Tanzen, Zocken, Chatten und Musik machen - für all das nutzt "Small CurlyFry" alias Angelika aus Würzburg ihren Twitch-Account. Foto: Telesaft

Würzburg

Würzburgerin verdient Geld mit Twitch: Weg von den normalen Jobs

Viele träumen heute von neuen Traumjobs der Digitalisierung. Influencer*in ist beliebt, Twitch als Plattform sowieso. Auch Angelika aus Würzburg, die Lika genannt wird, tobt sich auf Twitch mit ihrem Account "SmallCurlyFry" aus. Täglich wächst ihre Fanbase und die 30-Jährige verdient damit ihr Geld. Im Interview verrät sie, wie Twitch all ihre Hobbys und Talente vereint.

Frage: Lika, du bist ein Multitalent und warst früher offenbar für deine temperamentvolle Art nicht immer nur beliebt. Wie bist du damit umgegangen?

Lika alias SmallCurlyFry: „Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich anders bin als andere. Was anfangs oft ein Grund war, mich als Außenseiterin, als nervig oder „zu viel“ abzustempeln, ist jetzt genau das, was mich auf die Bühne zieht. Ich besitze eine sehr offene Art und viel Temperament, schon als Kind hatte ich Spaß daran, andere Mitschüler zu entertainen. Als Jugendliche war das dann natürlich meistens uncool. Bis irgendwann Menschen um mich herum meine Stimme lobten. Mit 14 hatte ich meinen ersten Gesangsunterricht. Getanzt habe ich schon, seitdem ich laufen kann. Ich habe schon immer zu viel Energie besessen und die Musik und andere Menschen zu unterhalten, war mein Ventil. Mit 19 bin ich dann meinem Herzen gefolgt und nach München gezogen, um dort eine Musicalausbildung anzufangen. Gesang, Tanz, Schauspiel. Die Ausbildung war hart. Kritik die Tagesordnung. Nach den drei Jahren musste ich mich Stück für Stück neu zusammensetzen. Ich hatte ein bisschen den Spaß daran verloren, andere Menschen zu entertainen. Der ständige Druck, besser zu werden, besser zu sein, hat mir die Leidenschaft zur Kunst genommen.

Dann bist du in die alte Heimat zurückgekommen?

Lika alias SmallCurlyFry: Ich zog nach vier Jahren von München nach Würzburg, um dort Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Musiktherapie zu studieren. Ich schloss das Studium ab und hatte trotzdem währenddessen hier und da Jobs auf Bühnen und vor der Kamera. Ohne den Druck, davon leben zu müssen. Meine Intention war, einen normalen Job zu haben und ein normales Leben zu führen. Doch schon während meines Praktikums im Studium merkte ich, dass mir was fehlte.

"Ich besitze eine offene Art und viel Temperament", sagt Angelika aus Würzburg, die gerne Lika genannt wird. Foto: Firstsight Photography

Wie sah das aus?

Lika alias SmallCurlyFry: Als ich nach Würzburg zurückzog, versuchte ich im sozialen Bereich wieder Fuß zu fassen. Bekam aber keinen Job, egal wie viele Bewerbungen ich rausschickte. Das war der Zeitpunkt, an dem ich wusste, ich will überhaupt keinen normalen Beruf. Keiner sah und sieht mich in einem normalen Beruf. Ich hatte mein ganzes Leben lang mich versucht anzupassen, und endlich war der Zeitpunkt gekommen, wo ich mich akzeptierte, wie ich bin. Dann fing ich mit Twitch an.

Ein Twitchkanal als Bühnenersatz?

Lika alias SmallCurlyFry: Ich hatte das Bedürfnis, wieder auf die Bühne zu gehen und ich holte mir einfach die Bühne nach Hause. Aber einfach war es nicht so ganz. Mit meinen 30 Jahren gehöre ich auf Twitch schon zur älteren Generation, auch wenn ich jünger aussehe und mich jünger fühle. Nach zwei Wochen stand das Set-up und vor dem ersten Mal online gehen hatte ich unglaubliche Angst. Als ich es dann tat, ging alles von allein. Es kamen so unglaublich viele nette tolle Menschen auf meinen Kanal. Ich lernte meinen besten Freund über Twitch kennen, der mein Mentor wurde. Ich habe so viele tolle Freunde seitdem dazugewonnen. Auf Twitch habe ich meine zweite Familie gefunden. Einsamkeit während Corona? Null.

Was machst du auf Twitch, um deine Follower*innen zu unterhalten?

Lika alias SmallCurlyFry: Neben dem „Just Chatting“ nutze ich den Kanal auch, um Menschen mit meiner Musik zu unterhalten. Ich schreibe selber Songs mit meiner Ukulele und auf Twitch habe ich auch gleich ein Publikum, vor dem ich die Songs vortragen kann. Goldwert in Corona-Zeiten. Ansonsten cover ich Songs und spiele Liedwünsche vor, soweit ich die Songs kann. Auf meinem Twitch Kanal findet man auch Tanzstreams, Streams in denen ich Kartenlege (Tarot) oder Communitygames, bei denen alle mitspielen können. Seit Neuestem mache ich alle zwei Wochen einen Fashion-Haul. Sowas kennt man von Youtube, nur dass es bei mir live ist. Die Viewer*innen dürfen mit mir zusammen Outfits aus dem Internet bestellen, diese Outfits werden dann Live vorgeführt und es darf darüber diskutiert werden. Neben dem Fashion-Aspekt gibt es zwischendurch auch viel Tanz und komödiantische Momente.

Und da es dein Job ist, verdienst du damit auch Geld. Richtig?

Lika alias SmallCurlyFry: Ich streame jetzt seit sechs Monaten. Seit dem zweiten Monat verdiene ich damit Geld. Durch sogenannte Subs (Abonnements) und Donation (Spenden). Ich werde davon nicht reich. Ehrlich gesagt reicht es gerade mal so, um über die Runden zu kommen. Ich hatte vor Corona etwas zur Seite gelegt, sodass ich mir vorerst keine Sorgen machen musste. Seitdem es bei mir gut läuft, habe ich auch aufgehört nach einem normalen Job zu suchen. Ich habe in Twitch meinen Traumberuf gefunden. Ich bin jetzt selbstständig und arbeite tatsächlich gefühlt 60 Stunden die Woche mit einem Verdienst, der für andere lachhaft wäre. Als Künstlerin bin ich es aber gewohnt, schlecht bezahlt zu werden. Aber wenn wir ehrlich sind, bin ich nicht Künstlerin geworden um reich zu werden, sondern um glücklich zu sein. Ich kann sagen, ich habe meinen Platz in der Welt gefunden.

Dieser Artikel wurde zuerst auf wuerzburgerleben.de veröffentlicht.

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