dieWissenschaftlerin
Amelie aus Würzburg ist als "dieWissenschaftlerin" vor allem auf TikTok erfolgreich. Foto: Christoph Weiss

Würzburg

"dieWissenschaftlerin" aus Würzburg: Gegen das verstaubte Image von alten Professoren mit Brille

Wissenschaft und das alltägliche Leben können und sollten nicht getrennt werden, sagte schon die bekannte Biochemikerin Rosalind Franklin. Warum tun wir es trotzdem immer wieder? Das liegt wahrscheinlich daran, wie viele von uns Wissenschaft sehen und verstehen. Als trockene Themen, bekannt aus dem Schulunterricht, abstrakte und verkopfte Erläuterungen, gepredigt von alten Männern mit Haarkranz und Brille.

Amelie aus Würzburg macht es anders. Die Doktorandin der Uni Würzburg hat innerhalb eines Jahres unter dem Namen „dieWissenschaftlerin“ knapp 300.000 Abonnent*innen auf der Plattform TikTok gewonnen. Ihr Geheimnis: Unkomplizierte Einblicke in die Welt der Wissenschaft zu gewähren.

„Ich bin einfach ein kleiner Nerd“

Dafür geht die 26-Jährige auch mal im ultrakalten Wasser des Mains Eisbaden, um die Wissenschaft dahinter zu erklären. Gibt einfache Basics der menschlichen DNA wieder oder erzählt, warum das Leben während einer Doktorarbeit eben finanziell nicht immer rosig aussieht. Sie macht genau das, was ein hochdotierter Professor wohl nicht machen würde. Sie bereitet Wissenschaft im Style der 2020er auf. Ehrlich, einfach, geeignet für eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. „Ich habe angefangen, in den sozialen Medien zu posten, weil mir dort die Wissenschaft total gefehlt hat“, sagt Amelie. „Ich bin einfach ein kleiner Nerd und wollte passende Kanäle suchen, habe aber kaum etwas gefunden. Also musste ich es selbst machen.“ Deshalb sieht man die studierte Biologin auf TikTok und Instagram immer mit dem typischen weißen Kittel und blauen Handschuhen, mal im Erklär-Modus, mal im Entertain-Modus.

Wissenschaft als Mainstream, nicht nur für die Bildungselite

„Ich möchte erklären, was im Alltag einer Wissenschaftlerin 2021 passiert.“ Dafür reiche es nicht aus, einfach Informationen „von A nach B“ zu geben. Vielmehr müsse die Wissenschaft auch unterhalten. Infotainment nennt Amelie das. Und das „nicht im verstaubten Image des alten Professors mit Brille, der von oben herab etwas erklärt.“ Für sie sind wissenschaftliche News nicht nur etwas für die gebildete Elite. „Ich möchte Wissenschaft zum Mainstream machen, damit jeder ein bisschen was damit anfangen kann.“

"dieWissenschaftlerin" aus Würzburg lässt Hunderttausende an ihrem Forschungsalltag teilhaben. Foto: Christoph Weiss

Natürlich dreht sich bei der Würzburgerin gerade vieles um Corona. Das ist nicht ihr Fachgebiet, die Nachfrage von Seiten der User*innen ist aber groß. „Ich bin zwar keine Virologin, habe aber grundsätzliches Verständnis davon, wie beispielsweise ein mRNA-Impfstoff funktioniert. Also zeigt die Mittzwanzigerin mit den blauen Handschuhen auf, warum eine Veränderung der DNA bei so einer Impfung nicht möglich sei.

„Ich möchte Neugierde schaffen, möchte zeigen, wie interessant es ist, dass Millionen von Zellen jetzt gerade in diesem Moment, in deinem Körper Transkription machen.“ Transkription ist, wenn im Zellkern die DNA eines Menschen abgelesen wird und somit eine RNA, also ein Bauplan eines Proteins (Eiweiß) gebildet wird. Auch wenn sie keinen Ersatz für den Biologieunterricht bieten möchte, kämen jede Menge Nachrichten bei ihr an mit dem Hinweis: „Ach, cool dass ich das jetzt auch verstanden habe.“ Und das eben nicht nur von Schüler*innen, sondern auch von Erwachsenen.

Video-Blogs der täglichen Arbeit: Wie funktioniert die menschliche Haut?

Je nach Experiment nimmt Amelie ihre Follower*innen auch in ihre tägliche Arbeit mit. Dort beschäftigt sie sich als künftige Doktorin der Biologie mit der menschlichen Haut und Wundheilung. Wie entstehen Narben und wie können sie vielleicht irgendwann vermieden werden? Das ist eine einfache Beschreibung dafür, was „dieWissenschaftlerin“ an der Uni in Würzburg macht. Und mit einfachen Beschreibung trifft man bei Amelie ins Herz. Nicht ganz so einfach ist das wissenschaftliche Umfeld, in dem die 26-Jährige am Ball bleiben muss. „Morgen könnte eine Erkenntnis rauskommen, die meine Forschung komplett ändert. Ich forsche zwar gerade auf ein langes Ziel hin, wie ich das aber erreiche, könnte sich jeden Tag ändern.“

Mit ihren Kanälen auf TikTok und Instagram verdient die Doktorandtin durch Kooperationen mit Firmen bereits Geld. Eine Influencerin möchte die rothaarige Wissenschaftlerin aber nicht sein.

Denn trotz hunderttausender Abonnent*innen ist für die 26-Jährige klar: Statt vielen TikTok-Followern würde sie immer eine Publikation in ein einem großen wissenschaftlichen Magazin bevorzugen. Jedoch schließen sich diese beiden Welten nicht aus, ganz im Gegenteil. Wissenschaft ist immer ein Teil unseres Alltages.

*Warum gendern wir auf main-ding.de?

Du möchtest mehr von mainDing.de sehen? Dann folge uns fix auf Facebook, Snapchat oder Instagram!