Jan aus Würzburg hat auf Instagram weit über 300.000 Follower. Foto: Chris Weiß

Würzburg

jan.a.man ist Würzburgs bekanntester Instagramer

1,92 Meter groß, 95 Kilo schwer, Oberleutnant bei der Bundeswehr und ein Entertainer: Jan aus Würzburg ist mit über 340.000 Followern das Flagschiff unter den Instagramern der Stadt. Vor etwa sechs Jahren startete das Projekt Insta „just for fun“, heute beschäftigt er sich unter dem Alias „jan.a.man“ täglich mit der sozialen Plattform. Daraus ein reines Business zu machen, ist für den 27-Jährigen aber keine Option. Warum? Wir haben Jan getroffen.

Jan, ich platze gleich mit der Tür ins Haus. Warum bist du kein hauptberuflicher Influencer bei so einer Masse an Followern?

jan.a.man: „Weil ich beruflich ganz anders orientiert bin. Und mir da auch die Sicherheit fehlt. Das ist eine Blase, die da entsteht. Ich mache den Beruf, den ich jetzt mache (Anm. d. Red: Jan ist Bundeswehr-Oberleutnant) einfach wirklich gerne und der gibt mir vielmehr zurück als irgendetwas anderes.“

Und die Bundeswehr weiß über deine Social-Media-Karriere Bescheid?

„Ganz verschleiern kann man es nicht, dafür ist es mittlerweile auch zu viel. Das Gute ist, die Leute kennen mich, die kennen mich im Beruf und die wissen, dass es ein Privat- und ein Dienstgeschäft gibt. Aber meine engen Vertrauten, auch beim Bund, machen schon ihre Witze darüber. Und das ist auch das Richtige.“

Erinnere dich mal zurück, wie es mit deinem Account losgegangen ist. Wie war Jan, als er nur ein paar Handvoll Follower hatte?

„Anfangs habe ich irgendwelche komischen Kinobilder gemacht und jeden möglichen Filter darübergelegt. Und irgendwann habe ich im Zug mal ein Selfie gepostet und das war der Anstoß, dass es ein bisschen losgegangen ist. Letztlich war es eine Wette mit zwei Kumpels, wer die ersten 1000 Follower knackt. Einfach just for fun. Ich habe zu der Zeit von Instagram gar nicht viel gehalten.“

Für das Fotoshooting haben wir Jan (jan.a.man) zur MS Zufriedenheit mitgenommen. Foto: Chris Weiß

Heute hast du weit über 300.000 Menschen, die dir Folgen und Tausende, die ganz regelmäßig agieren. Warum ist das so?

„Ich wurde oft gefragt, was das Geheimnis von Instagram ist. Und ich kann es ehrlich nicht sagen.“

Wie meinst du das?

„Mein Profil ist so wenig konstant und es gibt manche Bilder von mir, die sehen megaquatschig aus und ich frage mich selbst, was ich da eigentlich mache. Und auf einmal ist das Anstoß für 3.000 bis 5.000 neue Follower pro Woche. Da hat man echt völlig den Überblick verloren.“

Dir folgen fast dreimal so viele Menschen, wie hier in deiner Heimatstadt leben. Krass, oder?

„Meine Followerzahlen sind Dimensionen, die sind für mich nicht mehr greifbar. Ich stelle mir da immer ein Stadion vor. Man weiß aber ja auch nicht, wie viel Echte da dabei sind.

Ist das geil, so viele Leute täglich zu unterhalten?

„Die Dimension ist unglaublich, gibt mir aber nichts.“

Spielt da auch Macht eine Rolle beim „influencen“?

„Nein, Macht ist es nicht. Jeder Influencer behauptet, authentisch zu sein und was er vor die Kamera hält zu leben. Das wirkt aber unglaubwürdig. Ich wähle aus. Ich mache Musikempfehlungen. Das mache ich aber nicht, um die Künstler zu unterstützen, sondern weil ich das einfach geil finde. So wähle ich auch meine Kooperationen aus. Deshalb ist es keine Macht, sondern eher das Gefühl, den Leuten was zurück zu geben. Das klingt total romantisch, aber letztendlich ist es das.“

Du sagst, die Dimension der Follower gibt dir nichts. Auch der Job als Influencer kommt für dich nicht in Frage. Arbeit ist das Profil aber trotzdem, Du steckst da ja eine Menge Zeit rein, oder?

