Prostituierte im Bordell
Prostituierte (Symbolbild) Foto: Boris Roessler (dpa)

Kitzingen

Geschlossene Bordelle: Warnung vor illegalem Strich in Unterfranken

Die roten Lampen sind aus. Der gewerbliche Sex wurde vom Corona-Lockdown im März mit langfristiger Wirkung getroffen. Während das Gros der Unternehmen hoffen darf, wird der Betrieb in Bordellen, Appartements und auf dem Straßenstrich noch lange still stehen. Was für viele, vornehmlich südosteuropäische Prostituierte schwerwiegende Folgen haben kann – zwischen illegaler Arbeit im Untergrund und Obdachlosigkeit.

"Bezahlter Sex verschwindet nicht, nur weil er verboten ist. Der Bedarf ist immer noch da", versucht Natalie Zimmermann-Bauer zu beschreiben, was ihr Tränen in die Augen treibt. Sie betreibt in Kitzingen und Würzburg zwei Bordelle unter dem Namen "Zaubermaus-Haus".

Für Prostituierte gibt es kein Kurzarbeiter-Geld

Die Frauen, überwiegend aus Rumänien, die normalerweise in den Zimmern der beiden "Zaubermaus"-Häuser auf eigene Rechnung und legal ihre Dienste anbieten, sind keine Angestellten. Ergo gibt es für sie keine Kurzarbeit-Regel und somit, anders als für hierzulande sozialversicherte und damit Hartz-IV-berechtigte Kolleginnen, kein Geld vom Staat. Auf Corona-Soforthilfe dürfen sie ebenfalls nicht hoffen. "Wenn sie keinen Betrieb führen, keine Betriebsnummer haben, besteht kein Anspruch", sagt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung Unterfranken mit Verweis auf die gerade anlaufende Sonderregelung für Künstler.

Ein weiteres Problem: Wohnen dürfen die Sexarbeiterinnen in den tageweise angemieteten Arbeitsräumen nicht – das verbietet der Gesetzgeber auf Basis des Prostituiertenschutzgesetzes von 2017. Natalie Zimmermann-Bauer, die als Unternehmerin ins Milieu eingestiegen ist, sieht die Folgen: "Die Frauen gehen in die großen Städte und arbeiten illegal auf der Straße. Zu Bedingungen, die man seinem größten Feind nicht wünschen würde." Alles, was an Rechten erwirkt wurde, läge in Trümmern.

"Wo vor Corona 1000 Freier waren, bleiben jetzt 100, denen alles egal ist. Und um die wird gefeilscht. Die Frauen unterbieten sich gegenseitig, für 30 Euro oder noch weniger machen sie alles. Wirklich alles, auch ohne Schutz. Nur um etwas Geld für eine billige Übernachtung und Essen zusammenzubekommen, sonst schlafen sie auf der Parkbank." Möglichkeiten zur Heimreise und genügend Geld dafür hätten die wenigstens, sagt Zimmermann-Bauer.

Natalie Zimmermann-Bauer vor ihrem Bordellbetrieb in Kitzingen. Die Zaubermaus-Chefin betreibt auch ein Etablissement in Würzburg. Foto: Michael Bauer

Wird aus den Bordellen eine Pension?

Die 47-Jährige ist selbst Betroffene der Corona-Krise. Die 5000 Euro Soforthilfe habe sie noch nicht erhalten, dafür läuft die monatliche Miete für das Haus in Kitzingen in Höhe von 3000 Euro monatlich weiter. Und für das Haus in Würzburg der Kredit, sie hatte es erst vor wenigen Monaten gekauft. "Wir sind die Letzten, die wieder aufmachen dürfen. Das Jahr 2020 habe ich abgehakt." Für die schlimmsten Prognosen, dass es auch 2021 mit dem normalen Bordellbetrieb nicht weitergehen könnte, hat Zimmermann-Bauer nur einen ungefähren Plan B: Umstellen auf Pensionsbetrieb.

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Geht immer