Club (Symbolfoto)
Foto: Fabian Gebert

Würzburg

Sperrstunde: Noch mehr „Safer Party“ für Würzburg, ist das Euer Ernst?

Unser Nachtleben ist in Gefahr. Denn Würzburg droht eine Verlängerung der Sperrzeit. Bedeutet: Clubs und Kneipen müssen möglicherweise noch VOR der ohnehin frühen gesetzlichen Sperrstunde in Bayern um fünf Uhr schließen. Die Stadt argumentiert den Vorstoß mit einem Sicherheitskonzept für die Stadt und – logisch - Anwohnerbeschwerden. Mit einem Projekt namens „Safer Party“ (besteht seit 2007) möchte die Stadt weiter entgegenwirken. Als letzte Möglichkeit kann das ein früheres Ende der feierbaren Nächte bedeuten. „Safer Party“ – was so hübsch jugendlich klingt, ist mit der Überlegung einer potentiellen Sperrstunde nur ein netter Euphemismus auf eine Begrenzung unserer Freiheit.

Die Nacht ist persönlichkeitsbildend

Denn die Nacht ist die Zeit der freien Entfaltung. Die Dunkelheit bricht den Alltag und erlaubt, in dafür vorgesehenen Locations das zu tun, was während der Arbeitszeit, während der Uni, der Schule oder eben dem, was wir bei Sonnenlicht zu tun haben, nicht dürfen. Zu lauter Musik frei drehen, trinken, gewagtere Klamotten tragen, fummeln, frei sein. Für jeden jungen Menschen ist das zumindest in Phasen persönlichkeitsbildend.

Sicherheit ist hier ohne Frage ein wichtiger Punkt! Dennoch kann Würzburg sich hier seit jeher mit allen anderen deutschen Städten messen und gehört zu den sichersten Orten, die sich ein Mensch überhaupt vorstellen kann. Und das ganz ohne Sperrstundenverlängerung. Jeder, der nach 22 Uhr mal unterwegs war, kann das auch für die Nacht bestätigen. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel – doch wo ist das nicht so?

Wer garantiert, dass Problemstellungen nicht einfach verlagert werden?

Würde die Stadt tatsächlich den Riegel vorschieben, wer gibt die Garantie, dass etwaige Schlägereien und Verbrechen nicht einfach nach vorne verlegt werden. Wer Krawall sucht, wird diesen nach Veranstaltungsende um drei Uhr genauso finden wie um fünf Uhr. Wer sich besinnungslos saufen möchte, startet einfach um 20 Uhr statt um 22 Uhr. Das ist einfache Promille-Mathematik. Eine Beschneidung der nächtlichen Zeit ist nichts anderes als eine Verlagerung von Problemstellungen. Bleibt also nur eine Vermutung übrig, warum die Sperrzeit so interessant sein könnte: Die Stadt möchte es sich nicht mit den Anwohnern verscherzen.

Wer allerdings in einer lebendigen Innenstadt (auch zu Tageszeiten) leben möchte, der muss auch in der Nacht Freude und Entfaltung dulden. Frei nach dem Motto „Leben und leben lassen“. Denn sonst haben wir von der viel und oft zu Unrecht bescholtenen Würzburger „Provinz“ bald noch eine ganze Menge mehr. (Kommentar)

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