Pille / Anti-Babypille / Antibabypille
Foto: Wavebreakmedia (iStockphoto)

Würzburg

Warum ich meiner Tochter verbieten werde, die Pille zu nehmen

Jungs wie Mädels kennen es aus eigener leidlicher Erfahrung: In der Pubertät spielt alles verrückt. Auf einmal wachsen an Körperstellen Haare, wo vorher keine waren. Auf einmal finden wir die Jungs in der Schule nicht mehr doof, sondern geil. Auf einmal sprießen da Unreinheiten im Gesicht, am Rücken, am Hals. Neben der jugendlichen Akne ändert sich vor allem für die Mädels unter uns auch noch etwas Entscheidendes: Wir kriegen unsere Periode. Mit ihr machen wir dann die ersten Erfahrungen im Thema PMS (also Bauchkrämpfe, Heißhunger oder Migräne unmittelbar vor der Blutflut) und peinlichen Situationen – in meinem Fall ein Paar Leggins mit fettem Blutfleck zwischen den Beinen im Sportunterricht. Puh, die Pubertät ist irgendwie ganz schön scheiße.

Wenn man das alles doch nur per Knopfdruck eliminieren könnte! Es gibt tatsächlich ein kleines Wundermittel, das uns Frauen ohne großen Aufwand und ohne weitere Schmerzen vor Pickeln, PMS und peinlichen Blut-Leggins rettet: die Anti-Babypille. Eine kleine Tablette pro Tag und das alles ist weg! Daher erklärt sich auch, warum mehr als jede zweite Frau in Deutschland dieses Hormonersatzpräparat einnimmt. Auch ich habe mit 15 Jahren zum ersten Mal einen Rezeptzettel in der Apotheke abgegeben und jeden Tag brav eine Tablette geschluckt. Eine medizinische Notwendigkeit im Sinne von Verhütung war da nicht das Thema. Es ging drum, Regelschmerzen zu lindern und Akne zu beseitigen.

Der eigentliche Preis der Pille ist zu hoch

Und genau da liegt das Problem: Viele Mädchen wissen nicht, was die Pille eigentlich macht. Der Preis, den sie dafür zahlen, ist extrem hoch. Denn die Pille greift in die Entwicklung des Körpers ein, beeinflusst das Wachstum der Brüste und der Eierstöcke. Sie reguliert unseren Körper nicht mit echten Hormonen, die unser Körper von allein bildet - sie ist ein Medikament aus synthetischen Hormonersatzstoffen. Und wie jedes Medikament hat auch die Pille Nebenwirkungen.

Das große Problem beginnt dann, wenn Frau die Pille absetzt, nämlich wenn der Kinderwunsch zum Thema wird oder sie ihrem Körper das ganze Hormonkarussell schlichtweg nicht mehr antun möchte. Einige Frauen berichten dann über eine zweite Pubertät – die Hormone spielen verrückt, mit Mitte zwanzig ähnelt die Haut wieder dem Streuselkuchen, die Bauchkrämpfe sind wieder da – oder die Tampons werden so vorerst zum Staubfänger im Badschrank.

Die eigene Sexualität verändert sich. In manchen Fällen wird die Libido angekurbelt und einige Frauen verspüren ohne den Hormonersatzcocktail im Blut ein größeres Verlangen nach Sex - dummerweise aber nicht mehr mit dem eigenen Partner. Die Liste der Effekte nach dem Absetzen der Pille ist lang. Und schwanger werden ist für manche Frauen auf einmal ein Problem. Denn der Körper muss sich erstmal in seinen natürlichen Zustand einschwingen. Jetzt haben wir Jahrzehnte lang die Pille genommen, um nicht schwanger zu werden – und jetzt, wo wir wollen, klappt es nicht. Oder es dauert viel länger, als wir gedacht haben. Bis der Körper sich von der Pille erholt, können mehr als zwei Jahre vergehen.

Junge Mädchen werden nicht ausreichend aufgeklärt

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Die Einführung der Anti-Babypille in den 50er Jahren war revolutionär und mit der Pille konnten die Frauen selbst bestimmen, wann und wie viele Kinder sie bekommen wollen. Allerdings mangelt es in Frauenarztpraxen heutzutage schlichtweg an Aufklärung. Funktionsweise sowie Nebenwirkungen oder Alternativen – mir wurden als Teenie keine genannt.

Heute bin ich verdammt sauer darüber, denn hätte ich gewusst, was die Pille mit meinem Körper und meiner Psyche macht, hätte ich sie niemals genommen. Deshalb werde ich meiner Tochter verbieten, die Pille zu nehmen – zumindest bis sie voll erwachsen, ihr Körper ausgereift ist und sie alle Alternativen kennt. Zum Beispiel ein Zykluscomputer ist eine großartige Alternative: jeden Morgen wird die Temperatur im Mund gemessen und gibt Aufschluss auf fruchtbare und unfruchtbare Tage.

Aber bitte lasst Euch nicht täuschen und seht die Pille als Wundermittel gegen alle unschönen Begleiterscheinungen der Pubertät an. Denn das gibt es nicht! Was Euch wirklich hilft, ist Zeit. Denn die Pubertät ist zum Glück nur eine Phase und irgendwann vorbei.

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!

Geht immer