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Mit weit über 300.000 Instagram-Followern hat sich Lara aus Waldbüttelbrunn bei Würzburg ein eigenes Business aufbauen können. Foto: Chris Weiß

Würzburg

Lara Rúnarsson alias lilchen_1: „Ich war noch nie eine Nachteule“

Wenn bei Lara Rúnarsson aus Würzburg morgens der Wecker klingelt, dann wartet auf die 22-Jährige nach dem obligatorischen Zähneputzen ein Arbeitstag, von dem derzeit viele Kids im sozialen Netz träumen. Lara ist Influencerin (Instagram-Name: bis vor kurzem lilchen_1, mittlerweile lararunarsson) und mit über 300.000 Followern die größte weibliche Instagramerin Würzburgs. Die Halb-Isländerin bezeichnet sich als „halbe Wikingerin“ und hat sich aus ihrem kleinen Heimatdörfchen Waldbüttelbrunn nicht nur zur Selbstständigkeit gekämpft, sondern ist Ende 2019 auch Miss Bayern geworden. Wir sprachen mit Lara über Macht, Authentizität und was sie im Alltag ankotzt.

Lara, vielleicht keine ganz alltägliche mathematische Frage zum Start. Minus mal minus gibt plus, plus mal plus ebenfalls. Sind deine Eltern auch superhübsch oder eher nicht so?

Lara Rúnarsson: „Doch, ich finde meine Eltern schon sehr hübsch. Wenn ich mir Bilder meiner Eltern beispielsweise als junges Paar bei der Hochzeit anschaue: Da sehen sie toll aus. Und auch jetzt finde ich schon, dass die beiden hübsch sind.“

Wie lebt es sich im Alltag als schöner Mensch?

„Das klingt jetzt total blöd, wenn man so sagt, dass man sich als schöner Mensch empfindet. Ich lebe mein Leben wie ich mich mag und wie ich mich geben möchte. Dementsprechend strukturiere ich meinen Tag mit meinen Vorlieben und Hobbies und wo meine Interessen liegen. Das hat aber nichts mit meinem Aussehen zu tun.“

Den Türöffner Schönheit gibt es trotzdem nachweislich. Hat dir das etwas gebracht?

„Ich glaube eher, dass meine Authentizität mir Türen öffnet. Aber klar, auf einer Plattform wie Instagram gibt es natürlich viele, die mir aufgrund meines Aussehens folgen. Und eben nicht nur, weil sie mich sympathisch finden. Daher hat mir das Aussehen mit Sicherheit ein bisschen was gebracht.“

Kann man es nur mit Sympathie und keiner Schönheit auf Insta schaffen?

„Klar, da gibt es Paradebeispiele. Auch Leute, die in anderen Segmenten ihre Schwerpunkte haben, haben Erfolg. Die Plattform Insta ist dafür da, um Themen zu repräsentieren, die man gut findet. Und dass da jeder die Chance hat, gesehen zu werden.“

Dich sieht man auch aufgrund deiner Authentizität, sagst du. Was macht dich authentisch?

„Ich glaube, ich bin eine sehr ehrliche Person. Ich verkörpere das, was mir persönlich wichtig ist. Und das ist authentisch, wenn man sagt, dass ich hinter den Sachen, die ich anspreche oder mit denen ich kooperiere, auch dahinterstehe.“

Das sagt jeder Influencer, dass er hinter den Produkten steht.

„Mir ist wichtig, meinen Abonnenten nicht Hund und Katz' zu verkaufen. Ich möchte eine Community aufbauen, wo man kommunizieren kann und wo man weiß: die Lara steht dahinter. Ich mache das selbstständig ohne Agentur nach meinem dualen Studium und suche meine Kooperationspartner selbstständig auf.“

Selbstständigkeit mit 22 Jahren. Wie ist das für dich?

„Ich bin da stolz drauf, aber habe das auch von meinen Eltern ein bisschen abgeguckt. Mein Vater ist auch selbstständig. Und ich sehe wie das funktioniert. Auch bei meinem dualen Studium habe ich vieles erlernen können, was unternehmerisches Denken heißt und wie es ist, sich ein Business aufzubauen. Ich bin jetzt natürlich stolz, dass ich das Theoretische in das Praktische für ein eigenes Geschäft umsetzen konnte.“

Und was sagen die Eltern zu deinem Influencer-Dasein?

„Meine Eltern sind glaube ich auch sehr stolz auf mich, dass ich das alles geschafft habe. Es gibt immer viele Ups and Downs als Selbstständiger, man muss sich da auch durchboxen. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt und ich freue mich, dass sie hinter mir stehen.“

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Lara Rúnarsson ist amtierende Miss Bayern. Foto: Chris Weiß

Die Teilnahme an einer Misswahl hat jetzt nicht zwingend etwas mit deinem Business zu tun. Warum hast du dich trotzdem beworben?

