Coronavirus
Kann eine Pandemie dabei helfen, eine neue Gesellschaft aufzubauen? Foto: Peter Kneffel (dpa)

Würzburg

Gelingt durch Corona endlich eine Transformation zur besseren Gesellschaft?

(Kommentar) Das Hamsterrad der Moderne hat mit dem Schnellfeuer-Kapitalismus des 21. Jahrhunderts  seine Formvollendung gefunden. Der Mensch als der Superlativ der Erde, der Macher, der Kreator.

Schon lange ist allerdings klar, dass unser Tun und Handeln als Gesamtgesellschaft auf sehr wackligem Boden steht. Raffgierig stopften sich, spätestens seit Industrialisierungs-Zeiten, viele ihre Taschen voll. Wer das besonders gut beherrschte, wurde zum Teil der oberen Zehntausenden. Die allseits umtriebige Leistungsgesellschaft hat seit vielen Jahrzehnten die Ausbeutung von Erde und Menschheit perfektioniert. Viel Platz für die Rückbesinnung auf das Existenzielle, die eigenen vier Wände und vielleicht auch eine spirituelle Macht blieb nicht. Es geht an dieser Stelle - nebenbei erwähnt - noch um einen gesamtgesellschaftlichen Eindruck, nicht um die teils guten und positiven Beispiele, die es ebenfalls gibt.

Wer Wirtschaftszyklen kennt: Die Rezession war bereits da, die Depression wäre ohnehin gekommen

Dennoch fallen alle aus den Wolken, weil die lange künstlich verschleppte Rezession spürbar wird und wir auf eine wirtschaftliche Depressionsphase zusteuern. Nicht bedingt durch einen weiterhin kontrollierten Sinkflug, sondern durch eine Pandemie, deren Ausbruch nicht eine Frage davon war, ob es sie geben wird, sondern, wann es sie geben wird.  

An vielen Stellen bringt das Coronavirus das Positive im Menschen hervor

Umso schöner ist es, dass es in dem so unmittelbar vorhandenen und weiter absehbaren gesellschaftlichen Leid, das vor allem diejenigen trifft, die seit jeher im Niedriglohnsektor dienen, einige Gegenströmungen gibt.

Auf einmal sind ganze Kontinente aus der Vogelperspektive dank geringerer Feinstaubemission wieder deutlicher zu sehen. In Venedig klaren die vielen Kanäle zwischen den Häusern wieder auf. Der Planet kommt temporär zur Ruhe. Die Umwelt erhält die wohlverdiente Verschnaufpause, die wir ihr freiwillig nicht geben wollten.

Und auch in den Supermärkten, auf der Straße und online formiert sich etwas, das in dem Maße schon lange nicht mehr zu sehen war: ein Miteinander, Solidarität. Freischaffende Künstler erhalten Spenden von Menschen, die mit ihrer Kunst möglicherweise nie etwas zu tun hatten. Wir versuchen, Restaurants und Läden in unserer Umgebung durch in kurzer Zeit konstruierte Bestellprozesse am Leben zu erhalten.

Alte Menschen, die vorrangigen Risikopatienten des Coronavirus, bekommen von Nachbarn Einkäufe nach Hause geliefert. Die Nachbarn, die zuvor höchstwahrscheinlich nicht einmal den Namen der alten Frau, die da in ihrem Hochhaus lebt, kannten. Im Supermarkt sprechen die Leute an der Kasse miteinander, sie unterhalten sich über die Situation und über Klopapier. 

Werden wir uns an diese Krisen-Anfangszeit erinnern?

Für einen kurzen Moment scheint die Welt gerade so, wie es sich die Kinder der Fridays-for-Future-Bewegung auf ihrem Reißbrett ausgemalt haben. Sie präsentiert sich als durchaus gemeinschaftlicher, freundlicher und solidarischer Ort, in dem das Umfeld und die Umwelt bewusster wahrgenommen werden.

Die Corona-Krise könnte zur Blaupause für eine etwas achtsamere und warmherzigere Gesellschaft werden. Vorausgesetzt, es erinnern sich noch genügend Menschen positiv an die wenigen Wochen dieses Krisen-Anfangs. Denn sobald die kommende Depression durchgestanden ist, wird die Kapitalismus-Maschine beim Aufschwung und Boom wieder auf Hochleistung angekommen sein.

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Geht immer