Sexuelle Belästigung stehen an der Tagesordnung. Aber wie reagiert Frau darauf? Foto: demaerre (iStockphoto)

Würzburg

Sexismus im Alltag: Mein Po gehört gefälligst mir!

„Den Job hast du doch auch nur wegen der Frauenquote“, „Du hast nicht gerade wenig Holz vor der Hütt’n“, „Hinterm Herd bist du gut aufgehoben“. Stammtischparolen und sexistische Sprüche gehören für viele Frauen zum Alltag. Ob in der Uni, im Job, im Club oder sogar zu Hause. Doch wie so oft in unangebrachten Situationen fällt einem genau dann kein passender Konter ein. Frau steht da und ist schockiert, dass DAS gerade tatsächlich passieren konnte. Im Nachhinein schießen dann die schlagfertigen Antworten durch den Kopf. Wo waren die denn vor einer Stunde?

Was genau geht Männern denn auch durch den Kopf, wenn sie einer Frau im Club an den Hintern grapschen? Das ist doch keine Obsttheke, an der man jeden Apfel antatscht, um ihn auf Druckstellen zu überprüfen. Und dann besitzen nur die wenigsten der Langfinger den Mut, sich zu zeigen. Sie verschwinden also in der Menge und die Frau bleibt verunsichert zurück. Jedoch sind unsere Körper genauso wenig gesellschaftliches Eigentum wie eure.

Sexuelle Belästigung ist kein Versehen

Ich war gerade 13 Jahre geworden, als ich das erste Mal begrapscht wurde. Es war in einem Urlaub mit meinen Eltern. Im Speisesaal hat mir einer der Hotel-Mitarbeiter im Vorbeigehen an den Hintern gefasst. Wie versteinert bleib ich stehen und sah den Mann mit dem weißen Service-Outfit davongehen. Nicht mal meinen Eltern berichtete ich davon. Ich machte mir Gedanken, dass es vielleicht nur ein Versehen gewesen sei oder ich es mir eingebildet habe. Aber es war kein Versehen. Das ist es nie.

Heute stelle ich den Mann – der mit seinen geschäftigen Fingern, besser etwas Sinnvolles anstellen sollte, wie das 10-Finger-Tippen zu lernen – zur Rede. Doch auch viele Jahre und viele sexistische Zwischenfälle später gibt es noch Situationen, von denen ich überrumpelt werde. Im Büro bei einem ehemaligen Arbeitgeber ergab sich vor einigen Jahren ein solcher Moment. Ich saß am Schreibtisch während ein Kollege, rund 25 Jahre älter als ich, zu mir geschlendert kam. Während er mit mir redete, schaute ich weiter auf meinen Bildschirm. Als ich plötzlich einen Druck auf meinem Kopf spürte. Seine Hand streichelte langsam über meine Haare. Ich schreckte zurück und stieß mich mit meinem Bürostuhl von ihm weg. „Nimm sofort deine Hände weg!“, sagte ich energisch. Der Kollege war sichtlich erschrocken über meine Reaktion. Er wisse nicht, wieso ich mich so habe.

Ein anderer Kollege, der mir gegenüber saß, sah mich mit großen Augen an. Er war ebenso fassungslos wie ich. Was war gerade passiert? Was hatte den Mann dazu gebracht, mir über den Kopf zu streicheln? Am Tag darauf entschuldige sich der Kollege bei mir. Allerdings mit dem Nachsatz: Er habe nicht gewusst, dass ich in der Hinsicht so empfindlich sei und es nicht möge, am Kopf angefasst zu werden. Aber mal ehrlich: Wer mag es von jemanden, den man kaum kennt, gestreichelt zu werden? Und wie hätte man darauf richtig reagiert?

Grenzüberschreitungen muss niemand hinnehmen

Das Hinterherpfeifen auf der Straße, der Grapscher in der Bar und vermutlich auch die Belästigung am Arbeitsplatz sind vielen Frauen bekannt. Diese und andere Zwischenfälle sind leider Teil unseres Alltags. Aber sie sollten nicht dazu gehören. Deshalb ist die einzig richtige Reaktion: ansprechen. (Außer es besteht Gefahr, es ist immer ein Abwägen.) Wenn euch, liebe Frauen, das Verhalten oder das Gesagte eures Gegenübers verletzt, dann habt ihr ein Recht, darauf hinzuweisen. Und auch wenn euch in der nächsten Situation nicht sofort die passende Antwort einfällt – halb so schlimm. Ihr werdet noch viele Gelegenheiten haben, eure Schlagfertigkeit zu üben. Denn der nächste sexistische Spruch kommt bestimmt.