Instagram währen Corona-Krise
Die vielen Challenges und trainierenden Nutzer auf Instagram können während der Isolation für Frust sorgen. Foto: tommaso79 (iStockphoto)

WÜRZBURG

Corona-Wahnsinn: Hört endlich mit diesen sinnlosen Insta-Challenges auf!

(Kommentar) Schon klar, die Isolation während der Corona-Krise schlägt aufs Gemüt. Wir können nicht nach Herzenslust in die Sonne, uns mit Freunden in Cafés setzen oder uns die Langeweile im Fitnessstudio rausschwitzen. Stattdessen sitzen wir im Homeoffice, machen Video-Telefonate und bingen stundenlang Netflix. Und bevor wir auch nur die kleinste Möglichkeit haben, uns mit uns selbst zu beschäftigen, starren wir lieber ins Smartphone.

Erst wollen wir uns nur fünf Minuten auf sozialen Netzwerken wie Instagram herumtreiben. Daran ist auch erstmal nichts verwerflich. Immerhin steht das Netzwerk für schöne Bilder, unterhaltsame Stories, heile Welt. Und nach der sehnen wir uns in Zeiten des Coronavirus. Doch aus fünf Minuten werden zwei Stunden und aus Langeweile werden Selbstzweifel.

Wir lernen eine neue Sprache und backen für die Insta-Welt

Content gibt es bei Instagram in diesen Tagen mehr als genug. Es werden peinliche Fotos gepostet. Jeder der ein Herz verteilt, muss ebenfalls eine peinliche Episode seines Lebens teilen. Mindestens für einen Story-Snap wird das Homeworkout gefilmt. Wieder andere zeigen ihre Kreationen aus dem Backofen oder ihre Erfolge beim Lernen einer neuen Fremdsprache.

Wenn die Quarantäne zum Wettbewerb wird

Was die ersten paar Tage noch ganz nett war, baut mittlerweile nur noch Druck auf. Wir sind isoliert von der Außenwelt und waren womöglich nie mehr vernetzt und aktiv. Von Entschleunigung keine Spur. Scheinbar gibt es sogar Regeln, wie man seine Quarantäne abzufeiern hat. Als wäre die Ausgangsbeschränkung für viele Menschen noch nicht schwierig genug, müssen wir auch noch daraus einen Wettbewerb, eine Challenge machen. Wer einfach mal nichts tut, sollte sich schämen.

Immerhin haben wir jetzt alle so viel Zeit und die MUSS man doch nutzen? Doch viele haben gar nicht mehr Zeit als vorher. Manche Menschen arbeiten sogar viel mehr als vorher (zum Beispiel im Gesundheitswesen) oder haben auch im Homeoffice genug zu tun. Familien versuchen nach wie vor alles unter einen Hut zu bekommen und das Chaos im Kinderzimmer zu bekämpfen. Hinzu kommen Existenzängste oder finanzielle Schwierigkeiten durch Kurzarbeit oder Kündigung.

Lehnt man dann noch die Teilnahme an einer Challenge ab, ist man ein „Spaßverderber“. Dabei verdirbt uns vielmehr der unausgesprochene Zwang, immer produktiv zu sein. Müssen wir denn wirklich immer „etwas“ machen?

Die Pamela Reifs der Welt trainieren auch nicht den ganzen Tag

Vielmehr sind diese Wochen die passende Möglichkeit, den Blick nach innen zu richten. Auf sich und seine Bedürfnisse hören. Und nicht die x-te Challenge in der Scheinwelt Instagram zu absolvieren oder mit einem Sixpack ins Büro zurückzukommen.

Weder Pamela Reif noch die Lisas von nebenan machen den ganzen Tag Sport, suchen süße Kinderfotos oder sind auf dem Weg zur nächsten Martha Stewart. Und falls doch: Behaltet es lieber einmal mehr für euch, als allen anderen auf der Couch mit Chipskrümeln im Hoodie und Eiscreme am Mund ein schlechtes Gewissen zu machen.

Zeit für eine neue Challenge

„Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Für den Schauspieler Harald Juhnke ist genau das die Definition von Glück. Wie wäre es also mit der Challenge: Handy aus, einfach mal nichts tun und niemanden daran teilhaben lassen.

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