Homiyar Tata aus Würzburg hat manche Tattoos schon mehr als 30 Jahre lang. Wie verändern sie sich und ist er mit allen noch zufrieden? Foto: Reni Klaue / Tata (privat)

Würzburg

Wie verändern sich Tattoos im Alter?

Sein erstes Tattoo hat er sich im Alter von 17 in Kanada stechen lassen. An der Nadelmaschine saß einer, der zum berüchtigten Biker-Clan „Hells Angels“ gehörte. Er malte einen Wikinger unter die Haut, ein bedeutungsvolles Tattoo für einen damals noch so jungen Mann.

Für Homiyar Tata aus Würzburg war es die erste Erfahrung, aber lange nicht seine letzte. „Ich wollte erst einen Wikinger haben, da ich neben kanadischen auch norwegische Wurzeln habe.“ Der Kanadier, der seit 25 Jahren in Würzburg lebt, ist seit den frühen 80er-Jahren tätowiert. Er hat Kunst auf seinen Beinen, seinen Armen, der Brust und dem Oberkörper. 57 Jahre ist er inzwischen alt und erlebt, wie sich sein Körper und seine Tattoos verändern.

„Manche Tattoos, die ich vor langer Zeit habe machen lassen, sind von der Qualität immer noch wie neu. Andere sehen einfach uralt aus und verblassen.“ Noch regelmäßig lässt sich der Mann, den alle nur „Tata“ nennen, in der Stadt tätowieren. „Ich habe ständig eine Idee im Kopf. Und wenn mein Tätowierer Zeit hat, mache ich manchmal auch ein Tattoo aus reiner Lust und Laune.“ Früher habe er seine Skizzen auch selbst gezeichnet, selbst tätowiert hat er sich aber nie: „Wenn ich wirklich wüsste, wie es gut funktioniert, dann vielleicht.“ Bis heute lässt er aber die Finger davon.

Bereut man einige Tattoos, wenn man älter wird?

Tata kennt den Ausspruch zahlreicher Eltern: „Überlege es dir gut, ob du ein Tattoo machst. Später, wenn du älter bist, bereust du es.“ Das kann der gelernte Koch aber nicht bestätigen. „Nein, es gibt keine Tattoos, die mir nicht mehr gefallen. Ich würde alle wieder machen. Aber ich würde sie in der Größe anders gestalten.“ Bei seinen ersten Tattoos habe er noch nicht viel gewusst, die Prioritäten nicht richtig gesetzt. „Ich habe das falsch aufgebaut damals“, sagt er. Doch seine Körperkunst liebt er. „Ich kann auf meiner Haut sehen, wie sich mein Leben verändert hat.“

Als Tätowierter in den frühen 80er-Jahren war der in Würzburg tätige Koch mit mehr Vorurteilen konfrontiert als heute. „Ja, ich hatte Vorstellungsgespräche, da wurde ich direkt komisch angeschaut. Ich habe gemerkt: Es ging um meine Tattoos.“ Auch in einer Anstellung in einem hochklassigen kanadischen Hotel habe es immer wieder Ärger gegeben. „Ich musste lange Kochjacken tragen, darauf bestand der Küchenchef.“

Manche Tattoos seien wie neu, andere sähen uralt und verblasst aus, sagt Tata. Er vermutet, dass das an der Qualität der Tätowierer und Materialien läge. Foto: Reni Klaue / Tata (privat)

Kochen mit Tattoos: Strapazen durch Verbrennungen

Das Kochen birgt für Homiyar Tata aber auch andere Herausforderungen. „Ich verbrenne mich ständig an den Armen. Das ist natürlich schlecht für meine Tattoos, denn die Wunden brauchen manchmal Wochen, um zu verheilen.“ Mit teils 40 Jahre alten Tattoos kümmert sich der Würzburger nicht mehr viel um die Pflege. „Ich creme mich selten ein, aber ab und zu reibe ich die Tattoos mit einem harten Schwamm ab. Das ist wie ein Peeling. Dadurch wirkt das Tattoo wieder kräftig und lebendiger.“

Auch mit 80 Jahren will Tata noch zum Tätowierer gehen und sich neue farbige Geschichten unter die Haut stechen lassen. Mit seiner 40-jährigen Erfahrung weiß er: „Das ist einfach Teil von meinem Leben.“

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