der Alten Mainbrücke und der Löwenbrücke aussehen könnte. Foto: Johannes Kiefer

Würzburg

Warum der Main jetzt „Würz-Main“ heißen soll

Die Stadt will aus einem „Versprecher“ im Fernsehen Kapital schlagen und ein Stück des Mains umtaufen. Der Oberbürgermeister erklärt, warum das eine spaßige Idee ist.

Wenn die Würzburger Stadträte tagen, beschäftigen sie sich normalerweise mit natürlich wichtigen, aber meist weniger unterhaltsamen Themen – wie der Aufstellung von Bebauungsplänen, diversen Satzungsänderungen oder der Investition von Steuergeldern in städtische Projekte. In der Sitzung an diesem Donnerstag steht ein gleichermaßen unterhaltsames wie bedeutsames Vorhaben zum Entscheid: Der Main soll – kein Spaß! – umgetauft werden.

Der Würz-Main fließt zwischen den Brücken

Allerdings: nicht so richtig und auch nicht ganz – also nicht vom Zusammenfluss des roten und des weißen Mains beim Kulmbach bis zur Mündung in den Rhein bei Mainz, sondern nur in Würzburg. „Das Teilstück des Mains zwischen Ludwigsbrücke (Löwenbrücke) und Alter Mainbrücke erhält temporär für die Dauer der Landesgartenschau den zusätzlichen Beinamen ‚Würz-Main‘“, lautet der offizielle Beschlussvorschlag, dem die Stadträte ihren Segen geben sollen.

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Warum die Umtaufe und dazu die Bezeichnung „Würz-Main“, die weniger einen geschichtlichen als einen gewollt humoristischen Hintergrund vermuten lässt? Daran ist Peter Großmann schuld. Der Mann ist Fernsehmoderator, trank auf der Alten Mainbrücke einst einen Brückenschoppen, der den Ruhrpottler nachhaltig begeisterte.

Würzburg an der Würz im Morgenmagazin

Offenbar – und verständlicherweise – mehr als die Würzburger Geographie. Als ihn sein Moderatorenkollege Sven Lorig im Januar im ARD-Morgenmagazin fragte, welcher Fluss denn eigentlich durch Würzburg fließe, antwortete Grossmann: „Die Würz wahrscheinlich“– und landete einen medialen Volltreffer.

Die Würz. Diese Wortschöpfung hätte in einer Kneipenrunde wohl höchstens für ein müdes Lächeln gesorgt. Doch eine Livesendung vor Millionenpublikum ist nun mal keine Kneipenrunde. Und wenn ein Moderator für eine unzweifelhaft bedeutsame Stadt wie Würzburg aus der Not des Unwissens heraus einen neuen Flussnamen erfindet, interessiert das natürlich weit mehr als die Berichterstattung über eine Bebauungsplanänderung in Rottenbauer.

Einladung an den Main

Das wissen auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt und die Verantwortlichen im Rathaus, die neben Bebauungsplänen auch die touristische Vermarktung auf dem Radar haben. So schickten sie, als die Stadt „an der Würz“ in aller Munde war, den Morgenmagazin-Leuten per Facebook sowie schriftlich eine Einladung zum Geografieunterricht in Würzburg: „Wir laden Sie zu einer Runde Stadt, Land, Fluss bei uns am MAIN ein.“

Laut Rathaus hätten die Morgenmagazin-Macher ihr Kommen auch zugesagt. OB Schuchardt verkündete schon beim Neujahrsempfang im Januar, dass eine Sendung des Morgenmagazins von der Landesgartenschau geplant sei. Das steht auch so in der Beschluss-Vorlage für die „Würz-Main“-Taufe. Nur: Bei der ARD weiß man nichts von einer geplanten Morgenmagazin-Sendung aus Würzburg. Das ergab jedenfalls die Nachfrage der Redaktion.

PR-Maßnahme für die LGS

Die Stadt begründet die jetzt geplante Zusatz-Taufe des Mains mit einem „wunderbaren Werbeeffekt für die Tourismusstadt Würzburg gerade während der Landesgartenschau“. OB Schuchardt erklärt dazu schriftlich auf Anfrage der Redaktion: „Ein bisschen Spaß schadet nicht. Es handelt sich um einen rein symbolischen Akt, für den wir keine neuen Schilder oder Schifffahrtskarten benötigen. Vielleicht findet der Humor ja eine Mehrheit."

Dass letztlich er selbst die Idee zum „Würz-Main“ hatte, könnte man aus den Zeilen schließen. Doch die Frage der Redaktion nach dem Ideengeber blieb unbeantwortet.

„Ein schlechter Aprilscherz“

Und wie steht's bei den Stadträten um die vom OB gewünschte Humor-Mehrheit? „Ich halte es für einen schlechten und verspäteten Aprilscherz. Würzburg hat drängendere Probleme als die Frage einer Main-Umbenennung“, erklärt SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow gegenüber der Redaktion.

CSU-Fraktions-Vize Wolfgang Roth gibt sich etwas versöhnlicher: „Den Spaß kann man machen. Man muss ihn aber nicht mitmachen.“ Bleibt die spannende Frage, wie viele Stadträte am Donnerstag die „Würz-Main“-Taufe mitmachen.