Sie gehört zu den neuen normalfigürlichen H&M-Models. Foto: Screenshot H&M

Würzburg

Normalo-Models bei H&M: So bewertet es eine Frau, so ein Mann

Seit Tagen ploppt auf Facebook und Instagram H&M-Werbung mit Frauen auf, die ein bisschen normaler aussehen, als es die vermeintlich perfekt geformten Unterwäschemodels tun, die sonst so für den schwedischen Moderiesen werben. Der Social-Media-Hype um die Normalo-Models ist perfekt. Aber ist der gerechtfertigt?

So nimmt mainDing-Redakteurin Denise die H&M-Werbung wahr:

Seit langem war ich das erste Mal wieder im H&M-Onlineshop unterwegs, als ich diesen Bikini sehe – und das Model im Bikini. Mein erster Gedanke: Curvy Mode. Doch beim zweiten Blick fällt mir auf, dass die Frau mit den Boy Brows und den schicken Fine Line Tattoos gar keine XL-Größe trägt. Das Model ist normalgewichtig. Unter dem Bikini-Oberteil formt sich ein kleines Pölsterchen, die Oberarme sind untrainiert, der Bauch ist flach, aber auch nicht sonderlich muskulös. Warum staune ich also über so ein Bikinimodel? Ganz einfach: Die Frau sieht aus wie ich.

So sehen tatsächlich die meisten Frauen in Bademode aus. Dieses Bild zeigt mir also, wie ich beziehungsweise mein Körper in einem gestreiften Triangel-Top aussehen würde. Und obwohl ich weiß, wie ich aussehe, frage ich mich: SO würde ich darin aussehen? Dann kaufe ich den Bikini lieber nicht.

Auf Plakaten, in Onlineshops oder auch auf Laufstegen wird Mode seit Jahrzehnten von überdurchschnittlich hübschen, trainierten und schmalen Frauen getragen. Anschließend wird sie von uns Normalo-Frauen gekauft. Möglicherweise kaufen wir ein Kleidungsstück nicht, weil es uns so gut gefällt, sondern vielmehr das Model, das es trägt? Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, ist da was dran. Natürlich hoffe ich, dass ich in dem Sommerkleid genauso aussehe, wie Toni Garrn. Doch beim Anprobieren ist die Enttäuschung groß. An der Hüfte ist es zu eng, an der Taille zu weit und an den Armen zu kurz. Das Kleid allein macht mich eben nicht zu der Frau aus der Reklame.

Solche Normalo-Models könnten Abhilfe schaffen. Wir Frauen könnten endlich das kranke Körperbild ablegen, das uns über Generationen hinweg aufdiktiert wird. Noch muss man bei H&M oder anderen Seiten nach solchen „Normalo“-Frauen suchen. Aber ich will mehr davon sehen! Dann wirkt eine Frau mit einer gewöhnlichen Figur unter den ganzen Sports-Illustrated-Models im Onlineshop auch nicht mehr ungewöhnlich. Oder wollen wir am Ende doch lieber nur eine Illusion kaufen?

Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Das sieht mainDing-Redakteur Manu die neuen Modelmaße:

Hätte ich nicht auf einer Online-Plattform darüber gelesen, wäre es mir wohl gar nicht aufgefallen: Aber ja, H&M hat wohl die Modelgrenze über die 50 Kilomarke gelegt und präsentiert Frauen im Bikini, die sich am Abend möglicherweise auch mal eine Pizza gönnen. Wirklich stark nehme ich den Unterschied zwischen den normalgewichtigen Frauen und den megaschlanken Frauen gar nicht wahr. Für mich ist die – auch im öffentlichen Diskurs verwendete – Formulierung „normalfigürlich“ goldrichtig. Ich sehe ganz normal geformte Frauen mit einem überdurchschnittlich schönen Gesicht, die die neue Kollektion eines riesigen Modeunternehmens tragen. Diese Wahrnehmung könnte daran liegen, dass ich in meinem Leben deutlich mehr Normalo-Figuren als die Körper von Supermodels gesehen habe - angefangen bei Mama, Tanten und Omas. Der Aufschrei oder auch der Applaus vieler Kommentatoren im Netz bleibt bei mir daher aus.

Im Gegenteil! Ich wollte auf der Homepage auf H&M direkt vergleichen, wie die superschlanken Frauen im Gegensatz zur Figur von Nebenan wirken. Nur konnte ich kaum normalgewichtige Frauen finden. Ich würde mir daher deutlich mehr gemischtes Modelvolk auf einer Homepage wie H&Ms wünschen – denn so unterschiedlich dürften auch die Kunden der Modekette sein.

Schade: H&M hat auf Facebook für ein Kleid mit einem Normalo-Model geworben, online ist das Kleid dann aber doch „nur“ an einer superschlanken Frau zu sehen.

So wird das Kleid auf Facebook präsentiert. Foto: Screenshot H&M Facebook
So wird das Pünktchenkleid online präsentiert. Foto: Screenshot H&M Homepage

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!

Geht immer