Brückenschoppen
Dieses Symbolbild der Alten Mainbrücke stammt NICHT vom vergangenen Wochenende. Die Menge der Menschen dürfte sich aber kaum unterschieden haben. Foto: Silvia Gralla

Würzburg

Irrsinnig: Im Katastrophenfall gibt es immer noch den Brückenschoppen

(Kommentar) Der Egoismus der Menschheit ist greifbar. Er ist nicht so unsichtbar, wie das Virus, das wir gerade  global gemeinsam bekämpfen wollen. Das zeigen Bilder vom Wochenende auf der Alten Mainbrücke in Würzburg. Da drängt sich kurz nach der Kommunalwahl, einer Bürgerpflicht, die in ihrer Durchführung schlichtweg für unsere Demokratie nötig ist, Hinz und Kunz dicht an dicht im Sonnenschein. Was nach der Wahl passiert, ist aber keine Pflicht, es ist die Kür, die es dieser Tage in der Form nicht geben sollte. Es werden bei einem Brückenschoppen fröhlich Bakterien und Viren beim Anstoßen ausgetauscht und überall niest und lacht die Welt, als wären die Veranstaltungsverbote der vergangenen Woche nur ein Witz, als wäre der heute ausgerufene Katastrophenfall in Bayern eine Fata Morgana aus dem fernen Morgenland. 

Es geht nicht um dich, es geht um alle

Ein Witz bleibt es nur dann nicht, wenn diese Zusammenkunft unbelehrbarer Schöppler Menschenleben gefährdet. Das betrifft nicht den kerngesunden 40-Jährigen, der als Träger des Virus keine Symptome spürt und sich den Wein deshalb gerne schmecken lassen darf.  Aber bitte zuhause! Denn der 85-Jährige, der sich an diesem Wochenende in den Supermarkt in der Innenstadt schleppt und vielleicht durch einen ausgiebigen Huster unter großer Lustigkeit (Haha, hast du etwa Corooona?) das infizierende Tröpfchen abbekommt, dem hilft die egoistische Einstellung „Von diesem Coronascheiß da lasse ich mir doch mein Leben nicht versauen“, eher nicht.

So funktioniert das zweiwöchige Quarantäne-Szenario nicht

Der Blick auf die Alte Mainbrücke am vergangenen Wochenende in Würzburg zeigt, dass auch diejenigen, die sich dieses Gläschen Wein mit Blick auf die Festung leisten können, Vernunft auf freiwilliger Basis nicht verkraften. Wie auch? Wer mit dem Gedanken umherspaziert, ihm könne nichts passieren, der hat nur sich selbst im Blick. Nicht die anderen.

Was ich nicht sehen kann, das juckt mich auch nicht. Diese Einstellung, die in ihrer Art durchaus menschlich ist, torpediert aber ein Szenario, das viele Wissenschaftler so gerne freiwillig gelöst hätten. Blieben alle Menschen der Welt zwei Wochen zu Hause, käme das Coronavirus zum Erliegen. So die Theorie. Danach könnte wieder feuchtfröhlich weitergeschöppelt werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass die freiwillige Hoffnung auf Einsicht und Einschränkung ohne ein Verbot nicht klappen wird.

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