Azubi
Was passiert, wenn mein Betrieb plötzlich in Kurzarbeit geht und die Berufsschule zu hat? Foto: Uwe Anspach (dpa-mag)

Würzburg

Drohende Kurzarbeit: Was Azubis jetzt wissen müssen

Das Coronavirus treibt viele Unternehmen zu strikten Maßnahmen. Einige Firmen sind vorübergehend zu, andere haben Kurzarbeit angekündigt oder praktizieren diese bereits. Kurzarbeit betrifft beispielsweise schon den Automobilzulieferer ZF in Schweinfurt, oder den Autolackspezialist BASF Coatings in Würzburg. Für die angestammten Mitarbeiter wirft das eine Reihe von Fragen auf - aber auch für die Lehrlinge im Betrieb. Ansage an sie: Ihre Ausbildung läuft weiter. Dennoch gibt es einiges zu beachten.

Was bedeutet Kurzarbeit für mich als Azubi?

Zunächst einmal gar nichts, denn Azubis fallen nicht unter Kurzarbeit. Der Betrieb muss sie weiter bei voller Vergütung und in vollem Umfang ausbilden, ist die Auskunft von Experten. Eine Kündigung wegen Kurzarbeit sei nicht zulässig. Allerdings kann es sein, dass der Lehrling zum Beispiel in eine andere Abteilung versetzt wird, wo die Lage günstiger ist. Erst, wenn der Betrieb "alle Mittel ausgeschöpft" hat, könne er auch die Lehrlinge in die Kurzabeit schicken, lautet die übereinstimmende Auskunft der DGB-Jugend Unterfranken in Schweinfurt und der Handwerkskammer für Unterfranken. In diesem Fall erhalte der Auszubildende allerdings mindestens sechs Wochen lang seine Vergütung zu hundert Prozent weiter. Danach wird alles erneut besprochen.

Muss ich als Lehrling in so einer Krisenphase überhaupt mein Berichtsheft weiterführen?

Das sei zu empfehlen - auch wenn der Betrieb stillsteht, so der Hinweis der DGB-Jugend. Das Berichtsheft sei wichtig, um am Ende der Ausbildung die erworbenen Kenntnisse nachweisen zu können. In dem Heft sollte aber unbedingt vermerkt werden, wann die Ausbildung im Betrieb und der Unterricht an der Berufsschule nicht möglich waren.

Die Berufsschule ist zu. Was jetzt?

Laut Handwerkskammer finden bis dahin auch keine Prüfungen für Azubis statt. Sie werden verschoben. Weil es keinen Unterricht an den Berufsschulen gibt, müssen die Betriebe ihre Lehrlinge dafür auch nicht freistellen. Heißt im Umkehrschluss: Die Auszubildenden müssen in dieser Zeit in ihren Unternehmen zur Arbeit erscheinen.

Es gibt keine Arbeit mehr in meinem Lehrbetrieb, der Chef will mich vorübergehend nach Hause oder zwangsweise in den Urlaub schicken. Geht das?

Nein. Denn grundsätzlich gilt nach Auskunft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt: Urlaub könne nicht gegen den Willen des Auszubildenden einfach angeordnet werden. Vielmehr gebe es Urlaub allein auf Antrag des Lehrlings. Ähnliches gelte für den Abbau von Überstunden.

Mein Betrieb hat mir bereits zugesagt, mich nach der Ausbildung zu übernehmen. Kann sich daran wegen der Corona-Krise etwas ändern?

Nein. Voraussetzung ist nach Angaben der DGB-Jugend, dass die Übernahme in den letzten sechs Wochen vor dem Ende der Ausbildung vereinbart worden ist. Am besten schriftlich, wobei auch mündliche Zusagen wirksam seien.

Wird meine Ausbildung verlängert, weil sich wegen der Corona-Krise alles nach hinten verschiebt?

Das ist nach Darstellung der IHK davon abhängig, wie lange die Ausbildung unterbrochen war und "ob dennoch alle Ausbildungsinhalte vermittelt werden konnten". Ob dies der Fall ist, bestätigen Ausbilder und Auszubildende durch ihre Unterschrift auf der Anmeldung zur Prüfung.

Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr will ich gar nicht in meinen Betrieb. Darf ich einfach zu Hause bleiben?

Nein. DGB-Jugend, Handwerkskammer und IHK sind sich einig: Fernbleiben ist Arbeitsverweigerung und damit nicht erlaubt. Das entscheidet der Lehrbetrieb, wie auch über die Möglichkeit zum Homeoffice.

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