Rap KIKO
KIKO hat mit "Ich Will Alles" ein respektables Debüt in der Rapszene veröffentlicht. Foto: Pressefoto KIKO

Würzburg

KIKO aus Würzburg: Ich habe meinen Ausbilder mit einer Waffe bedroht

Es ist gerade mal ein Satz am Telefon gesprochen, da lacht Rapper KIKO aus Würzburg heftig auf. Ein Lacher über eine Belanglosigkeit. Ein Lachen, das ansteckt. Er sagt, dieses sympathische, impulsive Lachen liege daran, dass er gerade etwas geraucht habe. Auf anderen Substanzen sehe es ganz anders aus.

So schnell sind wir also mitten im Thema, das die Frage beantworten möchte: Wer ist Niko Kudlek, der Typ, den sie KIKO nennen, der mit „Ich Will Alles“ ein respektables Debüt in der nationalen Gangsta-Rap-Szene veröffentlicht hat?

„Es geht in meiner Musik um meine Geschichten. Die Textzeile ‚Ich bin breit wie ein Baum und Leute wie dich, hab‘ ich früher schon gehaun‘ beschreibt meine früheren Schulkollegen. Die haben immer gemeint, die wären es, und dann habe ich die zwei Jahre später getroffen und zusammengeschlagen.“

Insgesamt hat KIKO vier Jahre in Haft verbracht

Es ist entwaffnend, wie offenherzig der 25-Jährige über seine Delikte spricht. Er hatte als Teenager seinen Ausbilder mit einer Waffe bedroht, weil der junge Azubi sein Fahrzeuglackierer-Gehalt nicht bekommen hatte. Dafür saß er in Untersuchungshaft. Später wanderte er aufgrund von Drogenhandel für drei Jahre in den Bau.

Ist KIKOs Musik nun ein Ausweg aus diesem Leben? Nein. Vielmehr scheint es so, als würde er seine eigene Biografie in textlichen Zement gießen wollen: „Weil ich das bin. Wenn mir was nicht passt, fackle ich nicht. Ich habe viel erlebt und Scheiße gebaut. Ich habe mich jahrelang zugeknallt. Es zeigt, wie kaputt ich bin.“ In den Kreisen, in denen er verkehre, sei diese Mentalität nötig. Auf die Frage, wo im sicheren und verschlafenen Würzburg das denn gebraucht werde: „Im Milieu, im Untergrund.“

KIKO
Der Würzburger Rapper KIKO ist Mitte 20 und hat einen Teil seines Lebens im Knast verbracht. Foto: Pressefoto KIKO

 

Immer wieder wird das Interview von seinen hörbar gut gelaunten Jungs unterbrochen. Die müssen gerade Kisten schleppen, denn KIKO zieht um. Er bleibt aber in der Gegend. Früher hatte der Musiker in Versbach und Lengfeld gelebt, später in Rottendorf. Dass ihn seine Freunde unterstützen, ist für ihn klar. Ihre Maxime seien Stolz, Ehre und Respekt und eben manchmal Umzugshilfe. Ruppig kann es aber trotz all der guten Laune auch mal zugehen: „Ich würde meine Freunde auch schlagen, wenn die es übertreiben. Da hat es in der Vergangenheit schon mal eine Backpfeife gesetzt. Aber das fordere ich auch von denen, wenn ich wieder über die Stränge schlage.“

Polizei-Razzia während Dreh zu „Ich Will Alles“

Seine Vorgeschichte lässt auch das Rap-Dasein von KIKO nicht unbelastet. Schon die Story rund um den Dreh zu „Ich Will Alles“ lässt sich in seiner Szene gut vermarkten. Mehrere Polizeiwagen hätten den Dreh gesprengt, später habe es im Denckler-Späti, einem der Drehorte, nochmal eine Razzia gegeben.

 

Bestätigt wird die Story durch teilweise verpixelte Polizeibeamte im Musikvideo. Alles echt, sagt KIKO. Er weiß, das ist real, das kommt gut an. Faker gebe es ohnehin viel zu viele in der Musikszene um den deutschen Gangsta-Rap. „Etwa 80 Prozent der Kollegen sind falsch.“ Sein Signal an Fans des Genres: Recherchiert zu den Rappern und ihrer Geschichte. Da finde man schnell Fakten, ob die wirklich ihren angepriesenen Hintergrund selbst erlebt haben.

KIKO: „Ich möchte, dass alle Leute wissen, dass es mir gut geht“

Sein Debüttrack thematisiert die vorrangig materiellen Ziele des Druckerei-Mitarbeiters. „Ja, ich möchte, dass alle Leute wissen, dass es mir gut geht. Ich will rausgehen, will den Bart frisch haben, frische Frisur, gute Klamotten und Schmuck. Das strahlt was aus. Ich zeige, dass ich nicht hungern muss.“ Den Ferrari, den er thematisiert, habe er schließlich noch nicht. Er möchte ihn, auch wenn er keinen Führerschein besitzt. Sein nächster Track zeigt wieder, wie man kriminell Geld machen kann. Im August soll er erscheinen, davor will KIKO noch nicht zu viel verraten. Waffen, Cash, Frauen sollen darin vorkommen – Gangsta-Rap-Tapete eben.

Das Thema Reichtum treibt KIKO schon seit seiner Jugend um. Bei einem Kreditkartenbetrug mit 14 Jahren habe er 11.500 Euro mit einem Kumpel innerhalb von wenigen Tagen ausgegeben. Mit der Limousine sei er zum Kiliani gefahren, habe gelebt wie ein König. Es war sein allererstes Delikt. Die zwei Wochen Jugendarrest und 150 Sozialstunden kümmerten ihn nicht. „Wenn du mir anbieten würdest, dass ich, bis ich 50 bin, Kohle ohne Ende hätte und danach wie ein Penner leben muss: Ich würde den Deal annehmen.“

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