Cannameleon
Anfang 2019 gründete Lukas Schwarz mit seinen Partnern den CBD-Shop Cannameleon in Würzburg. Nun sieht er sich gezwungen, als Geschäftsführer aufzuhören. Foto: Thomas Obermeier

Würzburg

Cannameleon-Macher aus Würzburg zieht nach politischen Postings Konsequenzen

Wann ist eine Meinung privat und ab welchem Zeitpunkt hat sie Einfluss auf das eigene berufliche und öffentliche Dasein? Lukas Schwarz veröffentlichte unter seinem Künstleraccount „Scep“ diverse politische Postings  in seiner Instagram-Story. Einsehbar waren sie für alle Instagram-Nutzer. Nun zieht er daraus gezwungenermaßen Konsequenzen, die seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Würzburger „Cannameleon“-Shops betreffen.

Als Spitze des Cannameleons werde er sich in den nächsten Tagen zurückziehen, teilte Lukas Schwarz am Freitag im Interview mit main-ding.de mit. Doch was ist eigentlich passiert?

Schwarz veröffentlichte über Wochen hinweg auf seinem Account Statements, die auf Instagram Wellen schlugen. Er bat seine Follower, über die Reichsflagge und deren ursprüngliche Bedeutung nachzudenken. Die schwarz-weiß-rote Flagge steht für das Deutsche Kaiserreich. Ursprünglich war sie kein Nazi-Symbol. Jedoch ist die Reichsflagge mittlerweile auf nahezu jeder rechten Demonstration zu sehen.

Liebäugeln mit Symbolik aus der rechten Ecke

Der Cannamelon-Inhaber präsentierte sich darüber hinaus als „echte deutsche Eiche“ und betonte, dass „Deutschland zuerst“ komme. Er gab an, dass Menschen wie der Comedian Ingmar Stadelmann „demnächst ins Gefängnis wandern“. Stadelmann zweifelte die Teilnehmerzahl einer Corona-Demonstration an.

„An diesen Tagen darf gesagt werden, Lügenpresse halt die Fresse“, war im Profil von Schwarz ebenfalls zu lesen. Dazu setzte er den Hashtag „Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert“. Kurzum: Lukas Schwarz liebäugelt mit einer Symbolik, bestimmten Codes und Sprüchen, die ohne jegliche Diskussion dem rechten Spektrum zuzuordnen sind.

Lukas Schwarz repostete als "Scepmusik" ein Statement des rechten Rappers Chris Ares.

Dafür sprach auch ein weiteres Instagram-Posting, in dem der Würzburger eine Lebensweisheit von Chris Ares teilte. Ares wird als Musiker der neurechten Bewegung gewertet.

Privat und geschäftlich: Lukas Schwarz wünscht sich klare Differenzierung

„Es ist meine private Meinung. Da müssen die Leute differenzieren“, wünscht sich Lukas Schwarz. Um diese Trennung dennoch deutlicher zu gestalten, wird er seinen Posten als Geschäftsführer des Würzburger CBD-Shops aufgeben.  Er hätte sich das anders gewünscht, so Schwarz. Wer aber in der Deutlichkeit von Schwarz mit rechten Anspielungen agiert, muss damit rechnen, dass auch das berufliche Umfeld reagiert. „Es werden wieder Existenzen hereingezogen, man will uns hier weghaben, das ist mein Eindruck“, mutmaßt der Inhaber des Cannameleons. Damit spielt er auf die Razzien an, die es Ende 2019 in seinen Shops gab und die zeitweise zu Umsatzeinbrüchen führten. Von seinen Aussagen wie auch politischen Meinungen aller anderen Mitarbeiter werde sich das Unternehmen noch heute distanzieren.

Er selbst sieht das negative Feedback auf seine Social-Media-Aktivitäten eindeutig aus der Szene der Antifa. Auf die Frage, warum er denn kontrovers diskutierte Themen wie die Quarantänezentren in Neuseeland beispielsweise mit einem „Corona macht frei“-Foto versehe, antwortete der Würzburger: „Das ist provokant, auf jeden Fall, um eine Aufmerksamkeit drauf zu lenken. Aber natürlich gehen die Lager (Anm. d. Red: Quarantänezentren) nicht klar. Warum lassen wir das zu?“ Das sei seine Intention hinter solchen Postings. Die Aufmachung eines solchen Postings ginge sicherlich auch anders, vor allem, wenn man selbst wegen nationalistischen Aussagen seit längerer Zeit im Rampenlicht steht.

Er halte nichts von Corona-Lagern, betonte Schwarz. Er wollte mit dem Statement provozieren, daher habe er die Fotomontage mit der "Arbeit macht frei"-Parodie gewählt. Foto: Screenshot Instagram

Auch Rapper Chris Ares kenne er nicht persönlich und Schwarz teile viele Ansichten des Neurechten nicht. Er habe aber den einen Spruch gut gefunden. Über die politische Position von Ares ist Schwarz dennoch ausreichend informiert. Auf Instagram ergänzte der Cannameleon-Inhaber, er sei genauso gegen Rechtsextremismus, wie er auch gegen Linksextremismus sei.  Diese Aussage habe er auch mit einem Storyposting, das extreme Einstellungen ablehne, im Juni betont (das Posting liegt der Redaktion vor).

Der Cannamelon-Betreiber beklagt, zu schnell in der rechten Schublade zu landen. „Meine Schubladen sind vielmehr drei Grundprinzipien: Helfen, kein Leid zufügen, weder Herr noch Knecht sein.“ Die Bedeutung der Begriffe Herr und Knecht sind für Schwarz wichtig und nicht austauschbar.  Denn hier müsse man schließlich zwischen Herrschaft und Führung unterscheiden. 

Er sei grundsätzlich ein gesellschaftskritischer Musiker, der seit Jahren als Scep auf Youtube aktiv ist. Schwarz sagt über sich selbst, er sei systemkritisch. Von einer Partei fühle er sich aber nicht repräsentiert.  

Spaltung verkleinern, interne Probleme anpacken

Was sein Posting „Deutschland zuerst“ angehe, würde er nicht sagen, dass Deutschland in der Welt an erster Stelle stehe. Es gebe aber genug Spaltung im Land und man müsse sich auf die Probleme intern konzentrieren. Immer wieder postet Schwarz auf Instagram dazu auch Videos von Xavier Naidoo, zuletzt gestern einen Söhne-Mannheims-Track namens „Marionetten“. Zu Naidoo möchte er sich nicht äußern, der Söhne-Song sei für ihn aber bedeutsam. Xavier Naidoo ist seit Monaten einer der prominenten Personen, die in der Corona-Krise Verschwörungstherorien verbreiten.

In Zukunft werde er mehr auf seine Ausdrucksweise achten. Entschuldigen will sich Lukas Schwarz hingegen für keines seiner Postings, sie würden schließlich seine Meinung widerspiegeln. Für das Unternehmen Cannameleon gelte das nicht.

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