Fitnessstudio
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat ein Corona-Verbot gekippt, das die Fitnessstudios betrifft. Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)

Würzburg

Ungewollte Vertragsverlängerung: Was Fit/One-Kund:innen jetzt tun können

Fitnessstudios mussten wegen der Corona-Beschränkungen mehrere Monate schließen. Manche Betreiber:innen haben nach der Wiedereröffnung die Verträge ihrer Kund:innen einseitig verlängert. Ist das zulässig? Darüber streiten derzeit viele Mitglieder mit den Betreiber:innen von Fitnessstudios. In der Kritik steht auch die Fitness-Kette Fit/One mit Sitz in Waldbrunn (Lkr. Würzburg).

Über 3.000 Menschen tauschen sich online über Ärger aus

Die Firma betreibt über 30 Studios in Deutschland, Österreich und Polen. Rund 3.100 Menschen haben sich auf Facebook zusammengeschlossen, die sich von dem Unternehmen hintergangen fühlen.

Nutzer:innen tauschen sich über ihre meist negativen Erfahrungen mit dem Unternehmen in der Facebook-Gruppe aus. Ein Streitpunkt mit Fit/One wird besonders häufig geschildert: Kunde:Kundin konnte während des Lockdowns nicht in das Fitnessstudio. Der Betreiber hat das Geld weiter abgebucht. Nun fordern Kunde:innen die bezahlten Beiträge zurück. Weil die Studios geschlossen waren, konnten die Betreiber ihre Leistung nicht erbringen.

Fitnessstudio-Mitglieder können Beiträge zurückfordern

"Dementsprechend entfällt auch der Anspruch auf die Gegenleistung, weshalb Kundinnen und Kunden die Beiträge in den betroffenen Zeiträumen nicht bezahlen müssen", erklärt Carina Schütz vom Verbraucherservice Bayern (VSB) aus Würzburg. Haben Mitglieder dennoch bezahlt, können sie diese Beträge zurückfordern.

"Als Verbraucher:innenschützer vertreten wir die Ansicht, dass eine Vertragsverlängerung gegen den Willen der Verbraucher:innen nicht einseitig möglich ist. Wir raten, dieser Vorgehensweise zu widersprechen, wenn sachliche Einwände vorliegen", so die Expertin vom VSB. Sie stützt sich dabei auch auf ein Urteil des Landgerichts Osnabrück. Jedoch muss erwähnt werden, dass die Rechtsprechung bislang uneinheitlich ist. Es gibt Urteile von Amtsgerichten, die eine solche Vertragsanpassung als zumutbar erachten.

Über eine PR-Agentur lässt Fit/One schriftlich mitteilen, dass das Unternehmen bei Kündigungen von Verträgen, die während der coronabedingten Schließungen liefen, einen "branchenüblichen Weg" gehe. Habe ein Mitglied während des Lockdowns den Vertrag weiterbezahlt, werden ihm die Monate, in denen es  den Service nicht nutzen konnte, nach Vertragsende gutgeschrieben. "Wenn ein:e Kunde:Kundin dies nicht möchte, dann finden wir im persönlichen Austausch eine besser passende Lösung", so der Sprecher im Namen von Fit/One.

Wie Fit/One auf die anderen Kritikpunkte reagiert

Kunden kritisieren Fit/One dafür, eine Rückzahlung von einer Zustimmung zu einer kostenpflichtigen Vertragsverlängerung abhängig zu machen. Zudem werden E-Mails den Facebook-Mitgliedern zufolge nur sporadisch beantwortet, telefonisch erreiche man niemanden. Das Unternehmen gesteht die schlechte Erreichbarkeit ein.

Man habe über 200.000 Mitglieder und durch die von der Regierung beschlossenen Corona-Maßnahmen sei es "von einem Tag auf den anderen zu einer hohen Zahl an Anrufen und E-Mails" gekommen, die "nicht in der zufriedenstellenden Zeit beantwortet werden konnten". Dies habe zu "Verzögerungen und Missverständnissen in der Kommunikation" mit den Kund:innen geführt. "Für den dadurch entstanden Ärger haben wir volles Verständnis, entschuldigen uns für etwaige Fehler und geloben Besserung", teilt Fit/One mit. Mittlerweile habe man die meisten offenen Anfragen beantwortet.

Was betroffene Kund:innen tun können

Nicht immer sind die Kund:innen mit der Antwort der Fitness-Kette auch zufrieden. Die Juristin Schütz hat bereits einige Mitglieder von Fit/One beraten. "In den meisten Fällen geht es um Beträge im niedrigen dreistelligen Bereich", sagt sie. Summen, bei denen viele Verbraucher:innen den Schritt zum Anwalt oder zu Verbraucher:innenschützern noch nicht als lohnenswert erachten würden.

Das Unternehmen reagiere relativ schnell, wenn sich Betroffene an den Verbraucherservice wenden und zeige sich dann kooperativ. Davon berichten auch Nutzer:innen in der Facebook-Gruppe, die einen Anwalt beauftragt haben. Daher rät Schütz: "Kunden sollen sich nicht unterkriegen lassen, sondern ihren Fall individuell überprüfen lassen."

Betroffene können den Verbraucherservice Bayern per E-Mail an wuerzburg@verbraucherservice-bayern.de oder telefonisch unter 0931 / 305080 wegen einer kostenpflichtigen Beratung oder Vertretung kontaktieren.

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!