„Ich wurde angeschrieben von der Miss-Germany-Cooperation, ob ich nicht Lust hätte, an ihren Live-Experiences teilzunehmen. Das kann man wie ein Casting sehen mit Shooting. Und da gerade Miss Germany im Wandel ist, ist es eine neue Miss Germany-Wahl, die mehr die Power der Frauen und die Charakter und ihre Stärken in den Vordergrund stellt. Das fand ich eigentlich eine super Message. Man geht von dem Schönheitsideal weg, es geht mehr darum, für was die Frau steht. Deshalb mache ich mit.“

Finden die Leute in deiner Heimatgemeinde Waldbüttelbrunn das teils auch strange, dass du als junge Frau von nebenan digital erfolgreich bist?

„Nein, bisher habe ich nur Positives gehört. Dass die Leute stolz sind, dass eine Waldbüttelbrunnerin jetzt zur Miss Bayern gekürt worden ist. Am Anfang, wenn man Bilder im Dorf macht, schaut vielleicht der eine oder andere schon länger hin, was man da macht. Aber ich habe nichts Negatives erfahren.“

Du bist als Miss Bayern und als Influencerin eine eigene Marke. Gibt es etwas, was dich da im Alltag ankotzt?

„Ich bin froh, dass ich eine Community hat die mich unterstützt. Ich kriege sehr selten Hass- oder Neidnachrichten, aber klar, gerade wenn es Nachrichten sind, die ein bisschen ins provokante gehen, also provokante Bilder beispielsweise, dass sind Sachen, die ich nicht so gerne sehen will. Das ist das Negative, da es heute viel schneller geht, solche Bilder zu verschicken.“

Wie steckst du sowas weg, du erreichst ja über 300.000 Menschen?

„Man muss sich schon ein Fell wachsen lassen und darf das nicht so an sich ranlassen. Man muss differenzieren ob das ein Feedback ist, das berechtigt ist und mich beschäftigt, oder ob das einfach nur Hass ist. Da muss man versuchen, das nicht an sich ranzulassen. Das fällt mir schwer, weil ich schon auch sensibel bin, aber man muss das lernen.“

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du dir sämtliche Nachrichten deiner Follower reinziehst. Warum?

„Ja. Mir ist das persönlich wichtig, dass ich auf Fragen meiner Follower eingehe. Sei es jetzt Klamotte oder Duales Studium oder was ich gerade eben mache. Da finde ich es schön, wenn man eine Beziehung aufbauen kann und die Leute gerade dadurch einen besser kennenlernen. So kann ich näher an meinen Followern sein.“

Bist du dir da einer Macht über Menschen bewusst?

„Ich würde es nicht als Macht beschreiben. Aber klar, habe ich die Chance mit meiner Reichweite einiges zu bewirken. Daher spreche ich Themen wie Wählen oder sensiblere Themen wie beispielsweise Blutspenden an.“

Gehst du selbst Blutspenden?

„Ich kann leider nicht, da ich eine Autoimmunerkrankung habe. Daher ist mein Blut in Anführungszeichen vergiftet. Ich würde es aber sonst sehr gerne machen.“

Was hast du denn, wenn du darüber sprechen möchtest?

„Ich habe Hashimoto. Das ist eine Schilddrüsenerkrankung. Ich muss seit ein paar Jahren Tabletten nehmen. Ab und an merke ich es, wenn die Einstellung der Medikamente nicht ganz passt. Dann ist man schwächer, erschöpfter und müder. Oder Haare und Nägel brechen ab. Man kann damit aber leben.“

Waldbüttelbrunn ist deine Heimat, in Würzburg bist du natürlich auch öfter unterwegs. Wo trifft man dich da?

„In der Stadt beim Shoppen und mit Freundinnen mal im Café. Ab und zu gehe ich auch Sushi essen, das gibt’s nicht in Waldbüttelbrunn. Wenn ich mal feiern gehe, dann schon im Club. Ich war aber noch nie eine Nachteule.“

Abschließend noch eine wichtige Frage für alle, die bereits das gesamte Interview darauf warten. Hast du einen Freund und wenn ja, darf man(n) ihn ablösen?

„Ja, habe ich. Und nein, darf man nicht. Mit dem bin ich schon über fünf Jahre zusammen und das finde ich auch gut so.“

Über Lara Rúnarsson alias lilchen_1:

Lara Rúnarsson ist 22 Jahre alt und kommt aus Waldbüttelbrunn. Sie hat ihr größtes Hobby, Fotos zu schießen, zum Beruf gemacht – über 300.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Erst vor kurzem beendete Lara ihr duales Studium bei Aldi Süd. Danach machte sie sich als Influencerin selbstständig. In ihrer Freizeit ist Sport ein großes Thema. Früher war sie bei Waldbüttelbrunn im Verein aktiv, heute ist das Fitnessstudio ihr Ausgleich. Sie schaut gerne Serien mit ihrer Schwester und ihrer Mama und beschäftigt sich mit ihren zwei Katzen. Lieblingsserien: Vampire Diaries, The Originals, Denver Clan und Legacies.

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