Pierce Brosnan, seiner Zeit James Bond-Darsteller, trank natürlich auch gerne einen Wodka-Martini. Foto: Fox Deutschland (dpa-Film)

Würzburg

Studie aus Würzburg: Im Fernsehen wird zu viel gesoffen

James Bond mit Whiskey-Glas an der Bar, Tatort-Kommissare beim Feierabendbier am Imbissstand und natürlich: keine Champions League ohne Bierwerbung im Vorspann. Alkohol ist im deutschen Fernsehen allgegenwärtig – und zwar noch stärker als im richtigen Leben.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Würzburg im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums und der Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU).

Sieben Sender unter der Lupe

Sie untersuchten generell die Darstellung von Drogen und Süchten im deutschen Fernsehen und analysierten dazu eine Woche lang das tägliche TV-Programm von sieben Sendern zwischen 13 und 22 Uhr. Während illegale Drogen kaum eine Rolle spielen und weniger geraucht wird als vor zehn Jahren, bleibt der Alkoholkonsum auf dem Bildschirm konstant hoch: In sechs von zehn Sendungen werden Alkoholika gezeigt, in vier wird tatsächlich getrunken.

Kritisch sehen die Wissenschaftler vor allem die fiktionalen Formate: In fast jedem Film (95,8 Prozent), in zwei von drei Serien und in fast der Hälfte der Daily Soaps wird getrunken. Am häufigsten fließt Bier, aber kaum weniger Spirituosen und Wein. Was den Autoren zu denken gibt: Alkohol-Trinken wird als Normalität verkauft – nur in jeder zehnten Sendung findet eine Bewertung und Einordnung statt. Auffällig: Private Sender zeigten mehr Alkoholszenen als die öffentlich-rechtlichen Programme.

Überholte Rollenbilder im TV

Auch bei der Frage, wer trinkt oder raucht, tut sich ein Spalt zwischen Medien und Realität auf. Laut Studie greifen in Film und Fernsehen vor allem Männer zu Flasche und Glimmstängel. Für die Autoren stehen dahinter überholte Rollenbilder, die vom Alltag nur bedingt gedeckt seien. Studienautor Kim Otto ist selbst als Journalist unter anderem noch für das ARD-Politmagazin „Monitor“ tätig. Er spricht er sich für ein klares Alkohol-Werbeverbot im Fernsehen aus, so wie auch die Tabakwerbung gestoppt wurde. Das soll an einem Runden Tisch der Fernsehsender geklärt werden.