Hände waschen / waschen
Ständiges Desinfizieren der Hände und des Körpers kann zu Problemen führen. Foto: kieferpix (iStockphoto)

Würzburg

Hygienewahn der Millenials: Hört auf, euch ständig zu desinfizieren!

Morgens schnell unter die Dusche, um wach zu werden, dann Haut eincremen, später gegen 11 Uhr am Rechner nochmal die Hände eincremen, vier Stunden später nochmal mit einem Reinigungswasser einseifen. Und zwischendurch nach dem Toilettengang die Hände waschen (ja, das ist auch richtig so), danach schön die Fingerchen mit Desinfektionsgel keimfrei machen. Nach dem Snack in der Kantine fix die Hände abspülen, wenn nötig mit grünem Putzgift aus der Abteilungsküche. Nach Feierabend dann ab unter die Dusche. Es müssen schließlich die Haare gewaschen, alle feinen Härchen entfernt und der Körper ja abgebraust werden, um den „Dreck“ des Tages zu entfernen.

Wir sind maximal sauber und gepflegt

Während die 70er-Jahre-Generation noch dem Haarwuchs gefrönt und dem Hygienekult den Kampf angesagt hatte, ist heute alles möglichst maximal sauber und gepflegt. Was aber nur wenige von uns wissen dürften: Manche der antibakteriellen Stoffe wirken nicht einmal gegen Bakterien. Und manche von ihnen sollten auf keinen Fall abgetötet werden.

Keimfrei scheint heute das neue Sauber zu sein. Da wird die Toilette mit Sagrotan-Spray bis in die letzten Ritzen behandelt, da werden Kleider mit speziellen Hygienewaschmitteln eingeseift und klar, die Nuckelflasche des Babys wird bis ins kleinste Detail und unter höchsten Wassertemperaturen so sauber geschrubbt, dass Gummi und Plastik fast porös werden.

Wir alle leben im Hygienewahnsinn und checken es kaum. Zu normal wurde die tägliche Dusche, zu normal wurde es, den halbwegs fremden WC-Sitz mit feuchten Desinfektions-Tüchern zu bearbeiten.

Antibakterielle Stoffe schützen kaum besser vor Keimen

Wer im Haushalt viele antibakterielle Stoffe benutzt, ist nicht einmal besser vor Keimen geschützt, als diejenigen, die einfach nur Seife und Standard-Waschmittel benutzen. Eine Studie aus dem Jahr 2004 (Annals of Internal Medicine: Larson et al., 2004) zeigt genau das auf. Untersucht wurden 238 Haushalte.

Lasst die Milliarden von Mikroben eure Haut bevölkern

Wer im Gegensatz zu einer herkömmlichen Seife Desinfektionsmittel nutzt, der tötet auch Keime ab, die wir wirklich brauchen. Denn einige der Mikroben, die so oder so auf unserem Körper wohnen, helfen das „saure Milieu“ der Haut zu pflegen. Es ist ein zentraler Schutz gegen Infektionen. Andere Bakterien, die von Desinfektionsmittel ebenfalls abgetötet werden, produzieren antibiotische Substanzen. Diese töten ebenfalls Krankheitserreger ab. Eine gute Sache, oder?

Nutzt die Basics

Mit dem Text sollt ihr nicht ermahnt werden, auf eure tägliche Dusche zu verzichten. Tatsächlich ist der Wellness-Effekt dieser kaum umstritten und gibt einem ein Wohlgefühl, das wohl kaum einen Ersatz finden kann. Hier geht es darum, sich wieder auf die Basics zu besinnen. Auch eine normale Handseife tut ihren Dienst, es muss nicht das Wundertütchen aus der Werbung sein, das krankenhausähnliche Zustände verspricht. Macht euren Körper und euer Zuhause zu einem Zuhause für nützliche Bakterien. Denn wer will schon gerne in einem Krankenhaus leben?

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!

Geht immer