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Warum viele Berufsstarter in die Industrie wollen

Die Vorteile einer Ausbildung sind nicht von der Hand zu weisen: Vom ersten Tag an Geld verdienen, Berufserfahrung sammeln und wer sich später weiterbilden möchte, für den stehen immer noch alle Türen offen. Dabei ist der Industriemechaniker in Mainfranken nach wie vor der beliebteste Ausbildungsberuf unter den IHK-Berufen: Fast 1000 Auszubildende haben sich laut Bildungsreport der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mainfranken zum Berufsstart im vergangenen Jahr für die Ausbildung entschieden. In den Top Ten finden sich unter anderem auch der Mechatroniker (505 Auszubildende) sowie der Zerspanungsmechaniker (369 Auszubildende). Doch warum sind gerade in der Industrie die Ausbildungsberufe so beliebt?

„Weiche Faktoren“ spielen eine immer wichtigere Rolle

Die Antwort kennt Lukas Kagerbauer. Er ist Bereichsleiter für Berufsausbildung bei der mainfränkischen IHK: „Über die Tarife erhalten die Auszubildenden eine gute Vergütung für ihre Arbeit. Darüber hinaus bieten die Betriebe hervorragende Bedingungen wie qualifizierte Ausbilder,  die notwendige technische Ausstattung sowie vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten“, erklärt der Ausbildungsexperte. Berufe in Klassikerbranchen wie Hotel, Gastronomie oder Handel wirken mit Schichtarbeit und Wochenenddienst bei einigen Berufsstartern hingegen weniger attraktiv.

Die Präferenzen der Jugendlichen lägen oftmals auf großen Industriebetrieben „mit einem großen Namen und Image“. Neben der Vergütung und Qualität der Ausbildung spielen laut Kagerbauer aber auch immer mehr „weiche Faktoren“ wie persönliche Wertschätzung, Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder die Zukunftsperspektive im Betrieb eine wichtige Rolle. „Ein Punkt, bei dem sich Betriebe definieren und im Wettbewerb um Auszubildende beweisen können“, so der Ausbildungsexperte.

Viele Stellen, kaum Bewerber

Doch trotz der guten Perspektiven fehlt es den Betrieben immer noch an Bewerbern, um ihre Stellen zu besetzen. Der Grund dafür ist simpel: Die Nachfrage an Auszubildenden ist einfach größer als das derzeitige Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Aus einer aktuellen Umfrage der IHK geht hervor, dass mittlerweile rund ein Drittel (36 Prozent) aller befragten Betriebe aus Mainfranken nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen können. „Fakt ist, dass die Not der Betriebe hoch ist und immer größer wird“, sagt Kagerbauer.  Das spiegle sich auch in den Zahlen wider: Mit 3710 neuen Ausbildungsverträgen ist die Zahl der registrierten Ausbildungsverhältnisse als im Vorjahr immerhin um 1,7 Prozent gesunken. „Die Ausbildungsbetriebe hätten gerne mehr eingestellt – doch es fehlte schlichtweg an Bewerbern“, so der Ausbildungsexperte.

Der Hauptgrund: Viele ziehen das Studium der Ausbildung vor – wohl im Glauben, später besser zu verdienen, wie Kagerbauer vermutet: „Doch so pauschal kann man das gar nicht vergleichen.“ Während einige behaupten, Studierende könnten den früheren Verdienst Auszubildender nicht mehr aufholen, sagen andere, das höhere Einstiegsgehalt von Akademikern sei langfristig rentabler. Belege gibt es für keine der beiden Argumente. Erwiesen sei jedoch, dass die Zahl der Studierenden immer weiter steige – und mit ihr die Abbruchquote an den Hochschulen. „Das zeugt davon, dass die Leute womöglich nicht das machen, worin sie ihre Talente haben, sondern wo sie sich selbst sehen. Vielleicht wäre da beispielsweise der duale Weg durch seine Praxisnähe besser gewesen“, sagt Kagerbauer.

Ausbildung: Warum gerade jetzt ein guter Zeitpunkt ist

Gerade jetzt sei ein guter Zeitpunkt, eine Ausbildung zu starten: Seit neun Jahren brummt die Konjunktur, die Auftragsbücher sind voll und die Betriebe brauchen qualifizierten Nachwuchs um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein – laut Kagerbauer ein Vorteil für die Bewerber, denn durch den geringen Wettbewerb um eine Stelle, eröffnen sich für Berufsstarter unterschiedlicher Qualifikation neue Möglichkeiten, einen beliebten Ausbildungsplatz zu ergattern.

Durch viele neue spezielle Angebote könnte eine Ausbildung auch für Abiturienten eine gute Option sein – beispielsweise eine klassische Ausbildung in Verbindung mit einer Weiterbildung oder eine duale Ausbildung. Gerade für Abiturienten, die nicht nur im theoretischen sondern auch im praktischen Bereich ihre Stärken haben, wäre das eine hervorragende Alternative. Damit erreiche man damit den gleichen Qualifikationsrahmen wie Bachelorabsolvent plus Berufserfahrung und die Chance auf Übernahme: „Durch die derzeitige Marktlage werden gute Leute, die sich in der Ausbildung bewiesen haben, mit großer Wahrscheinlichkeit übernommen, weil der Betrieb versuchen wird, seine Auszubildenden nicht an andere Unternehmen zu verliere“, betont Kagerbauer.

Digitalisierung und Ausbildung 4.0

Mit Blick auf die Digitalisierung verändert sich laut Kagerbauer auch die Form der Ausbildung: Während die Ausbildungen im Kern gleich blieben, kämen flexible Zusatzqualifikationen hinzu. Die Ausbildungsbetriebe hätten erkannt, dass der Schlüssel für die Zukunftssicherung in der Bildung liege. So werden Roboter stärker in den Produktionsprozess integriert, Vertrieb und Gewerbe verschwimmen immer mehr. Für den Auszubildenden und Mitarbeiter heißt das: Lebenslanges und zugleich schnelleres und flexibleres Dazulernen: „Was gestern gelernt wurde, entspricht womöglich schon morgen nicht mehr dem, was gebraucht oder erwartet wird.“ Schon jetzt entwickeln Ausbildungsbetriebe dafür neue Konzepte.