„Ich bin etwa 30 – 45 Minuten pro Tag mit Insta beschäftigt. Am Wochenende und im Urlaub vielleicht das Doppelte. Instagram ist auf der Tagesordnung aber ehrlich gesagt auf Platz 10 oder 11.“

Wie ist es, wenn du abends dann die App öffnest und Instagram-Nachrichten liest? Mir ist aufgefallen, dass du Follower hast, die Dich sehr direkt einladen. Die lassen nichts anbrennen. Und andere verhalten sich so, als wären sie mit Dir lange verheiratet. Was kommt da alles zusammen?

„An Nachrichten ist tatsächlich alles dabei. Männlein und Weiblein, die sich komplett anbieten. Von Füßen über Hände bis hin zu Ohren, jeder Fetisch ist da dabei.“

Was macht das mit dir?

„Solche Nachrichten haben mich schon immer sehr wenig interessiert, da ich Instagram meiner Meinung nach recht realistisch einschätze. Das heißt, wenn da Leute irgendwas bei mir schreiben, dann kennen die das Bild, aber nicht den Typen drauf. Deshalb ist mir das wumpe. Wenn mir meine Freunde was sagen, dann nehme ich das schon ernst. Vor allem der Familie, denen muss man das auch erst mal erklären.“

Das heißt, du legst jetzt auch nicht großen Wert darauf, Follower zu treffen?

„Meet and Greet ist absolut nicht mein Ding. Auch wenn da Ideen in manchen Köpfen rumschwirren. Ich bin auch nicht einer, der sich unglaublich freut, die Fibu zu besuchen.“

Und wenn dich jemand auf der Straße grüßt?

„Ich bin dann natürlich höflich und nett, wie es sich gehört. Da trifft man mich ja im Privatleben. Das ist mir immer noch unangenehm, das ist nichts Normales.“

Wie viel Jan steckt in jan.a.man?

„Ich bin professionell geworden. Ich verwalte mein Profil schon auch ein bisschen followerorientiert. Früher habe ich die Bundeswehr komplett mit reingenommen, weil das einfach ich war. Seitdem ich das nicht mehr mache ist es auch weniger ich. Das ist einfach so. Entsprechend gucke ich schon, was der Markt so möchte, versuche aber immer noch den Spagat zu schaffen. Man wird mich beispielsweise nicht beim Angeln sehen, weil das interessiert mich nicht.“

Du kommst ja aus Baden-Württemberg, in der Nähe von Stuttgart. Was gibt dir Würzburg?

„Ich habe in München studiert und bin durch die Bundeswehr viel rumgekommen. Kein Ort hat mir bisher so viel Entspannung gegeben und Entspannung ist mir unglaublich wichtig, da ich mit einer gewissen Frequenz arbeite. Und von daher hat es Würzburg zum ersten Mal geschafft, das Gefühl Heimat zu geben.“

Du bleibst also im Frankenland?

„Dieses Bedürfnis regelmäßig nach Hause zu fahren, das – und da ist auch Würzburg schuld – habe ich aktuell nicht mehr so krass. Ich beginne, so etwas wie Wurzeln im Kopf zu schlagen.“

Und was bleibt auf Instagram? Ein noch professionellerer jan.a.man oder lässt du dich treiben?

„Letzteres! Ich versuche da einfach noch was mitzunehmen und coole Kooperationen zu machen. Die Chancen, die man dadurch hat auch wahrzunehmen. Es gibt einfach total coole Angebote, da wäre ich blöd, wenn ich das nicht nutzen würde. Es gab Phasen, da ist es weniger effektiv gewesen und das kann man schwierig erklären. Das hat mich nicht negativ beeinflusst. Ich mache einfach weiter, solange es da eine Nachfrage gibt. Ich habe keine Ziele.“

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!

Geht immer