Denny Garcia legt seit einigen Jahren in Würzburg und darüber hinaus auf und organisiert unter anderem die Eventreihe "Avoid The Subject". Foto: Christoph Weiss

Würzburg

Female DJing in Würzburg: Eine Quote wird es nicht lösen

„Soll ich dir deine Plattentasche tragen?“ Diese Frage an Frauen gerichtet kann wirklich ernst und nett gemeint sein, gerade bei Rückenprobleme, die auch Denisa "Denny" Garcia aus Würzburg immer wieder plagen. „Aber eigentlich brauche ich sowas nicht.“ Schließlich wird das ihren männlichen Kollegen vermutlich eher seltener angeboten.

Die 32-Jährige gehört zu einer Handvoll weiblichen DJs der Stadt. Sie stehen einer ungleich höheren Zahl von Männern gegenüber, die einen Großteil der städtischen Partyszene prägen.

Vor acht Jahren organisierte Denny Garcia alias „Voltage“ ihre erste Party in einem Club in Würzburg. Damals hieß ihre Veranstaltungsreihe „Kater Unser“, später wurde daraus die Techno-Serie „Avoid the subject“. Erst im Kurt&Komisch, später in der MS Zufriedenheit buchte sie unter anderem Künstler:innen, die so auch im legendären Berghain in Berlin zu hören sind. Mit ihrem Mut, Veranstaltungen zu organisieren, ist sie eine der wenigen Frauen der Stadt, die in diese Vorleistung gehen.

Nach wie vor eher selten in Würzburg: Weibliche DJs im Club. Eine Quote wird das nicht lösen, ist sich Denny Garcia sicher. Foto: Christoph Weiss

Warum legen so wenige Frauen auf?

„In Würzburg sind zu wenige Frauen in der DJ-Landschaft vertreten. Das ist auch der Grund, warum ich keine andere Wahl gesehen habe, das Interview mit euch zu führen. Da müssen nur ein bis zwei Mädels dabei sein, die das lesen oder sehen und denken, dass sie das auch können. Das müssen nicht immer die Jungs machen.“ Für Denny Garcia ist das Problem auch ein strukturelles. „Man kann da schon ein Äquivalent zur Gesellschaft ziehen. Ich glaube das DJ-Sein hat auch was mit einem ‚Ich stelle mich jetzt da hin und zeige meinen Geschmack‘ zu tun. Und das wird Mädchen eher abgesprochen.“ Ihrer Erfahrung nach waren es früher auf Teeniepartys eher immer die Jungs, „die sich das Auxkabel geschnappt und Mukke gespielt haben.“

Auch Yvonne Moser, die regelmäßig in Clubs wie dem Dornheim auflegt, sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem: „Frauen wird suggeriert, dass alles, was mit Technik zu tun hat ‚Männersache‘ ist. Wenn man in so einer Gesellschaft aufwächst, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man dieses Denken auch übernimmt. Ich selbst hatte auch Angst vor der Technik, den ganzen Kabeln, den Geräten, die man zum Auflegen braucht. Die Überwindung ist da einfach größer, man hat Angst was falsch zu machen und dann wieder auf das Geschlecht oder Aussehen degradiert zu werden.“ Generell gebe es auch weniger weibliche Vorbilder, an denen man sich orientieren kann.

Yvonne Moser legt regelmäßig im Dornheim in Würzburg auf. Sie sagt: "Die Überwindung ist einfach größer, man hat Angst, was falsch zu machen und dann wieder auf das Geschlecht oder Aussehen degradiert zu werden." Foto: Stephie Braun

Anfragen, die nur auf das Geschlecht abzielen

Wo liegt er also, der Lösungsansatz? Wer von Unternehmenskulturen kopiert, kommt relativ schnell auf eine Quotenregelung. Dazu hat auch Yvonne Moser ihre Erfahrung gemacht: „Ich hatte Anfragen, die in erster Linie wegen des Geschlechts kamen. Da hat man auf jeden Fall Vorteile, schneller an Gigs zu kommen. Das fühlt sich manchmal leider etwas komisch an, da im Hinterkopf der Gedanke schwirrt, dass man ja eventuell gar nicht wegen seinem Können oder dem Sound ausgewählt wurde, sondern nur aufgrund des Geschlechts.“ Ein Anfang könne eine Quote für sie schon sein, aber keine wirkliche Antwort.

Auch Denny Garcia ist dieser Meinung: „Ich glaube eher, dass der Weg stark über den Diskurs anstatt über eine Quote geht. Deshalb finde ich auch das Thema des mainDing-Magazins stark. Ich glaube, es braucht mehr Orte des Austauschs, anstatt zu sagen, dass ein Booking zu x Prozent weiblich sein muss. Auch sichere Orte, Clubabende, bei denen nur Frauen spielen, wäre eine gute Sache. Der Weg geht über den Austausch und damit, sich auseinanderzusetzen. Statt das stupide Integrieren.“

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