Sexistische Kleiderordnung
Lange Bluse, kurzes Kleid, enger Schnitt - was eine Frau anzieht, wird kritisch beäugt und bewertet. Foto: Massonstock (iStockphoto)

WÜRZBURG

Mal zu kurz, mal zu lang, aber immer unpassend gekleidet!

(Kommentar) Zu sexy, zu lang, zu kurz, zu tief ausgeschnitten, zu unvorteilhaft, zu lang – es vergeht kein Tag, an dem Frauen nicht für ihren Körper und wie sie diesen kleiden bewertet werden. Eine Frau darf anziehen, was sie will – aber nur wenn es allen anderen gefällt. Ein Zustand, der nie zu erreichen ist.

Kleiderordnungen sollen dabei vermeintlich helfen. Doch unter dem Deckmantel des Anstands verbergen sich allzu häufig sexistische und frauenfeindliche Konventionen. Dass der Frauenkörper immer noch ein Politikum ist, zeigen jüngst zwei Vorfälle.

Geldstrafe für Sportlerinnern in Shorts

Die norwegischen Beachhandballerinnen müssen ein Bußgeld bezahlen wegen „unsachgemäßer Kleidung“. Die Frauen haben sich bei der Beachhandball-EM in Bulgarien gegen die Kleiderordnung gewehrt und sind in Shorts angetreten anstatt in den vorgeschriebenen Bikinis.

Laut der Vorgaben hätten die Spielerinnen Höschen tragen müssen, die maximal zehn Zentimeter breit und körperbetont geschnitten sind. Der europäische Verband verhängte eine Strafe von 1.500 Euro. Männliche Kollegen hingegen dürfen in locker sitzenden Shorts, die nicht länger als zehn Zentimeter über dem Knie sein dürfen, antreten. Es gibt also keinen sportlichen Grund, warum Beachhandball nur in knappen Slips gespielt werden sollte. Die Kleiderordnung ist schlichtweg sexistisch.

 

Im Turnanzug gegen Sexismus

Auch im Turnsport war das Dress der Frauen im Gegensatz zu Männern immer kurz wie ein Badeanzug. Die deutsche Athletin Sarah Voss setzte bei der Turn-EM in Basel im April 2021 ein Zeichen und trat im langen Turnanzug an. Punktabzug gab es dafür nicht. Seit 2013 sind lange Turnanzüge erlaubt. Doch bisher wurde das Turnoutfit fast ausschließlich aus religiösen Gründen getragen.

Dass manche Kleidervorschriften einfach überholt – und rassistisch – sind, ist aber noch nicht in jeder Sportart angekommen. Erst kürzlich wurden bei den Olympischen Spielen Badekappen speziell für Schwimmer:innen mit Afro-Haar verboten.

Turn-EM in Basel 2021
Sarah Voss hat zum Auftakt der Turn-EM mit ihrem Auftritt in einem Ganzkörperanzug als erste deutsche Turnerin ein Zeichen gegen die Sexualisierung der Sportart gesetzt. Foto: Georgios Kefalas (KEYSTONE)

 

Bodybuilderin darf wegen Outfit nicht mitfliegen

Aber wie jede Art der Diskriminierung ist auch Sexismus ein facettenreicher Paradiesvogel der Geschmacklosigkeit. Es gibt ihn nicht „nur“ im Sport. Beispielsweise war für die Fluggesellschaft American Airlines der Körper einer Passagierin nicht genug bedeckt, um Anfang Juli 2021 von Dallas/Fort Worth nach Miami geflogen zu werden. Dabei handelte es sich um die Bodybuilderin Deniz Saypinar.

Sie trug kurze Shorts, ein bauchfreies Top und hatte eine Bluse um die Hüfte gebunden. Eigentlich ein ganz gewöhnliches Sommeroutfit. Doch nicht für American Airlines. Wie die 26-Jährige ihren Follower:innen auf Instagram und TikTok schilderte, wurde zu ihr gesagt, dass sie nackt und ihr Outfit verstörend für Familien sei.

Mein Körper – deine Regeln?

Doch was wirklich verstörend ist, ist der allgegenwärtige Sexismus. Ein ausgeschnittenes Kleid im Büro? Unpassend. Bauchfrei in der Schule? Nuttig. Eine enge Hose bei Mehrgewicht? Unvorteilhaft. Nippel einer weiblichen Brust auf Social Media? Verboten.

Der weibliche Körper ist seit Jahrhunderten ein Kampffeld verschiedener Machtansprüche. Mal soll sich Frau verdecken, dann enthüllen. Immer fremdbestimmt. Das Problem ist aber nicht die Kleidung oder die Person, die sie trägt. Das Problem sind die Vorschriften und jene, die sie aufrechterhalten. Wir brauchen keine Belehrungen oder Kleiderordnungen für Frauen. Es geht darum, Frauen zu respektieren.

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